Caitlin Rose

Ich muss grade mal was erzählen: Irgendwann 2008 habe ich mir für einen Job bei einem Song-Pitching-Service mal ein paar myspace-Seiten von Künstlern angeguckt. Dabei war auch eine Caitlin Rose, für die es allerdings keinen Link gab, also habe ich ihn mir selber rausgesucht und ich konnte es einfach nicht fassen: Neben den ganzem Scheiss von Leuten, die weder was können, noch irgendeine Ahnung haben hörte ich eine junge Frau mit der besten Stimme, die mir seit Ewigkeiten untergekommen war. Ich schrieb selbiges dann an die ursprünglich angegebene mailadresse und es stellte sich schnell heraus, dass ich wohl von einer anderen Caitlin Rose sprechen musste. Ahem. Kann ja mal passieren.

MEINE Caitlin Rose also hatte grade eine EP aufgenommen, die mir ihr damaliger Manager auch netterweise gleich zuschickte. Da waren 3 richtig gute Songs drauf, der Rest bestand eher aus ziemlich zusammengeklöterten Demoaufnamen, aber die Stimme… Ich hatte mit dem Manager dann noch ein paar Mal hin- und hergemailt und überlegte, mit wem ich ihn denn mal in Kontakt bringen könnte, denn genau daran schien es ihm zu mangeln (schlecht für einen Manager). Es hatte sich dann aber nichts daraus ergeben, was auch an meinem mangelndem Enthusiasmus gelegen haben dürfte, denn ich hatte kurz zuvor noch einiges für eine Berliner Songwriterin gemacht (unbezahlt natürlich), von der ich danach nie wieder etwas gehört habe.

Gestern also dufte ich dann in neuen Glitterhouse-Katalog lesen, das Caitlin tatsächlich ihr estes Album veröffentlicht hat, und nach dem erste Hören bin ich ziemlich begeistert. Mit Mark Nevers (Lambchop) scheint sie einen sehr gut passenden Produzenten gefunden zu haben und folgerichtig spielt sie auch am 7.11. im Vorprogramm von Kurt Wagner und Cortney Tidwell in der Passionskirche. Hier gibts das Album:
iTunes
Myspace (Anspiel-Tipp: „For the rabbits“):
CD


Has the world changed or have I changed?

Die Zeiten, in denen Pop und Subkultur für Dissidenz und zumindest vage linke Positionen stand, sind natürlich lange vorbei, aber es ist schon interessant zu sehen, wie sich der Wechsel des Rolling Stone zum Axel-Springer-Verlag bzw. der neue Herausgeber Ulf Poschardt inhaltlich niederschlagen. In der aktuellen Ausgabe werden dem Atomlobbyisten und RWE-Vorstandsvorsitzendem Jürgen Großmann ganze vier Seiten eingeräumt, um dem geneigten Lesen dessen musikalische Sozialisation und sein Beach-Boys-Fantum nahe zu bringen. Als wäre easy sein zweiter Vorname posiert Großmann im Freizeit-Look auf einem Surfbrett und muss sich knallharten Fragen stellen wie „Haben Sie alle Scheiben (sic!) von den Beach Boys?“ und „Wer war ihr Lieblings-Beach-Boy?“. Das alles überschrieben mit „Der Dax rockt“ auf kecken Notenlinien. Die Leser, die immer schon einen RS-Artikel über die Frage (Zitat): Was beschäftigt Deutschlands Wirtschaftsbosse wirklich, wenn sie mal nicht an Gewinn oder Aktienkurse denken: natürlich Musik, oder?“ lesen wollten, mögen bitte die Hand heben. Danke. Und nein, es steht nicht „Anzeige“ über dem Artikel. Ich erinnere mich aber dunkel, das der RS mal so etwas wie einen journalistischen Anspruch hatte. Der dürfte sich dann mit der Installation des FDP-Freundes und ehemaligen Vanity Fair-Chefredakteurs als Herausgeber endgültig erledigt haben.

Aber vielleicht habe ich ja auch den Schuß nicht gehört und die Zukunf des Print liegt in der pullundertragenden ‚Neuen Bürgerlichkeit‘, der sich Poschardt so verpflichtet fühlt. Diese darf sich dann sicher auf brutalstmöglich investigative Interviews über die Lieblings-„Scheiben“ ihrer Helden Josef Ackermann und Kai Dieckmann freuen. Ich muss leider weg.


Aufnahmesituation.

Gestern hatte ich das große Vergnügen, erstmalig als Schlagzeuger in ein Studio eingeladen worden zu sein. Ein Bekannter von mir – Ben – wollte einen Song professionell aufnehmen und hatte Kontakt zu einem Produzenten, der normalerweise Hip-Hop aufnimmt (und dessen Studiowände mit Goldenen CDs von Sido zugepflastert waren). Um zu sehen, ob man miteinander arbeiten könne, lud er mich und ein paar weitere Leute ein, um einen Song zu produzieren, was auch ziemlich gut funktionierte.

Ich habe während meiner Zeit als A&R/PM schon mal ein Studio von innen gesehen, aber es war das erste Mal, dass ich in der Situation war, selber in der Kabine zu sitzen und vor ‚Publikum‘ möglichst perfekt zu spielen. Ich war natürlich ziemlich nervös, aber der Produzent hat mich ganz gut durch die takes geführt und ich habe dadurch einiges gelernt. So bin ich ja eigentlich jemand, der von Haus aus sehr wenig spielt, aber selbst das war noch zu viel und ich habe mich wirklich nur auf die Basics mit ein paar Akzenten konzentriert, was auch völlig ausreichend war (danach habe ich mir nochmal ein paar Songs von Calexico mit meinem Lieblingsschlagzeuger John Convertino anhört und es ist wirklich verblüffend, wie wenig er tatsächlich macht.)

Ausserdem muss ich einfach wieder mehr nach klick üben, denn zusammen mit der situationsbedingten Unsicherheit potenzieren sich da die Unexaktheiten. Zur Zeit arbeite ich ‚The Art Of Bop Drumming‘ von John Riley durch und grade bei jazzigen Patterns neige ich dazu, wegzurennen.

Ben wurde auch bewußt, dass die Band für das Album, das im Sommer für ihn ansteht, mehr proben muss, um besser auf die Aufnahmen vorbereitet zu sein. Ich weiss noch nicht, ob er mich als Drummer behält, würde mich darüber aber natürlich sehr freuen. Vielleicht spielen wir dann auch das eine oder andere Konzert, wenn wir schon dabei sind. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen.

NACHTRAG: In einen kleinen Podcast eingebettet kann man sich den Song hier anhören (der Player unter der Bildergalerie und „In the Studio with friends….“)


R.I.P. Lhasa

Vor ein paar Jahren bin ich mal über Lhasas Album „The Living Road“ gestoßen, das ich sehr mochte. Und wie das so ist: Man verliert Leute aus dem Blick, fragt sich irgendwann, was die eigentlich machen, und dann sind sie tot. In Lhasas Fall mit 37, an Brustkrebs, am 1.1.2010.

Letztes Jahr hat sie ihr letztes, selbstbetiteltes Album veröffentlicht, das leider komplett an mir vorbei gegangen ist. Im Rückblick färben sich die Dinge immer anders nach dem Tod, aber in diesem Album keinen Abschied zu hören, ist mir nicht möglich. Aber als reines Memento Mori taugt es auch nicht, dafür ist zu viel Kraft und Freunde zu spüren. Und trotz aller Trauer: So ein wunderschönes Vermächtnis zu hinterlassen ist vielleicht auch ein Art Segen.


Accelerate

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Hier kann man sich die neue R.E.M anhören. Gefällt mir nach 2x hören richtig gut. Aber an mein Lieblingsalbum von Ihnen – New Adventures in HiFi – wird es wohl nicht rankommen. Habe ich auch noch nie Live gesehen, vielleicht sollte ich im Sommer mal hingehen, wenn sie in Berlin spielen… Ich finde übrigens auch, das Stipe ein bei der Geburt getrennter Zwilling von John Malkovich ist.
(Via)


Orange Blossom Special!

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Wie der eine oder andere vielleicht weiss, habe ich 1998 mal ein halbes Jahr als Praktikant bei Glitterhouse Records gearbeitet und bin dem Label und den Menschen immer noch aufs Freundschaftlichste verbunden. Seit diesem Jahr arbeite ich auch regelmäßig als Stage Hand beim Orange Blossom Special Festival, das seit ’97 jährlich im Garten der Firmenvilla stattfindet.

Folglich findet der Spass dieses Jahr zum 12. Male statt und trotzdem sich alles über die Jahre gut eingeschliffen hat, ist es jedes Mal eines und nicht selten das persönliche Highlight des Jahres. Und zwar hauptsächlich deshalb, weil es eben kein typisches Festival ist. Keine Alkleichen, keine Bouncers, keine Abzocke – sondern fast ausschliesslich nette Leute, tolle und sympathische Bands (sieht mal man von Chuck Prophet ab) und jede Menge Spass.

Normalerweise sind die Tickets immer innerhalb kürzester Zeit weg, dieses Jahr gibt es aber noch ein paar Restkarten, und so möchte ich hier mal kurz mit dem Finger drauf zeigen. Für schlappe 40 EUR gibt es vom 9.-11. Mai (Pfingsten) folgendes:

SIR SIMON
THE VIOLENT YEARS
HYACINTH HOUSE*
SHOOTING JOHN*
CLARA LUZIA
DEXTER JONES CIRCUS ORCHESTER
SCOTT MATTHEW
GISBERT ZU KNYPHAUSEN
RYKARDA PARASOL & THE TOWER RAVENS*
HANK SHIZZOE & THE DIRECTORS
TIMESBOLD*
MICHAEL J. SHEEHY & THE HIRED MOURNERS*
CUBA MISSOURI
THE AUDIENCE
THE GREAT CRUSADES
SCOUT NIBLETT*
MARY EPWORTH & THE JUBILEE BAND
GIRLS IN HAWAII

Ich kann also jedem, der musikalisch damit was anfangen kann, nur an Herz legen, sich dieses Festival anzutun. Ich sage euch: Sowas gibt es in dieser Form kein zweites Mal. Und bei der derzeitigen Lage der Musikindustrie muss man ja auch immer sagen: Wer weiss, wie lange es das noch gibt.

Orange Blossom Special

Und wenn ihr kommt: Sagt Hallo! Ich bin fast immer an der Bühne zu finden.


Gram Parsons

Gram Parsons bevölkert ja zusammen mit Neil Young meinen musikalischen Olymp, und verdammt, momentan befinde ich mich mich in Gram Heaven. Zum einen ist vor kurzem eine in jeder Beziehung exzellente Biographie über Gram erschienen, die die, äh, eher hingeschmierte andere (von Ben Fong Torres, glaube ich) auf die Plätze verweist; dann gab es die ebenfalls letztes Jahr veröffentlichten Mitschnitte der beiden Flying Burrito Brothers Gigs aus dem Avalon Ballroom von ’69, und eben habe ich im Steelguitarforum einen link zu ein paar Konzertmitschnitten von 1973 bei YouTube gefunden. Ich hatte überhaupt nicht gewusst, dass diese existieren, aber da sogar mit mehreren Kameras gefilmt wurde, müsste es eigentlich sogar noch mehr geben- und auch in besserer Qualität. Trotzdem: Juhu!