Don Miller, Blue Like Jazz

Nachdem die Schwiegereltern dieses Jahr meinen Amazon-Wunschzettel endeckt haben, haben Sie mir netterweise „Blue Like Jazz“ geschenkt, obwohl sie mit Religion und Christentum so gar nichts zu tun haben. Dem Buch eilt ja ein ähnlich legendärer Ruf wie „The Shack“ vorraus, und der Untertitel „Non-religious thoughts on christian spirituality“ handelt ja quasi genau von dem, womit ich mich seit einiger Zeit beschäftige. Leider war ich von diesem Buch ziemlich enttäuscht (was, wie immer, mehr über den Rezipienten aussagt, als über das Buch). In den einzelnen Kapiteln, die hauptsächlich mit den Kernthemen des christlichen Glauben überschrieben sind (Church, Faith, Confession, Believe, Money u.s.w.) behandelt er besagte Themen in kurzen, oft anekdotenhaft gehaltenen Abschnitten, die sich meist auf seine persönliche Geschichte beziehen, und die zumeist eine Änderung in seinem Glauben oder seinem Verhalten behandeln. Hin und wieder gibt es dort ein paar ganz nette Einsichten zu finden, doch generell muss man schon von sehr konservativ / fundamentalistischen und evangelikal geprägten Spielart des Christentums vorgeprägt sein, um hier wirklich Überraschendes zu finden. Und dieses Klientel dürfte vielleicht auch die Zielgruppe des Buches sein: Amerikaner mit einem sehr konservativen Hintergrund, die neulich entdeckt haben, das man ja vielleicht auch Schwule und Liberale lieben kann – diese bahnbrechende Erkenntnis taucht sogar mehrmals im Buch auf.

Interessant ist, dass er an einer Stelle seine Freundschaft mit Mark Driscoll erwähnt und seine Kirche „pretty cool“ findet. Driscoll würde ich eher unter extrem konservativ-evangelikal einordnen; auch, wenn er seiner Megachurch einen eher „hippen“ Anstrich gibt, was die Musik und die Corporate Identity angeht. Miller schreibt in einem Kapitel auch, was für ihn die Quinessenz des christlichen Glaubens sei, und auch damit dürfte er Dricolls Blut nicht in Wallung bringen, das ist die ganz klassisch-evangelikale Jesus-starb-für-unsere-Sünden-Schiene. Man war und bleibt also konservativ, wagt aber vielleicht erste Schritte aus dem allzu begrenzten Kosmos.

Leider hat sich mir der Untertitel „Non-religious thoughts on christian spirituality“ so gar nicht erschlossen, denn seine gesamte Beschäftigung mit christlicher Spiritualität findet in den (engen) Grenzen der christlichen Religiösität statt. Es gibt Satan, die Hölle und natürlich die unhinterfragte Tatsache, dass man sich als Christ auch eine Kirche suchen muss, deren Gottesdienste am Sonntag morgen man auch zu besuchen hat.

Wie gesagt: Meine Meinung zum Buch sagt mehr über mich als über das Buch aus, aber ich konnte damit fast nichts anfangen. Vielleicht bin ich schon zu weit weg vom religiösen Christentum, über das Miller hier schreibt. Vor 12 Jahren wäre meine Reaktion auf das Buch vielleicht positiver ausgefallen, aber meine Fragestellungen sind mittlerweile zumeist anderer Art.



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