Anfangs Schwester heisst Ende

„Everything will be good in the end. If it’s not good, it’s not the end.

(via)


Auf Schleichwegen zur Nächstenliebe

So, gestern war dann also mein „Junggesellen-Abschied“, der sich an Peinlichkeiten sehr zurückhielt, aber schlicht grossartig war. Da ich ja nach all den Jahren immer noch grosser Big-Lebowski-Fan bin, sind wir in die Neue Welt zum Bowlen gegangen. Eine Schnellficker-hose musste ich nicht anziehen, aber  mir wurde ein „Team Dude“-Shirt gereicht, das ich natürlich gerne getragen habe. denn ein besseres Role Model als den Dude habe ich bislang noch nicht gefunden (Jetzt kommt mir nicht mit Jesus).

Danach sind wir noch ins Wirtshaus Hasenheide gegangen und haben was gegessen und noch mehr getrunken. Irgendwann kam das Gespräch dann mal wieder auf Gott und das Verhältnis von Nächsten- zur Selbstliebe, wobei wir drei an diesem Gespräch Beteiligten interessanterweise jeweils unterschiedliche Positionen einnahmen. Während für Frank das Gebot der Selbstliebe bedeutet, sich eben auch um sich selber zu kümmern und eigene Interessen zwar in Balance mit der Nächstenliebe, aber doch energisch zu vertreten, lehnt Dan die „Selbstliebe“ aus dem Grund weitestgehend ab. Zu oft würden die eigenen Bedürfnisse mit eben dieser Begründung den Vorrang vor denen anderer haben und so sei dies letzlich kaum etwas anderes als ein Persilschein für denen eigenen Egoismus.

Ich kann Dans Haltung gut verstehen, denn die „Gute Nachricht“, mit der ich in einer Baptistengemeinde aufgewachsen bin, drehte sich nämlich immer nur um eine Person: Nein, nicht Jesus. Man selbst. Im Prinzip ging es nur darum, wie man den eigenen Arsch vor der Hölle retten kann. Nebenbei konnte man noch ein bißchen was Gutes tun, aber solange man in die Kirche ging, war einem das Ticket in den Himmel eigentlich sicher.

Ich erlebe das seit einiger Zeit sehr anders. Der Begriff der „Selbstliebe“ ergibt für mich eigentlich nur mit dem Paulinischen „Ich muss abnehmen, er muss zunehmen“ Sinn. Die Freiheit, die Gott einem schenkt, manifestiert sich für mich hauptsächlich im Frei-Sein von den eigenen Problemkomplexen. Ich glaube, die meisten Egoisten beschäftigen sich nicht so viel mit sich selber, weil es das wollen, sondern weil sie müssen. Jedes Gramm, das die eigene Persönlichkeit zunimmt, sei es durch Probleme, Krankheit, materiellen (und mentalen!) Besitz, schlecht verarbeitete Erlebnisse oder was auch immer, erhöht die eigene Gravitation und hindert einen daran, den Blick von sich selbst weg zu richten. Ich erlebe grade ganz massiv, dass Gott Stück für Stück meinen ganzen Ballast, den ich schon so lange mit mir rumschleppe, in seiner Liebe auflöst. Verhaltensmuster, unter denen ich schon seit Ewigkeiten leide, sind plötzlich verschwunden. Versagensängste, die mich in meiner Arbeit massiv behindern und mir viel Freude geraubt haben, sind schlicht nicht mehr da, nachdem ich Gott darum gebeten habe.

Ich war immer schon ein grosser Anhänger des „Homöophatischen Prinzips“, nachdem etwas um so grösser wird, je mehr man es reduziert. Jesus wurde um so mächtiger, je weniger Macht er ausgeübt hat. Der emotionale Gehalt von Musik wird um so größer, je mehr ich mich als Musiker zurücknehme und dem Material vertraue. Und ich habe den Verdacht, dass das Selbst um so deutlicher zu Tage tritt, je weniger von ihm existiert. Und das ist wiederum der Ausgangspunkt für die Nächstenliebe. Erst wenn ich mich durch Gottes unbedingte Liebe verändern lasse und lerne, aus dieser Liebe jeden einzelnen Tag zu leben, wird mein Blick (und die Nächstenliebe) wirklich frei für das, was um mich herum geschieht.

Ich schätze, das ist ein sehr langer Weg, und obwohl ich sehr dankbar bin, ihn gehen zu dürfen, weiss ich doch, dass ich erst auf den ersten 10 cm bin. Aber ich glaube, das zumindest mein Weg zum „Nächsten“ erstmal durch mich selber führt.

(und illustriertt nicht das Beispiel Anakin Skywalker / Darth Vader genau diesen Mechanismus? Das die eigene Persönlichkeit viel zu viel Gravitation gewinnt, aus der man sich irgendwann nicht mehr befreien kann?)


Kirche & Homosexualität

Peter Aschoff hat einen sehr lesenswerten Post über Homosexualität und Kirche geschrieben und dabei vor allen Dingen einige Argumente von Walter Wink zitiert, die gegen die Möglichkeit sprechen, eine Sexualnorm aus der Bibel zu extrahieren.


Ein Eimer Erbsen mittelfein

Ach ja,

ich habe mal den Namen dieses Blogs geändert, denn es ging mir auf die Nerven, dass hier qua definitionem nur über Christentum (oder zumindest hauptsächlich) geschrieben werden sollte. Seit längerem ist ein Hauptthema für mich, die (imaginierte) Trennung zwischen Säkulär und Sakral zu überwinden (darüber hoffentlich auch mal mehr), und da passt sowas ja gar nicht mehr. „Der Symbolische Nachbar“ ist natürlich wieder von Max Goldt inspiriert, dessen Stück „Die Symbolische Nachbarin“ schon seit Ewigkeiten zu meinen Favoriten zählt.