Where’d that broke Jewish guy go?

„To this day I remain stunned the church doesn’t see what even a young boy could see the first time he was given the chance. A church that holds up a poor carpenter’s kid as its ideal presents a leader who, symbolically anyway, seems to emulate the Roman emperors instead.“

Dieser Text von TD Mischke fasst eine zentrale Frage, die ich an den Katholizismus habe, ganz gut zusammen, wenn es natürlich auch nicht der einzige Aspekt ist. Eine weiterer Gedanke, der an das Problem mit der Macht anschließt ist folgender: Es gibt wohl kaum ein verabscheuungwürdigeres Verbrechen als der Mißbrauch an Kindern und eine jahrzehntelange Vertuschung. Wenn das aber für viele Katholiken noch nicht mal reicht, sich zumindest von ihrer Kirche zu distanzieren, dann scheint mir, als ob die Organisation wichtiger geworden zu sein, als der eigentliche Grund dafür. Wäre Jesus das Wohl einer Kirche wichtiger gewesen als das Wohl der von ihr mißbrauchten Opfer?

Ich weiss natürlich, dass für Katholiken die Kirche und ihr Glaube kaum zu trennen ist, und das dürfte der Grund für viele Reaktionen auf die Enthüllungen sein, auf die ich gar nicht weiter eingehen will. Aber trotzdem rätsele ich darüber, das es für viele nicht Möglich zu sein scheint, eine etwas distanziertere Haltung einzunehmen. Ein schönes Beispiel von Matthias Matussek findet sich übrigens auf SPON, der seiner Religion den gleichen Status wie Rudervereinen und Gesangsgruppen zubilligt – und auch überhaupt nicht auf die Idee kommt, das die Machtfrage etwas damit zu tun haben könnte.

Um nicht mißverstaden zu werden: Ich habe große Symphatien für die katholische Spiritualität und verdanke ihr viele Einsichten in das Wesen Gottes. Ich habe katholische Freude, die ich sehr schätze und gehe nicht davon aus, dass mir tiefere und wahrere Einsichten in den Glauben geschenkt wurden als ihnen.  Aber ich sehe in dieser machtversessenen Organisation kaum etwas von dem obdachlosen Wanderprediger, der so armselig und machtlos daherkam. Und zu seiner Verteidigung vor Gericht kein einziges Wort gesagt haben soll.



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