The Spirit Ditch

Im November ’96 war ich bei Mazzy Star im Kölner Luxor. Absolut grossartiges Konzert, keine Frage, was mich die Tage danach aber am meisten beschäftigt hat, war die Vorgruppe: Sparklehorse. Ich meine, Mark Linkous hatte damals noch im Rollstuhl gessesen, nachdem er einige Monate zuvor durch eine drogeninduzierte Bewußtlosigkeit 14 Stunden in einer ziemlich ungünstigen Position auf dem Boden lag und sich die Beine abgeklemmt hatte. Ich hatte den Eindruck, dass es vor dem Gig damals ziemlich Stress innerhalb der Band gegeben haben muss, alle schienen schlechte Laune gehabt zu haben und soweit ich mich erinnere, hat Linkous auch so gut wie nichts zum Publikum gesagt. Jedenfalls erzeugte das eine sehr angespannt Atmosphäre, die sich aber erstaunlich gut mit der Musik verband. Ausserdem war das natürlich ein sehr interessanter Kontrast zu Hope Sandoval, die danach turboelegisch im Abendkleid unter einem alten Kronleuter zirpte.

Sparklehorse’s erstes Album mit dem wunderschönen Namen ‚Vivadixiesubmarinetransmissionplot‘ hat mich dann auch erwartungsgemäß umgehauen und ich halte es immer noch für eines der besten Alben der 90ger. Teilweise kamen mir die Songs vor wie eine Borderliner-Version von Timbuk 3, die Linkous sicher auch kannte, aber wo Pat MacDonald nebst Frau immer noch eine grössere Nähe zu Blues und Country hatten, schien Linkous seine manisch-depressiven Songs eher in einem Popkontext zu verorten.

Auch das zweite Album von 1998, ‚Good Morning Spider‘ hat eine ähnliche Klasse. Ich erinnere mich, dass ich damals in Beverungen bei Glitterhouse saß und dachte, dass Linkous eigentlich genau die Musik machte, die ich immer machen wollte. Natürlich waren die ‚Songs‘, die ich damals so schrieb, nicht mal annährend so gut und wenn ich’s mir recht überlege, war dieses Album dann auch der Grund, weshalb ich das Songschreiben ganz ad acta gelegt und mich fürderhin nur auf’s Schlagzeug konzentriert habe.

Obwohl ich das Titelstück des nächsten Albums, ‚It’s a wonderful life‘ (2001)  sehr geliebt habe, war für mich die Sparklehorse-Zeit irgendwie vorbei. Meine Lebensumstände hatten sich sehr geändert und irgendwie schien die Verbindung zu seiner Musik nicht mehr da zu sein. Folglich kaufte ich mir ‚Dreamt For Light Years In The Belly Of  A Mountain‘ vor 4 Jahren zwar, hatte aber auch wieder keinen rechten Zugang dazu gefunden, was allerdings auch am Mastering des Albums lag, das es für mich quasi unhörbar machte. Auch ‚Dark Night of the Soul‘ mit Danger Mouse und David Lynch von vorletztem Jahr habe ich, begeistern konnte es mich aber auch nicht.

Aber mal von den persönlichen Vorlieben abgesehen war Linkous natürlich ein aussergewöhnlicher Künstler, dessen Musik immer einen grossen Platz in meinem Herzen hatte und haben wird- nicht auch zuletzt durch seine Zusammenarbeit mit Nina Persson auf ihrem fantastischen Soloalbum „A Camp“. Schön, dass ‚Dark Night of the Soul‘ nach lange Querelen mit den beteiligten Plattenfirmen jetzt auch offiziell veröffentlicht wird.

Mein ewiges Lieblingsstück ist übrigens „Spirit Ditch“ vom ersten Album. An der Stelle, wo normalerweise ein Gitarrensolo gekommen wäre, spielte Linkous eine Nachricht seiner Mutter von seinem Anrufbeantworter ein, die erzählte, dass sie in der letzten Nacht von ihm geträumt habe, was das eh schon sehr traumartige Stück nochmal komplett entschweben lässt.

Vielleicht eine nicht ganz uninteressante Fußnote: Suchte man heute nach ‚Sparklehorse‘ bei Google linkte der erste Treffer auf die website der Band, mit folgender Unterzeile: „Please Visit http://kristinhersh.cashmusic.org/vic/“. Ich weiss nicht, in wie fern Vic Chesnutt’s Selbstmord bei seiner Entscheidung eine Rolle spiele; eigentlich ist es auch irrelevant. Es bleibt das Gefühl eines riesigen Verlustes.


One Comment on “The Spirit Ditch”

  1. Torsten sagt:

    Hallo, ich bin es, Torsten. Ein trauriger Tag. Ich erinnere mich, in meinem Keller zu sitzen, ein Feuer im Kamin, leicht einen in der Birne und Vivadixiesubmarinetransmissionplot rauf und runter zu hoeren. Fantastisch, dieser Mensch, dachte ich. Dann fand ich heraus, dass er sogar hier aus Virginia kam, aber mir von deutschen Freunden (Jens) empfohlen kam. Die Welt hat einen grossen Verlust erlitten.

    Rest in Peace, Mark.

    Torsten


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