Ein Besuch im Anverus-Haus in Aumühle

Yotin hatte eingeladen: Am 28.2. sollte eine Lesung aus dem Buch „Beziehungsweise Leben“ mit ihm und einem der Herausgeber, Daniel Ehniß, im Ansverus-Haus in Aumühle bei Hamburg stattfinden. Es handelt sich dabei um ein evangelisches Exerzitienhaus mit klösterlicher Atmosphäre, in dem Yotin Kantor ist. Da ich seinen Text über Kontemplation in besagtem Buch sehr berührend fand und ausserdem seinen Blog sehr gerne lese und es darüberhinaus noch eine Teilnahme an den Meditationszeiten geben sollte, wollte ich gerne dabei sein.


Sieht nur auf dem Photo aus wie das Bates Motel: Das Ansverus-Haus

Um 16 Uhr ging es mit einer Begrüßung der Spritualin des Hauses, Dr. Kirstin Faupel-Drevs, los, die dann für die weitere Moderation an Anja Neu-Illg abgab. Daniel las als ersten Programpunkt Abschnitte aus seinem sehr guten Text über die beziehungsbedingte Identität des Menschen, der von den ca. 35 Teilnehmern angeregt und auch kritisch diskutiert wurde. Danach war es bereits kurz vor 18 Uhr und wir konnten am ‚Complet‘, dem Abendgebet des Hauses teilnehmen. Dieses fand im ‚heimlichen Zentrum‘ des Exerzitienhauses statt, der Krypta, die vor 20 Jahren in den Keller gebaut wurde, und bei der es mir beim ersten Betreten wortwörtlich den Atem verschlug:


Die Krypta vom Eingang aus (Bild: Ansverus-Haus)


Vom Altar aus (Bild: Ansverus-Haus)

Ich bin ja kein grosser Charismatiker und so sind mir aussergewöhnliche emotionale Regungen im spirituellen Bereich eher fremd, aber die Atmosphäre in diesem Raum ist wirklich besonderes, zumindest für mich der ‚thinnest place‘, an dem ich bislang war. Das Complet folgte einer strengen Liturgie, die ich – eigentlich erstmalig – nicht als gezwungen empfand, sondern als adäquaten Umgang mit der an diesem Platz praktizierten Spiritualität.

Danach gingen wir wieder nach oben und Yotin las seinen bereits erwähnten Text vor, der m.E. eine hervorragende Einführung in das kontemplative Gebet darstellt und auch die schweren Seiten dieses Weges nicht unerwähnt lässt. Er erzählte auch seine Schlüsselerfahrung mit Stille, die er vor einigen Jahren in einem kleinen Zimmer in Portugal hatte.

Auch über diesen Text wurde diskutiert und danach gab es Abendessen. Nach einigen interessanten Tischgesprächen löste sich die Gruppe auf und die meisten fuhren nach Hause. Ich ging mit Daniel rüber in einen Bungalow, in dem wir übernachteten und trank mit ihm noch ein Bier.

Der nächste Morgen begann um 8 Uhr mit einer halbstündigen Meditation in der Krypta, auf die ich mich natürlich besonders freute. Sie folgte wieder einer Liturgie und berührte mich emotional tatsächlich ganz schon heftig. Danach folgte das Frühstück, und da ich noch etwas Zeit bis zu meiner Abfahrt hatte, setzte ich mich nochmal für eine Stunde in die Krypta und genoss noch etwas das ‚absichtlose Verweilen bei Gott‘.

Seitdem ich Anfang letzten Jahres einige längere Blogeinträge zu Franz Jalics Buch „Kontemplative Exerzitien“ las habe ich den Eindruck, das dies ein Weg ist, dem ich auch folgen sollte und die Erfahrungen dieser anderthalb Tage haben mich nochmal darin bestärkt. Ich fühle mich noch ganz am Anfang und merke vor allem, was für eine Herausforderung es darstellt, sich von Gott an diesen dunkeln Ort führen zu lassen, aber ich merke eben auch, wie sinnvoll dies sich mit meinen sonstigen Erfahrungen – einer teilweise vollkommenen Sprachlosigkeit Gott gegenüber, einer Unmöglichkeit, in den gewohnten Formen Frieden zu finden z.B. – verbindet.

Das Ansverus-Haus ist wirklich ein besonderer Ort und liegt landschaftlich wunderschön am Rande des Sachsenwalds. Es werden über das Jahr einige Kurse und Veranstaltungen im Bereich Spiritualität angeboten und es eignet sich auch perfekt für Klausuren oder um mal ein paar Tage mit Gott zu verbringen. Ich werde sicherlich nicht das letzte Mal dagewesen sein.


3 Kommentare on “Ein Besuch im Anverus-Haus in Aumühle”

  1. yotin sagt:

    danke für diesen schönen bericht!

  2. depone sagt:

    bedanke mich ebenfalls 😉
    hat mich sehr gefreut, dass du da warst und wir uns so einfach getroffen haben!

  3. […] › Ein Besuch im Ansverus-Haus in Aumühle. […]


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