‚Christen‘

Es gibt schon gute Gründe, warum ich eigentlich kurz davor bin, mich nicht mehr als ‚Christen‘ zu bezeichnen. Zum einen evoziert dieser Begriff nicht nur bei anderen, sondern mittlerweile auch bei mir Assoziationen, die ich nicht mehr mit meiner Spiritualität in Verbindung bringe (n möchte), zum anderen spüre ich bei allem Mitleid das dringende Bedürfnis, GANZ VIEL Raum zwischen mich und Demagogen wie den Typen von kreuz.net zu bringen, was das ‚christliche‘ Pedant zu PI sein dürfte.

Aktuellstes Beispiel ist die Art und Weise, wie die ‚Brüder und Schwestern‘ gegen zwei 18-jährige Schüler vorgehen, die es gewagt haben, sich in einer bundesweiten Schülerzeitung kritisch über Evangelikale zu äussern. Mehr bei Stefan Niggemeyer, dem Spiegel und einem Blog. Auf Kreuz.net gibt es natürlich auch entsprechendes.

Sowas macht mich wahnsinnig.


4 Kommentare on “‚Christen‘”

  1. MentalRover sagt:

    > Es gibt schon gute Gründe, warum ich eigentlich kurz davor bin, mich nicht mehr
    > als ‘Christen’ zu bezeichnen.

    Kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber wie ernst war dieser Satz gemeint?

    Ich habe nämlich auch schon darüber nachgedacht, aber bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht der Weg ist, bestimmte Begriffe einfach ihrem immer eigenartiger werdenden Bedeutungswandel zu überlassen und ständig neue zu erfinden, um die eigentlich gemeinte Bedeutung durch Sprache wieder denkfähig zu machen.

    Wenn du glaubst, dass es Gott gibt und das Jesus sein Sohn war/ist, bist du Christ. Wenn Leute diesen christlichen Glauben durch ihre Publikationen und ihr Handeln verzerren, dann schreit dies nach Aufklärung und Richtigstellung. Verlangt nach positiver Umdeutung durch das eigene Publizieren und Handeln.
    Letzlich vielleicht nach Reformation?

    Es ist schwierig mit Leuten zu reden, wenn der Begriff ‚Christ‘ so eigenartig belegt ist. Ja. Man muss plötzlich viel erklären.
    Aber viel schwieriger ist es, den Christus den Menschen zu verkünden, wenn man alles, was begrifflich damit verbunden ist (Kirche, Gemeinde, Christ, Religion) vorher denen überlassen hat, die das mit verzerrten Inhalten befüllt haben.

    Mir geht jedenfalls inzwischen diese Begriffsumdeuterei und Neuerfinderei ziemlich auf die Nerven. Was heute zum sprachlichen Austausch dient darf morgen nicht mehr gesagt werden, ohne in irgendein Fettnäpfchen zu treten.
    Ich finde, das entartet langsam. Oh – hoppla – da hab ich jetzt doch glatt …. ich meinte natürlich: Das artet langsam aus. Das heißt … nein … ich meinte natürlich … Ach du weißt schon …

  2. francis sagt:

    ich hatte auch schon was dazu geschrieben, aber weil ich da so emotional mitgegangen bin und jetzt außerdem erstmal weihnachten ist, hab ichs erstmal als entwurf versteckt.
    ich hab ja verständnis für kritik an merkwürdigen vergleichen und aussagen, und ich sehe auch, dass es mit der meinungsfreiheit in deutschland in bezug auf christlich-religiöse und konservative themen zunehmend schwieriger wird. es gehört zum guten öffentlichen ton, links, liberal und atheistisch zu sein, auch wenn es die mehrheit der bevölkerung wohl nicht ist.
    ABER diese schweinerei, diese hetze, die von den evangelikalen losgetreten wurde, ist nicht nur inakzeptabel, sondern hochgradig dumm und geradezu konträr zu unseren glaubensinhalten. ich begreif das nicht …

  3. onkeltoby sagt:

    @MenalRover

    Ja, dieser begriffliche Bedeutungswandel nervt zwar, aber da Sprache ein lebendiges Wesen ist, bleibt die Veränderung nicht aus und man wird nichts dagegen unternehmen können. Ich sehe das eigentlich sogar als Chance, die Dinge aus anderen Perspektiven wahrzunehmen, indem man die Begriffe hinterfragt und, wenn nötig, austauscht. So gehen emfinde ich es eigentlich als schwieriger, mit den alten, mittlerweile anders konnotierten Begriffen von Gott zu erzählen.

  4. Paul sagt:

    du sprichst mir aus der seele!
    aber: dies alles ist genauso alt wie jesus, möchte nur mal an die vielen bibelstellen erinnern, die die jünger jesu als unwissend und daraus falsch handelnd darstellen.

    das ziel sollte nicht sein, schnell und erbittert zu urteilen, sondern geduldig zu sein. das ist für mich christsein. die erbitterung über dinge und zustände abzulegen.

    Paul, JFEppingen


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