Sarah Palin und das Eva-Herman-Paradox.

Aufgrund der Tatsache, dass der Vorstand meiner (mittlerweile ehemalige) Kirche vor kurzem offziell bekannt gegeben hat, dass Frauen dort nicht predigen werden (zumindest nicht öfters) und generell keine Positionen bekleiden dürfen, in der sie Männer „führen“ keine „Ältesten“ werden dürfen, habe ich mich in letzter Zeit etwas ausführlicher mit dieser für mich völlig fremden, doch anscheinend unter konservativen (amerikanischen) Christen recht verbreiteten Ansicht beschäftigt (evtl. folgt später noch ein ausführlicherer Eintrag).

Ich habe mich bei der Palin-Nominierung immer wieder gefragt, warum ich grade von dieser Gruppe (ich glaube, sie nennen sich „Complementarians“) sowenig Kritik gehört habe – oder habe ich das einfach nicht wahrgenommen? Denn wenn man schon davon ausgeht, dass Frauen keine Männer „führen“ dürfen, dann sollte man m.E. so konsequent sein und dieses Prinzip auch im sekulären Bereich vertreten, denn ich kann in den Bibelstellen, auf die sich die Komplementarier immer wieder beziehen, nicht erkennen, dass das nur für geistliche Belange gelten soll.

Der texanische Pastor Voddie Baucham spricht in seinem Blog genau diese Problematik an:

Are Christian conservatives saying that Paul’s instructions concerning women’s duty to be “keepers of their homes” has somehow been overturned in light of recent discoveries? Or are we saying that pro-family means one thing when we’re in church, but something else when we’re trying to beat the Democrats?

Link

Ich bin sehr gespannt, ob sie die „gender“-Frage nicht doch noch als sehr problematisch für die Republikaner erweist.


9 Kommentare on “Sarah Palin und das Eva-Herman-Paradox.”

  1. John sagt:

    Den Artikel fand ich ebenfalls sehr interessant und hatte ihn mir auch gleich ge-Evernoted. 😉

    Der Post zeigt aber, wie sehr die „Komplementarier“ und die „Egalitarier“ aneinander vorbeireden: die Tatsache, dass die Egalitarier denken, dass Komplementarier ein theologisches Problem damit haben müssten, dass Palin Vizepräsidentin (oder auch Präsidentin) wird, zeigt IMHO, dass sie Komplementarier einfach nicht verstanden haben.

    So aber übrigens auch in deinem eigenen Post: ich gehe jetzt mal davon aus dass du im ersten Absatz von uns redest (wenn nicht, bitte korrigiere mich ;)…wer sagt eigentlich, dass bei uns Frauen „generell keine Positionen bekleiden dürfen, in denen sie Männer führen“? Dem ist schließlich überhaupt nicht so, siehe z.B. unsere weiblichen Hauskreisleiter, Anbetungsleiter und Team-Leiter. Dass es trotzdem immer wieder so aufgefasst wird, ist natürlich echt frustrierend, vor allem weil es sehr schnell zum Strohmann-Argument ausartet: schließlich lässt sich wunderbar dagegen wettern, dass Frauen nichts leiten dürfen.

  2. John sagt:

    P.S. Hier übrigens ein guter Artikel von Timothy Keller (dessen Redeemer Presbyterian Church coachend hinter dem Berlin Projekt steht), der das Thema find ich super und balanciert erklärt: http://www.upc-orlando.com/resources/written/doctrines/doctrine06.html

  3. onkeltoby sagt:

    Hallo John,

    danke für Deinen Kommentar und den link zum Tim Keller-Text. Es geht natürlich um euch und es tut mir leid, wenn ich eure Position falsch zitiert habe. Ich habe mich darüber mit Dieter unterhalten und das war letztendlich mein Eindruck, den ich natürlich gerne revidiere.

    Ganz kurz zu Keller. Da liesse sich eine Menge zu sagen, aber nur 2 Anmerkungen:

    Seine Auslegungen zum der Frage, warum der Mann in der Ehe über die Frau herrscht erinnern mich ein wenig an das muslimische Argument, dass die Frauen durch den Schleier ja überhaupt erst frei werden. Das ist so fürchterlich gewunden und voll von Beschönigungen, Vermutungen und Auslegungen, und am Ende müssen die Frauen dann noch dankbar sein, weil sie ja dadurch in die Position des Stärkere gerückt werden. Kann ich nicht nachvollziehen.

    Zum anderen verstehe ich diese ganzen Demokratie-Exkurs bei der Frage, warum hier das Spirituelle von Sekulären getrennt sein soll, überhaupt nicht. Er sagt ja selber, das er spekuliert, weil es offenbar schlicht keine Argumente gibt. Wo reden wir denn da aneinander vorbei? Wenn Du mir das erklären kannst: Gerne.

    Und was seinen Kommentar zur Frage, was denn nun kulturell bedingt sei und was nicht angeht: Da macht er es sich m.E. etwas zu einfach. Aus meiner Sicht ist es mitnichten so, dass entweder alles oder nicht kulturell gedeutet werden kann.

  4. John sagt:

    Hi Martin,
    danke fürs Revidieren, und danke auch für die Kommentare zu Keller. Hier ein paar Gedanken meinerseits zu deinen Gedanken 😉 :

    Dass in der Ehe die Dreieinigkeit widergespiegelt werden soll, finde ich überhaupt nicht an den Haaren herbeigezogen, und das ist ja sein Hauptpunkt. Dass die Frau die „Lebensretterin und Helferin“ (hebr. azer) des Mannes sein soll, ist, wie er sagt, eine Ehre und keine Schande für sie, da sie damit Gott selbst widerspiegelt. (Das Wort azer wird ja sonst nur für Gott selbst benutzt, der unser „Helfer“ ist). Das Problem ist einerseits, dass Männer die Neigung haben, ihre Rolle zu missbrauchen, und andererseits (und damit zusammenhängend), dass Unterordnung und Autorität in der heutigen Welt automatisch mit Unterdrückung und „Kontrolle“ in Verbindung gebracht wird. Dass es aber auch anders geht, zeigt die Dreieinigkeit. Dort benutzt der Vater seine Autorität ausschließlich, um selbstlos den Sohn zu ehren und zu erheben (siehe Eph 1,17-23).

    Dein Punkt zum „Spirituellen von Sekulärem trennen“ find ich super, er trifft den Knackpunkt des Problems mit Palin etc.

    Ich würde das so zusammenfassen: In den Beziehungen, wo von Gott die Dreieinigkeit explizit wiedergespiegelt werden soll (vor allem ist das die Ehe und die Gemeinde), gilt auch immer explizit die Analogie Vater – Sohn, Christus – Gemeinde auch für Ehemann – Ehefrau und Pastor – Gemeinde – in allen vier Beziehungen gilt „gleichwertig aber nicht gleiche Rolle“. (siehe z.B. 1.Kor 11,3; Eph 5,23)
    Das liegt NICHT unbedingt daran, dass die sich Unterordnenden in diesen Beziehungen die anderen Rollen nicht spielen „könnten“ (von ihren Fähigkeiten oder ihrem Wert her) – schließlich machen viele der weiblichen Pastoren, die es gibt, ja super Arbeit.

    In allen anderen Bereichen des Lebens sagt Gott schlicht nichts dazu, und von daher muss man einfach „spekulieren“ wenn du es so nennen willst, dass es völlig ok ist, wenn Frauen z.B. Firmenchefs, Lehrerinnen, etc., oder eben Staatsoberhäupter sind. Aber in Gemeinde und Ehe spricht Gott (nicht nur) durch Paulus klare Worte, wer die „Tie Breaking Authority“ haben soll, und da muss man nicht spekulieren.

    Meiner Meinung nach muss der „Egalitarier“ sich entweder von 2000 Jahre orthodoxem Christentum verabschieden und sagen, dass Paulus sich schlicht und einfach geirrt hat und seine Briefe gar nicht (mehr?) von Gott inspiriert sind, oder er muss ihm Worte in den Mund legen, bzw. seine glasklaren Aussagen verdrehen. Einen anderen Weg sehe ich nicht um 1. Korinther 11, Epheser 5, und 1. Timotheus 2-3 rum.

    Würde gerne deine Gedanken dazu hören, wenn du irgendwann Zeit findest.

    Auf alle Fälle ein spannendes Thema. 🙂

    P.S. Danke für den Twitter-Tip zu der Berlin-Projekt-Predigt, die war wirklich hammergeil.

  5. onkeltoby sagt:

    Hi John,

    Danke für Deine Kommentare! Das ist natürlich wieder so ein Thema, über das man sich in Form von Kommentaren schlecht unterhalten kann. Trotzdem in der gebotenen Kürze ein paar Gedanken:

    Was mir nicht einleuchtet ist das Argument, das Paulus sich „geirrt“ haben soll. Paulus war natürlich ein Kind seiner Zeit. Ich finde es leicht einzusehen, dass eine Gesellschaft, die Frauen noch nicht mal das Recht auf Bildung gewährte, diesen grundsätzlich nur eine subalterne Funktion in allen kulturellen Bereichen einräumt. Gerade in 1. Kor 11 wird es ja sehr deutlich. Die Analogie, die Paulus hier zu Zementierung seiner GoDi-Ordnung aufführt, ist für die damalige Gesellschaftsform richtig und ergibt Sinn. Aber ich kann das beim besten Willen nicht als Gesetz sehen, denn dann wäre man ganz schnell bei anderen Gesetzlichkeiten, die heute kaum jemanden interessieren (1. Tim. 3,2 z.B).

    Die Frage ist ja auch: Wenn es Frauen gibt, die in ihren (geistlichen) Führungsrollen eine gute und gesegnete Arbeit machen, wie Du sagst – warum sollen sie es dann trotzdem nicht tun dürfen? Was sollte Gott damit bezwecken? Wenn es etwas gibt, was mir an Geboten von Gott für den Menschen in letzter Zeit immer wieder auffällt, ist, dass Gott uns zur Freiheit berufen hat. Und das ist für mich auch, seinen Begabungen und Berufungen folgen zu dürfen.

    Und auch seinen Erkenntnissen: Ich finde, man kann der Diskurstheorie dankbar sein, dass sie aufgezeigt hat, wie Machstrukturen funktionieren (Michel Foucault z.B.). Und natürlich werden „Unterordnung und Autorität in der heutigen Welt automatisch mit Unterdrückung und “Kontrolle” in Verbindung gebracht“, wie Du schreibst, denn genau davon wird sich der Mensch (Mann) wohl niemals befreien können. Und ich finde es sehr ermutigend, dass es mittlerweile auch christliche Gemeinschaften gibt, die versuchen, Führung und Leitung anders zu gestalten als mittels Unterordnung und Autorität – von den Ehen ganz zu schweigen.

    Ach, es ist ein schwieriges Thema. Für mich ist die Befreiung, die Christus (in allen Belangen) schenkt jedenfalls um Potenzen wichtiger als irgendwelche Verbote. Es geht auch nicht darum, ob Paulus sich geirrt hat oder nicht – es geht darum, dass Gott uns zu dem Menschen machen kann, dessen Potential er in uns sieht. Ich wünschte, Kirchen würden helfen, das zu erreichen. Vielleicht ist es ja auch tatsächlich so, dass es eine Regel ist, dass Frauen sich zu geistlichen Führungspositionen generell weniger begabt sehen – aber mit welchem praktischen Grund sollen wir Frauen (oder andere) an der Ausübung ihrer Begabungen hindern? Tötet der Buchstabe nicht?

  6. John sagt:

    Per Kommentare ist wirklich schwierig, andererseits find ich’s für mich selbst hilfreich, die Gedanken aufzuschreiben, weil ich sie dafür mehr strukturieren muss. 😉

    In einem sind wir uns denke ich einig: Christus hat uns befreit, es geht beim besten Willen nicht darum, einfach irgendwelche Gesetze, Regeln oder Verbote einzuhalten (selbst wenn diese in der Bibel stehen), was selbstverständlich (und da sind wir uns denke ich auch einig) nicht bedeutet, dass wir nun so leben können, wie wir gerade Lust dazu haben.

    Stattdessen geht es ja darum, so zu werden, wie Jesus, d.h. unseren Auftrag, „Imago Dei“ zu sein, zu erfüllen. Das tut man aber nicht, indem man sich anstrengt, schön alle Gebote einhält, etc., sondern indem man sich Jesus anschaut, und „aus Gnade durch Glauben“ ihm nachfolgt, sein Geist in einem durch das Wort(!) wirken lässt, etc. Ich denke, da wo wir uns vielleicht unterscheiden, ist die Rolle des Wortes in dem Ganzen. Aber das nen anderen Mal.

    Das Argument, Paulus würde gemäß der Kultur seiner Zeit handeln, sehe ich nicht ganz so. Tatsache ist, das Christentum war damals vollkommen revolutionär in der Art, wie es mit Frauen umging – Frauen durften und sollten genau so lernen wie Männer (1. Tim 2,11). Frauen durften mit am Gottesdienst teilnehmen. Frauen wurde genau der gleiche Wert zugewiesen wie Männer (Gal 3,28). Usw. usf. D.h. Frauen auch lehren zu lassen wäre nun wirklich nichts gewesen, was da irgendwas noch zusätzlich groß gesprengt hätte – da war schon alles gesprengt. 🙂 Jesus selbst war ebenfalls revolutionär in seinem Handeln mit Frauen, da besteht gar keine Frage. (Joh 4 z.B.) Jesus hat seine damalige Kultur von innen ebenfalls gesprengt und neu definiert, und zwar in etlichen Bereichen, inkl. der Rolle der Frau. Trotzdem wählte er, Gott selbst, 12 Männer als die Leiter seiner Gemeinde aus.

    Foucault würde leider zu weit vom Thema wegführen, aber ist höchst spannend. Hab ein Seminar über ihn besucht, als ich in Budapest bei ner Konferenz war. „What Foucault got right“ War echt interessant.

    „Warum sollen sie es dann trotzdem nicht tun dürfen? Was sollte Gott damit bezwecken?“ – ich würde es weniger als „dürfen“ bezeichnen wollen, sondern eher sagen: das Problem ist, dass dadurch die Vater-Sohn Beziehung in der Dreieinigkeit, nicht so wiedergespiegelt wird, wie Gott es gerne hätte. Das ist so ähnlich, wie Kinder, die ihre Eltern um den kleinen Finger gewickelt haben und herumbefehlen. Die Kinder können da noch so lieb sein, trotzdem stimmt an dem Bild was nicht.

    Zum „Dürfen“: Eine Gemeinde muss dazu nun mal Stellung beziehen – in die eine oder in die andere Richtung. Entweder „dürfen“ Frauen Pastoren werden oder nicht. Genau so kann man das auf zig andere Fragen beziehn. Mal ein blödes Beispiel: „Dürfen“ Leute nackt in die Gemeinde kommen?

    Die skandalöse Freiheit, die wir von Christus bekommen haben, ist kein Freischein. Schlüsselvers ist da Galater 5,13: Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.

    Einen letzten Punkt: an der Ausübung ihrer Begabungen sollten wir sie nicht hindern, absolut. Aber jede Gabe soll auf bestimmte Weise ausgeübt werden. Z.B. Zungenrede: höchstens einer gleichzeitig und mit Auslegung. Das „hindert“ keinen an der Ausübung der Gabe, sondern steuert die Gabe in die richtige Richtung, damit sie effektiv sein kann. Eine Frau, die die Gabe des Lehrens hat (z.B. Stephi), kann und soll in Hauskreisen Gedanken weitergeben, kleine Andachten im Gottesdienst geben, andere Frauen lehren, etc. Aber die Anweisung, dass nur Männer als Leiter der Gemeinde „predigen“ sollen, sehe ich so wie Paulus Anweisung, dass die Zungengabe im Gottesdienst immer nur ausgeübt werden soll, wenn es einen Übersetzer gibt. Warum gibt er diese Anweisungen? Ganz klar: Um Gott im Gottesdienst am besten wiederzuspiegeln und zu ehren. (1. Korinther 14,25)

  7. onkeltoby sagt:

    Hi John,

    ich sehe das ähnlich: Wir unterscheiden uns wohl in der Art und Weise, welchen Stellenwert wir der Bibel zumessen. Für mich geht es im NT wahrscheinlich eher um Prinzipen, die in einer bestimmten Zeit ihre Anwendung in Beispielen finden. Diese Beispiele sind für mich aber in jeder Situation, in der Gottes Handeln erfahrbar wird, zu aktualisieren. Ich käme nie auf die Idee, die Bibel als Straßenatlas zu benutzen, um mal einen von mir sehr geschätzen Countrysong zu zitieren.

    Natürlich hat Jesus Männer gewählt als Jünger. Man darf aber auch nicht vergessen, dass er damit ja eine Analogie zu den 12 Stämmen Israels beabsichtigte. Diese wäre verloren, wenn sich unter den Jüngern Frauen gefunden hätten. Ich weiss auch nicht, in wie weit es damals für Rabbis normal und opportun war, Frauen unter ihren Schülern zu haben. Ausserdem sehe ich nicht, dass er eine „Gemeinde“ gegründet hat oder eine Religion gründen wollte, die von seinen Jüngern geleitet werden sollten, wie Du schreibst.

    Wenn man den Einfluß der Kultur auf Paulus als nicht gewichtig erachtet, erhebt sich natürlich die Frage, was genau denn nun kulturbedingt war in seinen Briefen, und was nicht. Wo zieht man die Grenze? Er sieht ja sogar eine geistliche Dimension in den Fragen der Kopfbedeckung, müsste man dass dann nicht viel ernster nehmen?

    Bei der von Dir angesprochenen Vater-Sohn -Beziehung kann das Beispiel mit den Kindern nicht nachvollziehen. Diese biblische Analogie ist m.E. genau das: Eine Analogie, die wertvoll, tiefsinning und wichtig im Christentum ist. Diese aber auf Biegen und Brechen (und viell. sogar im Widerspruch zu Freiheit?) in der Kirche praktisch durchsetzen zu wollen, erscheint mir aber als beside the point. Gott werden in der Bibel auch mütterliche/weibliiche Charakteristika zugesprochen, was mit einer ausschliesslich maskulinen Beziehungsanalogie nicht konsistent ist. Evtl. übersieht man dabei als Mann auch mitunter, dass die weibliche Beziehungdimension dabei schlicht negiert wird. Gerade auf Grund der Tatsache, das viele Frauen unter dem pervertierten Machtanspruch von Männern leider mussten, und Frauen auch erst seit rel. kurzer Zeit überhaupt eine öffentliche Stimme haben wäre es doch vielleicht in der Sache hilfreich, diese Analogien auch auf die weiblichen Aspekte auszudehnen. Denn es geht ja nicht um die Analogie, sondern um das, was sie repräsentieren soll, und ich sehe da keinen Widerspruch.

    Interessant ist in dieser „Gleichwertig, aber nicht gleiche Rollen“-Diskussion ja auch, dass es dabei nicht um eine gleichgewichtige Rollenverteilung geht, denn es sind ausschließlich die Frauen, denen eine bestimmte Funktion versagt bleibt. Es gibt ja keinen Bereich, der dem Mann versagt ist und den nur Frauen ausüben söllten/dürften/whatever. Man stelle sich vor, man kauft sich in eine Firma ein und es wird vertraglich vereinbahrt, dass man nun exakt die gleiche Position innehat wie der bisherige GF. Bis auf die Tatsache, dass man keine Verträge unterschreiben darf. Da können noch so viele Leute behaupten, man sein dem GF gleichgestellt, in Wahrheit ist man innerhalb des Systems Firma „weniger Wert“.

    Vielleicht hast Du Recht, was das „Stellung-Beziehen“ einer Gemeinde betrifft. Ich bin mir da mittlerweile nicht mehr so sicher, habe habe eigentlich keine Erfahrungswerte, weil ich immer nur in Gemeinden mit fixen Positionen war. Es macht das Leben natürlich doch um einiges einfacher, als wenn man sich tatsächlich mit diesen Dingen neu auseinandetzen muss. (Und, sorry, aber es geht hier um völlig andere Sachen als um die Frage ob man „nackt in die Gemeinde kommen darf“). Meiner Empfindung nach geht es gerade bei RB eben doch zu einem grossen Teil um das Einhalten von bestimmten Regeln, wie ich ja selber erfahren musste. Die Offenheit, andere Glaubenserfahrungen zu akzeptieren ist in formalen Fragen sehr ausgeprägt, inhaltlich scheint mir leider das genaue Gegenteil der Fall.

    Zu deinem letzten Punkt: Das ist ein qualitatives Problem und somit eine völlig andere Kategorie ist als die Frage, wer wann und wie im Gottesdienst in Zugen reden darf. (s.o.).

  8. dikosss sagt:

    Hi!

    Dieses „Frauen-Thema“ war meine ursprüngliche Absicht, vor einem Jahr meinen blog zu eröffnen.
    http://dikosss.wordpress.com/2007/10/07/durfen-frauen-laut-bibel-eine-gemeinde-leiten/
    (mit 45 Kommentaren).

    In Stichpunkten zu Euren Gedanken:
    1. Paulus hat sich nicht geirrt, sondern wir haben ihn missinterpretiert.
    Es gibt kein ausdrückliches Verbot im NT, dass eine Frau eine Gemeinde leiten darf, predigen darf…!
    Das muss erstmal festgehalten werden.
    Wir bewegen uns daher nicht auf der Ebene „Ist das Sünde oder nicht?“.
    Paulus hat zeitlose Wahrheit verkündet – auch, was Frauen betrifft.

    2. Dass Jesus 12 Männer ausgewählt hat, ist genauso stichhaltig wie die Tatsache, dass es 12 Juden waren, von denen einer ein Widerstandskämpfer gewesen war, andere waren Fischer und sonstwas. Heißt das, dass nur Juden, die Widerstandskämpfer bzw.. Fischer sind, eine Gemeinde leiten dürfen?

    3. Frauen werden direkt und indirekt zum Lehren aufgefordert.
    Priscilla hat gelehrt.
    Frauen sollen lernen, wie jeder andere Christ auch – wozu? Damit sie fähig werden, andere zu lehren!
    Ältere Frauen sollen jüngere Frauen lehren.
    Etc.
    Die Gabe des Lehrens wird nicht an ein Geschlecht gekoppelt.

    4. Die m.E. einzigen nennenswerten Verse zum Thema sind 1.Tim.2,11 ff. und 1.Tim.3,1ff.
    a) 1.Tim.2,11:
    Den Frauen wird nicht das Leiten und Predigen verboten.
    Ihnen wird das „Herrschen“ verboten! Das griechische Wort, das hier benutzt wird, ist einmalig in der Bibel. Niemand soll herrschen! Auch Männer nicht, sondern jeder soll sich dem anderen unterordnen und den anderen höher achten als sich selbst.
    Paulus musste es den Frauen der dortigen Gemeinde (m.E. Ephesus) mal deutlich schreiben.
    Aber ein Lehrverbot kann daraus nicht folgerichtig geschlussfolgert werden.

    b) 1.Tim.3,11:
    Knackpunkt ist hier die Stelle „Mann einer Frau“.
    Das ist kein ausdrückliches Verbot für Frauen.
    Die meisten Ausleger sind sich darin einig, dass der Sinn dieser Worte beinhaltet:
    Ein Mann, der seiner Frau treu ist und monogam lebt.
    Daraus den Sinn zu konstruieren, dass Frauen nicht leiten dürfen, erscheint diesbezüglich sinnentstellend.
    Und:
    Am Ende von 1.Tim.3 wird von den Diakonen das Gleiche gefordert: „Mann einer Frau“.
    Nach Auslegung der „Männer“ müsste das bedeuten, dass nur Männer Diakone sein dürfen.
    Allerdings wird m.E. in Röm.16 Phöbe als Diakonisse ausdrücklich von Paulus gutgeheißen.
    Dies wiederum muss Auswirkungen auf die Auslegung von 1.Tim.3,1ff. haben.

    So long,
    Dirk.

  9. John sagt:

    Hi, hab wieder ein wenig Zeit, hier mal wieder zu antworten… 🙂 Ich denke nicht, dass wir zu dem Frauenthema hier in dem Schema groß weiterkommen, was aber auch nicht schlimm ist, find ich. Aber zu einem wollte ich auf jeden Fall antworten.

    „Meiner Empfindung nach geht es gerade bei RB eben doch zu einem grossen Teil um das Einhalten von bestimmten Regeln, wie ich ja selber erfahren musste.“

    Das ist richtig schade, dass das deine Empfindung ist und war, wo wir beide doch genau über dieses Thema ((Legalismus Zügellosigkeit) Jüngerschaft) ein paar Mal miteinander geredet haben, und ich eigentlich damals das Gefühl hatte, dass wir uns in dem Punkt verstanden hatten.
    So wie ich dich hier verstehe, geht es dir um eine „Offenheit“, andere zu akzeptieren, die dir gefehlt hat. Das Problem, was ich da sehe, ist, dass es mMn bei der Jüngerschaft (und der Mitarbeit in der Gemeinde) weder um „absolute Offenheit“ (daher mein blödes Beispiel mit dem nackt-sein) noch um „Regelneinhalten“ und Richten geht, sondern stattdessen um eine Einstellung, eine Herzenshaltung, eine Jesus-zentrierte Art zu leben, die für jeden unterschiedlich aussehen wird, die jedoch zumindest eins gemeinsam haben wird: eine Liebe zu Jesus und zu seinem Wort (joh 15,5-10, 1.joh 3,2-6) und die Liebe (damit eine Offenheit) zum Nächsten. Aber es ist gerade der zweite Punkt – das Wort – wo wir uns ja unterscheiden. Keine Überzeugung zu einem durchaus wichtigen Thema haben zu wollen ist für mich einfach widersprüchlich zur Aussage, wirklich Jesus mit dem ganzen Leben folgen zu wollen. Und von daher geht es da also nicht um Regeleinhaltung, sondern darum, dass die Aussage, man folge Jesus nach, laut Jesus (Joh 14,15), Paulus (2 kor 13,5), Johannes (1. joh 3,2-6), und Jakobus (Jak 2,14) hinterfragt werden kann, darf und soll, aber – und das ist der Knackpunkt – eben nicht mit einem richtenden Herz, sondern mit einem Herz der Liebe und des Flehens (2. Thess 3,13-15). Und wenn unsere Gespräche dir damals wie ein Richten vorkamen, tut mir das wirklich, total leid, denn so waren sie von meiner Seite nicht gemeint. Wir können uns gern nochmal persönlich treffen wenn du willst – Blog-Gespräche sind ja bekanntlich schwierig. 🙂 Bloß Starbucks sollten wir wohl vermeiden, die sind ein wenig zu teuer. 😉
    In Ihm, John


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