Kein Henry

So schnell kanns gehen: Aus für mich nur schwer nachvollziehbaren Gründen möchte Henry Reyels zukünftig auf meine musikalische Mithilfe verzichten. Wundert euch also nicht, wenn hier keine diesbezüglichen Werbepostings mehr erscheinen. Die weitere Karriere dieser Band kann hier verfolgt werden. Ich wünsche von Herzen alles Gute…


Die Sprache

Seit einiger Zeit wird es mir immer wichtiger, eine neue Sprache für meinen Glauben zu finden. Obwohl (post)strukturalitisch geschult habe ich bislang nicht reflektiert, warum das für mich so zentral geworden ist. Ich bin ja grosser Lacan-Fan und neige dazu, seine Meinung zu teilen, wenn er sagt, dass das Unterbewußte wie eine Sprache strukturiert sei. Pete Rollins hat das (mal wieder) schön auf den Punkt gebracht:

„The real choice to be made is thus not between staying or going from a particular church. Rather it is a meta-choice concerning whether I continue to interact with the linguistic system that sustains the church or step into an unknown space outside that linguistic system.“

Das ist natürlich nicht ganz einfach bei einem Buch-zentrierten System, und wenn man bedenkt, dass mit diesem Buch meine Sprache normiert wurde, erscheint das als kaum zu bewältigen. Aber ich glaube, es gibt keinen anderen Weg, wenn man es ernst meint mit der Absicht, die Geschichte von Jesus ernsthaft für eine postmoderne, westeuropäische, urbane Umwelt des 21. Jhdt relevant zu machen. Vielleicht ist es wie mit einem Gedicht: Die Worte bestimmen die ausgelösten Assoziationsketten und Referenzen, und auch der „Sinn“ (so er sich denn überhaupt konstituieren lässt) erfährt dadurch eine Änderung, obwohl er mit anderen Worten einen ähnlichen Ausdruck fände. Genauso ist meine aktuelle Lebenswelt mit einer Sprache, die bis zu 500 Jahre alt ist, nicht mehr adäquat abzubilden, und diese ist somit auch nicht fähig, meine Spiritualität zu symbolisieren.

Es geht natürlich nicht darum, jetzt einfach andere Begriffe für die selben Ideen zu finden (obwohl das schonmal ein Anfang wäre). Nein, Dinge wie z.B. ‚Sünde‘, „Kirche‘ und „Reich Gottes‘ brauchen eine Generalüberholung in Bedeutung und Ausdruck. Ich frage mich, ob ich vielleicht auch aufhören sollte, mich als „Christ“ zu sehen. Nicht, weil das etwas Schlechtes wäre und ich mich von meinen Altvorderen distanzieren möchte (was allerdings ein Bedürfnis ist, das ich nur allzugut kenne), sondern weil der Begriff mittlerweile Dinge evoziert, zu denen ich keinen Bezug mehr habe.
Eine Alternative habe ich noch nicht gefunden, aber ich habe Zeit. Und genauso, wie ich nicht zu allem eine Meinung haben muss, brauche ich vielleicht auch nicht zu allem einen Begriff.


Willard Grant Conspiracy + Howe Gelb

Letzten Donnerstag mit ganz vielen extra angereisten Glitterhäuslern im Babylon gewesen, denn Robert Fisher führte sein Opus Magnum „The Pilgrim Road“ mit Orchester auf. Für eine ziemlich „kleine“ Band wie Willard Grant ist das natürlich eine Unternehmung, die jegliches finanzielles und zeitliches Budget sprengt, und ich denke, Robert wird sich bewusst sein, dass man sowas – wenn überhaupt – nur einmal macht. Aber jede Sekunde und jeder Penny, der da rein geflossen ist, hat sich voll gelohnt.

„Als „Vorgruppe“ trat Howe Gelb mit einem Bassisten (und Tom King am Schlagzeug für die letzten beiden Stücke) auf. Howes Konzerte sind ja in den seltesten Fällen kohärente Veranstaltungen, und so fing er diesmal mit 2 (ausgespielten) Lounge-Jazz-Stücken am Klavier an, brach dann weitere Stücke ab mit der Bemerkung, die seien wohl gerade gestorben, spielte dann etwas Gitarre und machte halt sein Ding. Das ist natürlich grossartig, aber das darf eben nur Howe Gelb.

Nach eine kurzen Pause ging es dann mit Robert und der extended Version der Willard Grant Conspiracy weiter. Neben einer Sängerin und dem erwähnten kleinen Orchester (2 Bläser, Chello, Viola, Kontrabass, Schlagzeug, Flügel, Keyboards) spielte auch Chris Eckman von den Walkabouts mit, was dem ganzen noch eine gwisse „sonische“ Qualiät verlieh. Um es mal ganz kurz zu machen: Das war der Hammer. Ich halte Fisher ja eh für einen begnadeten Songschreiber, und dieses Talent wird eigentlich nur von seinem Bariton übertroffen, der mich wirklich immer wieder begeistert. Auf den Alben kommt das leider alles nicht auch nur annährend so rüber wie live. Für diesen Mann scheint das Singen wie das Atmen für unsereins.

Sechs Jahre hat er an „Pilgrim Road“ gearbeitet und die Songs auch gleich für ein Orchester geschrieben. Ich würde mal behauptet, dieses Album vertreibt niemand mehr aus meinen persönlichen Top 3 dieses Jahr. Und obwohl die Stücke recht „werkgetreu“ aufgeführt wurden, war es keine Sekunde langweilig, denn gerade ein Orchester macht live schon einen grossen Unterschied.

Anfang hatte ich Befürchtungen, dass die ganze Geschichte etwas zu „sakral“ und bedächtig werden könnte, das die hat Robert durch seine Zwischendurcherzählungen und Anekdoten schnell zerstreut.

Hier ein kleines Video, das dem Abend aber nicht ansatzweise gerecht wird.


The Evangelist

Seit ein paar Jahren wird es mir langsam klar, dass meine Hipster-Zeit bald endgültig gegessen sein wird. Ich finde 90% aller neuen Bands todlangweilig und erst neulich habe ich mit meiner besten Feundin Tina darüber gesprochen, welche Vorteile es doch hat, nicht mehr so jung zu sein. Wir waren bei einer Vernissage und es spielte eine Band, deren Mitglieder alle so um die 20 waren. Verschüchtert zu sein, alles falsch zu machen und zu glauben, alles gerade erfunden zu haben kann ja ganz niedlich sein, aber weisse Oberhemden tragen zu dürfen muss man sich auch erst verdienen, Son!

Also bin ich dankbar für Menschen, die ein bestimmtes Alter erreichtt haben und dennoch Musik machen. Im Falle von Robert Forster muss ich sogar feststellen, dass meine Welt eine schlechtere wäre, hätte er sich nach dem Tod von Grant McLennan nicht wieder nach London ins Studio begeben. Heraus kam er mit „The Evangelist“ und ich denke, das Album kann locker neben den besten Go-Betweens-Arbeiten bestehen. Zentrales Stück ist natürlich „Demon Days“, welches zum Großteil noch von McLennan geschrieben wurde. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit Chris Eckman vor 2 Jahren, wie erschüttert er über den Tod von Grant war, die beiden Bands waren wohl recht eng befreundet.

Hier gibt es ein Interview mit Robert Forster und das Beste: Am 4.10. spielt er in der Passionskirche!


Trucker Frank

Beim Sämann habe ich heute morgen einen Hinweis auf das neue Buch von Tony Jones gefunden, „The New Christians“ heisst es und Jones hat eine Reihe kleiner Videos mit der Hauptperson des Buches, „Trucker Frank“, gedreht. Ich finde alle sehr sehenswert (5 Stück gibt es mittlerweile) und werde mir sicherlich auch mal sein Buch kaufen, wenn der momentane Stapel abgelesen ist…

Das gab mir zu denken: „It’s easier to start something new than go back to try to fix something, and especially fix something that doesn’t think it’s broken.“.


morning dew

Beim Gottesdienst am Samstag bot der Pastor für den kommenden Tag eine Einführung in die lectio divina an. Leider konnte ich nicht teilnehmen, aber heute morgen fand ich das auf der website vorgestellte Konzept recht hilfreich. Grundsätzlich beschreibt es das, was ich eh immer morgens mache, aber lange nicht so bewusst und reflektiert. Ausserdem habe ich mein Komboloy wiedergefunden, das mir Julia vor ca. 18 Jahren mal aus Griechenland mitgebracht hat. Das Abzählen der Perlen hilft mir ungemein bei der Konzentration beim beten (das war, glaube ich, ein Tip von Christina Brudereck).


Horst Evers

Gestern abend waren der Keks und ich bei Horst Evers in der A-Lounge (übrigens einer geschmackstechnischen 90ger-Jahre Hinrichtung erster Güte). Witzeerzähler (respektive Comedians) ertrage ich ja normalerweise überhaupt nicht, und der Begriff „Kleinkunst“ lässt mich stante pede aufs Klo rennen. Eigentlich finde ich nur Horst Evers lustig, das aber ziemlich. Leider gabs auf DuRöhre nichts, was dem gestrigen Abend auch nur ansatzweise gleich gekommen wäre. Daher: Selber Radio Eins höre und Karten gewinnen oder die CD „Mehr vom Tag“ kaufen. Und miterleben, wie ein Mann am Alltag scheitert.