Chefsachen.

Gestern Nachmittag rief mein Ex-Chef an, der mich Ende 2004 gefeuert hat, weil das Label nicht mehr so toll lief. Und mich seine Freundin nicht mochte. Es war eine sehr unschöne Geschichte, bei der es auch um für meine Verhältnisse hohe Aussenstände ging, die er mir nicht bezahlt hat und weswegen ich damals Strom und Gas wiederum nicht bezahlen konnte, was mir den Winter damals doch recht kalt werden liess. Einen Euro für jede seiner Lügen damals und ich wäre ein gemachter Mann.

Ich bin eigentlich immer davon ausgegangen, dass zu hassen nicht in meiner Persönlichkeit liegt, doch er bewies mir das Gegenteil. Bei der Nennung seines Namens alleine spürte ich schon eine heftige, körperliche Reaktion und die Dinge, die ich ihm gewünscht habe, finden sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkein nicht in der Bergpredigt. Dabei war er in all seiner Verquerheit immer leicht zu durchschauen – seine superreichen Eltern haben ihm anscheinend nie das Gefühl gegeben, geliebt zu werden (was ich selber mal miterleben durfte) und das war jetzt sein Hauptantrieb. Er wollte es immer allen recht machen und baute dafür Lügenkonstrukte, die natürlich ständig einstürzten, woraus er sich aber mit seinem jungenhaften Charme retten konnte. Wirklich unfassbar, wie oft das geklappt hat. Es half mir auch nicht sonderlich, zu erfahren, dass er jetzt in einer anderen Branche supererfolgreich ist und mehr Geld verdient, als man für ehrliche Arbeit bekommen sollte. Ich habe da wirklich drunter gelitten, denn Hass ist meiner Ansicht nach niemals gesund und sagt vor allem mehr über die hassende Person aus als über das Objekt des Hasses.

Folgerichtig habe ich dann auch lange darum gebetet, dass Gott diese Gefühle doch bitte, tja, was eigentlich? Eliminieren soll? In „Liebe“ verwandeln? Ich weiss es nicht. Was ich aber wusste, war, dass diese Art von Emotionen weder mir noch meinen Mitmenscchen gut bekam. Das letzte Mal hatte ich vor ca. 2 Jahren mit ihm telefoniert, er hatte wegen irgendeiner alten geschäftlichen Sachen angerufen und meine linke Hand spielte bereits mit dem Telefonkabel, dass sich in meiner Phantasie langsam um seinen Hals legte… Keine Änderung also. Und dann also der Anruf gestern.

Ich war natürlich zuerstmal sehr überrascht. Noch überraschter allerdings war ich, als ich merkte, das all die körperlichen Abwehrreationen – weg waren. Ich glaube, ich habe mich sogar ein kleines bißchen gefreut, von ihm zu hören. Das es ihm gut ging, wusste ich ja bereits von gemeinsamen Bekannten. Er wollte wissen, ob ich nicht mit einem Musiker aus NY auf einer Session spielen könnte, was ich aber aus Zeit- und Fähigkeitsgründen ablehnen musste. Wir haben tatsächlich auch mal über die Zeit damals gesprochen, und auch, wenn ich nicht glaube, dass es sich gross geändert oder seine Fehler eingesehen hat, kann ich doch sagen, das ich ihm vergeben habe. Wobei diese aktive Wortkonstruktion eigentlich in die Irre führt – im empfand es als Gottes Geschenk, darunter nicht mehr leiden zu müssen und ihm so eben auch völlig anders begegnen zu können, denn mit zunehmendem Hass verschwindet auch die eigene Würde und man selber ist reduziert auf die Reaktionen, die der andere in einem auslöst.

Ich glaube, ich werde ihn in den nächsten Wochen mal besuchen und schauen, die sich diese ganze Geschichte unter vier Augen anfühlt. Ich bin mir nicht sicher, wie ich auf seine Freundin reagieren würde, wenn er sie denn überhaupt noch hat, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass dieses Kapitel
endgültig erledigt ist.


2 Kommentare on “Chefsachen.”

  1. francis sagt:

    das kommt mir sehr bekannt vor. mein alter chef hat auch gelogen und betrogen und es mit seinem charme immer wieder geschafft, seinen kopf aus der schlinge zu ziehen – bis die firma den bach runter gegangen.

    „im empfand es als Gottes Geschenk, darunter nicht mehr leiden zu müssen und ihm so eben auch völlig anders begegnen zu können, denn mit zunehmendem Hass verschwindet auch die eigene Würde und man selber ist reduziert auf die Reaktionen, die der andere in einem auslöst.“
    schöne feststellung.

  2. tabea sagt:

    ach onkel toby, ihm jemals vergeben zu können ist wirklich eine große leistung und ich staune sehr! so heftige körperliche reaktionen auf ihn, konnte ich an mir nie feststellen, aber ich war ja auch nicht sooo lange finanziell von ihm abhängig. ich kann nachwievor nicht im guten an ihn denken. um so mehr überrascht es mich, dass du ihn tatsächlich wiedertreffen möchtest. egal aus welchem tragisch-biografischen grund er sich immer als so ein arschloch verhalten hat – er hat dir und mir und anderen nicht gut getan. triff dich lieber mit menschen, die dir gut und immer wohlgesonnen sind! und komm mich endlich besuchen!!


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