Doctrin Schmocktrin

Nach einigen Monaten habe ich mich heute wieder mal mit einer Bekannten zum Mittagessen getroffen. Wir sind uns vor über 10 Jahren schonmal begegnet; damals kannten wir uns allerdings nicht sondern hatten nur gemeinsame Freunde. Irgendwann rief sie dann mal in unserem Büro an, weil sie u.a. auch Interviews für das Portal macht, bei dem ich arbeite. Es stellte sich dann heraus, das wir bizarr viele gemeinsame Bekannte haben, sie ebenfalls Musik macht und wir dazu auch noch eine sehr grosse musikalische Geschmacksschnittmenge haben.

Wir überlegten im letzten Jahr, einige gemeinsame Projekte zu machen, haben uns dann aber auch auch durch Tod meines Vaters und ihrer Trennung von ihrem Mann aus den Augen verloren. Jetzt wollen wir es mal wieder versuchen, ganz vorne auf der Liste steht die Gründung eines Verlages, um ihre exzellenten Songs vermarkten zu können.

Jedenfalls erzählte sie, dass sie letztes Jahr in den USA auf einer riesigen Veranstaltung von Joyce Mayer war und sie eine sehr spiritueller Mensch sei, der sich viel mit diesen Dingen beschäftige. Ihren Ansatz hätte man in den 80gern wahrscheinlich am ehesten mit „New Age“ bezeichnet (gibt es eigentlich Leute, die diesen Ausdruck noch benutzen?); generell ist sie der Auffassung, das es viele Wege zu Gott gibt und Jesus ein durchaus legitimer sei.

Ich erzählte ihr von meiner Gemeinde, was sie sehr zu interessieren schien, da sie als katholisches Mädel in Bayern nie eine andere Art Gottesdienst als den klassischen Katholischen mitbekommen hat. Was ich aber wirklich schwierig fand, war ihr gegenüber den Absolutheitsanspruch des Christentums zu begründen. Ich hatte zwar irgendwie das Bedürfnis, ihr gegenüber „Position zu beziehen“, aber es erschien mir falsch, darauf herumzureiten.

Mir geht das ähnlich sobald irgendwo der Begriff „Doktrin“ in einem christlichen Zusammenhang auftaucht. Ich glaube nicht, dass es Jesus darum ging, ein paar hübsche Lehrsätze in die Welt zu setzen, die das Ticket in den Himmeln sichern, wenn man sie nur glaubt. Ich sehe da vielmehr eine extrem dynamische Möglichkeit, das eigene Leben zu ändern und eben frei zu sein von den Zwängen, zu denen für mich auch eine Doktrin gehören würden. Mir reicht es, wenn jemand Interesse an Jesus hat und bereit ist, sich und sein Leben, Fühlen und Denken von ihm verändern zu lassen. Ob er nun an die Jungfrauengeburt oder oder die Wunder oder sonstwas glaubt, ist mir total egal. Wer diesen Weg in aller Konsequenz geht, den wird Gott veräündern, und darauf kommt es m.M. nach an. Wer weiss, was ich derzeit für einen Scheiss glaube. Vielleicht werde ich die Dinge in ein paar Jahren ganz anders sehen, aber Jesus wird immer noch der selbe sein. Und auf ihn kommt es an.


4 Kommentare on “Doctrin Schmocktrin”

  1. John sagt:

    Gute Gedanken, denen ich im großen und ganzen zustimmen würde. Auf Jesus kommt es an. Aber dieser Satz alleine hat ja schon Absolutheitsanspruch, oder nicht? (Nach dem Motto „Wie, willst du etwa andeuten, dass es nicht auch auf meinen Glauben an ankommt? Willst du mir etwa meinen Glauben niedermachen? So was engstirniges! Etc. etc.“)

    Was ja dem Ganzen einen ironischen Touch gibt, ist ja, dass die meisten Menschen heutzutage gegenüber der angeblichen „Intoleranz“ des Christentums….intolerant sind. 🙂 Und dass sie auf den Absolutheitsanspruch von Jesus mit einer Aussage wie „Es gibt keine absolute Wahrheit“ reagieren, was ja ein….Absolutheitsanspruch ist. 🙂

  2. Onkel Toby sagt:

    Hi John,
    Ich sehe es auch so, das man nicht um den Absolutheitsanspruch rum kommt. Aber ich bin ja auch jemand, der die Realtivität von „Wahrheit“ sehen zu meint, das macht es mir ja so schwierig.

    Übrigens glaube ich mittlerweile, dass die von Dir zitierte und unter den Kritikern der Postmoderne so beliebte Behauptung, alles sei relativ müsse ja ebenso relativ sein, einen Kategoriefehler beeinhaltet. Nur weil es auf der sprachlichen Ebene funktioniert bedeutet das m.M. nach nicht, das es auch richtig ist. Ähnlich der Aussage: Wenn Gott allmächtig ist, kann er dann einen Stein schaffen, den er nicht heben kann? Ich schreibe da noch was zu, gluabe ich…

  3. Maggi sagt:

    Schreib noch was, bitte. Das klingt interessant.

  4. John sagt:

    Stimmt, das klingt echt interessant, würde ich gerne weitere Gedanken zu hören. Kleine Randnotiz: ich zähle mich selbst nicht als Kritiker der „Postmoderne“ (wie man das auch immer definiert), zumindest nicht mehr als ich Kritiker der „Moderne“ bin. 😉

    Ich denke, die Frage mit dem Stein ist eher ein Definitionsfehler: Mit Allmacht ist ja nicht gemeint, dass Gott ALLES (im mathematisch/logischen Sinne) machen kann, sondern dass er alles machen kann, was er will – und er will ja bei weitem nicht alles, z.B. kann Gott ja laut der Bibel auch nicht lügen, etc.

    Aber wie schon gesagt, gerne mehr dazu, find ich hochspannend!


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