Der originäre Ausdruck

In letzter Zeit merke ich wieder ganz deutlich, wie sehr ich mir neue, das aktuelle Leben reflektierende Ausdrucksformen für das Leben mit Gott wünsche – und wie schwer es ist, so etwas tatsächlich zu erreichen. Am 1.1. war ich erstmalig bei einem Gottesdienst der Jesus Freaks, der in meiner Gemeinde statt fand. Ich empfand es als äusserst merkwürdig und „unrund“, das zum einen viele Ausdrücke der Jugendsprache benutzt werden, die dann aber in hartem Kontrast neben Begriffen und Zitaten aus der Lutherbibel stehen. Ich hatte vermutet, dass sich gerade in diesen Kreisen darum bemüht wird, eine neue, dem eigenen Erleben und Empfinden angemessene Sprache zu finden (Vielleicht passiert das ja auch in der Volxbibel, ich habe sie noch nicht in den Händen gehabt). Allerdings folgte auch der Gottesdienst einem sehr klassischen Muster (Lieder, Predigt, Lieder, Schluss), und vielleicht ist das auch einfach nicht der Anspruch oder das Interesse der Freaks.

Auch ich selber ertappe mich immer wieder, wie sehr ich auf die Ausdrücke und Redewendungen der Lutherbibel vertraue, und wie wenig ich sie eigentlich oft reflektiert und verstanden habe. Letzten Samstag habe ich die Predigt unseres amerikanischen Pastors übersetzt, und obwohl er anderer Worte für die Umschreibung von Bibelstellen benutzte, bin ich bei der Übersetzung in die gleichen Fallen getappt, weil ich mache Redewendungen schlicht internalisiert habe.

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte Gott nochmal ganz neu entdecken, ohne diesen ganzen geschichtlichen Ballast meiner baptistischen Sozialisierung mit ihrer ganzen 60ger-Jahre Kultur. Meine Hoffnung wäre, das man dadurch auch wesentlich glaubwürdiger wäre bei dem, was Alex Kupsch sehr pointiert als Mission bezeichnet. Mittlerweile zucke ich allein beim Begriff „Sünde“ während einer Predigt zusammen; nicht, weil es sie nicht gäbe, sondern weil es für mich ein absolutes Reizwort (das dazu noch ziemlich unverständlich ist) wäre, wenn ich nicht an Gott glauben würde. (Eine interessante Diskussion dazu gab es übrigens bei Peter Aschoff vor einiger Zeit.)


One Comment on “Der originäre Ausdruck”

  1. Frank sagt:

    >ich könnte Gott nochmal ganz neu entdecken, ohne diesen ganzen geschichtlichen Ballast meiner baptistischen Sozialisierung

    Ich hatte zwar keine christliche Sozialisierung, habe aber damals meinen neu entdeckten Glauben in den Fängen einer wirklich üblen Freikirche erlebt. Auf diese Zeit kann ich mittlerweile nur noch mit Bitterkeit sehen, weil es verschwendete Jahre wahren, die mich bis heute negativ geprägt haben. Insofern reagiere ich auch in der katholischen Kirche auf bestimmte Begriffe mit saurem Aufstoßen und Übelkeit. Trotzdem habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der christliche Glaube auf jede Zeit und jeden Looser seine bestimmte Antwort hat.


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