Some kids are not allright

Ich komme gerade vom Scott Matthew-Konzert und Shortbus-Filmvorführung im Babylon und hatte auf dem Heimweg das erstemal in meinen 9 Jahren in Berlin Angst. Am Hermannplatz in der U8 wurde ich von einem ca. 25-jährigen leicht angerempelt. Er setzte sich auf die andere Seite des Waggons und fing anscheinend irgendwann an, mit seinem Kumpel über mich zu reden, was ich aber erst recht spät mitbekam, da ich die letzte Iron & Wine auf meinem iPod hörte. Der Kumpel, „Kevin“, beugte sich dann zu mir rüber und fragte, ob ich seinen Kumpel „blöd angeguckt“ habe (und mein erster Gedanke war, dass ich diese Kindergartenscheisse schon vor 20 Jahren gehört habe und dasss es auch in diesem Falle wohl nichts Neues unter den Sonne gäbe.). Der Kumpel meinte dann irgendwas von „scheiss Deutscher“ und ich würde gleich sehen, was passiert. Kevin schlug vor, dass doch „gleich jetzt“ zu regeln, aber Kumpel hatte bemerkt, dass auf dem Bahnsteig ein Polizist paroullierte.

Dieses Gefühl der Angst, dass in mir hochstieg, hatte ich wirklich lange nicht mehr. Ich habe Neukölln immer als komplett ungefährlich für mich betrachtet, da ich mich weder an den einschlägigen Ecken aufhalte, noch sonst irgendeinen Anlass zur Anmache gebe. Dachte ich.

Ich war mir nicht sicher, was ich machen sollte und bin kurzerhand ausgestiegen, und zum Glück kamen Kevin und sein Kumpel mir nicht hinterher. Danke, Gott, danke, Polizist. Ohne Krankenversicherung in eine Schlägerei zu geraten ist so ziemlich das letze, das ich möchte.

Von diesem Vorfall mal abgesehen habe ich allerdings momentan den Eindruck, dass ich ganz schön unter Beschuss stehe. Derzeit finde ich es oft sehr schwer zu beten, alte Gewohnheiten, die ich hoffte, abgelegt zu haben, kommen wieder und ich habe so einige Zweifel an meiner Beziehung und meiner Zukunft mit Gott. Vor allem macht mir die Gerichtsverhandlung zu schaffen, bei der die Liebste nächsten Montag aussagen muss. Wir hatten vor einigen Monaten jemanden wegen Fahrerflucht angezeigt, der vor unserer Haustür den Mini unserer Nachbarin beim Zurücksetzen mit seiner S-Klasse beschädigt hatte. Ich befürchte bei so etwas immer irgendwelche Racheakte. Seit einiger Zeit bekommen wir auch fast täglich Anrufe mit unterdrückter Nummer, bei denen nach ein paar Sekungen aufgelegt wird. Die Liebste sogar neuerdings auf dem Handy.

Das fühle sich alles nicht gut an. Andererseits habe ich mit Gott im letzten Jahr eine solche Nähe, dass es mich etwas wundert, dass die Angriffe jetzt erst kommen.

Vielleicht kann der eine oder andere mal für uns beten. Das wäre nett.


4 Kommentare on “Some kids are not allright”

  1. Dirk sagt:

    Tja, Berlin… arm und sexy … vielleicht hat sich Wowi bei diesem Spruch mehr an Sadomaso-Vorstellungen orientiert… 🙂

    Ich bete für Euch aus dem fernen Spandau!

    Ich kenne ähnliche Phasen (nicht unbedingt mit Telefonterror, aber vom Empfinden ähnlich).
    Ich kann sie auch nicht richtig einordnen.
    Ist das eben das Leben?

    Aber ich gehe auch von einer geistlichen Welt aus.
    Auch wenn’s oberfromm klingt:
    Jetzt geht es darum, dass Du Dich umso mehr auf Jesus schmeißt.
    Stehe früher auf und suche die Nähe Gottes.
    Es wird dadurch nicht immer äußerlich besser, aber Du wirst klarer sehen.

    Gott segne und behüte Euch!
    Dirk.

  2. Schrotty sagt:

    Hey krasse Sache, gibt es aber nicht nur in Berlin.

    Eine andere Frage, wie kommts, dass du keine Krankenversicherung hast?

  3. John sagt:

    Ich bete für dich/euch, ist ne echt doofe Situation, tut mir leid. 😦 Polizist aufm Bahnsteig in Neukölln ist echt was seltenes find ich, da hat Gott auf dich aufgepasst. Wir haben ja früher in der Nähe von Boddinstr. unten gewohnt.

    Dirk, deine „oberfrommen“ Worte haben mir gut getan, danke dafür.

  4. onkeltoby sagt:

    @Dirk,

    danke. Klingt nicht oberfromm. Das denke ich auch.

    @Schrotty

    frag nicht. Ich hoffe, das endet bald. Ich würde dann um einiges besser schlafen.

    @John

    Danke. Freue mich schon sehr auf morgen.


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