, da kann man.

Ja, da kann man nichts machen, durch muss man da. Die Tage gehen so, zu viel ist zu tun, als man man ernsthaft in die Versuchung kommen könnte. Rumsitzen an den Abenden, viel Bier trinken und Southern Comfort und Schwachsinn im Fernsehen gucken. Irgendwann dann doch wieder die Kisten mit den Fotos, wahnsinn, wie viele es von mir als Kind gibt, die ich nicht kenne. Und so viele fremde Menschen in Gegenden, die ich nie gesehen habe, und jedesmal der Gedanke: Papa fragen.

Und wo sind eigentlich die Rituale? Ich sehe mich plötzlich nach welchen, als wären sie ein Versprechen, ihn nicht zu vergessen. Aber das hat schon bei meiner Mutter nicht geklappt; die Traditionen waren immer Form ohne Inhalt für mich. Wenn das hier vorbei ist, werde ich hierhin wohl so schnell nicht zurück kommen. Gräber haben mir nie etwas bedeutet und den Ort habe ich die meiste Zeit gehasst, was sollte ich also hier? Aber der Gedanke, dass er hier gelebt hat, jeden Stein kannte und dass er eine Heimat war, die es nicht mehr geben wird tut zu weh, als das ich ihn grade mal so zulassen könnte.

Heute morgen mit Bruder und Pastor Ralf auf dem Friedhof gewesen, sein Grab wird einen Steinwurf von dem von Mutti sein. Es war gut, einem anderen Menschen von Papa zu erzählen. Ich habe nicht ein einziges Mal mit Gott gesprochen, seit dem ich hier bin, aber ich weiss, dass seine Hand auf meiner Schulter liegt.

Vor ein paar Tagen habe ich im Rahmen von 30 Jahren Rockpalast die von mir bis zur vorletzten Platte kultisch verehrte Band Erdmöbel gesehen, die gerade ein Album mit eingedeutschten Nummer-1-Hits gemacht haben. Die hatten eine sehr schöne Version von Joan Osbornes Nervsong „One of us“:

Wäre Gott einer wie wir/
eingeschlafen mit ’nem Bier/
nur ein Fremder um halb vier/
In der letzten Stassenbahn/
der versucht, nach Haus zu fahr’n

Das schöne ist ja: Genau das war er.