Manipulierte Berichterstattung über Egoshooter

Ein 21-jähriger Frankfurter namens Matthias Dittmayer hat sich neulich mal die Mühe gemacht, Aussagen von 4 Fernsehmagazinen über Killerspiele mit den benutzen Quellen zu vergleichen und im allgemeinen den Wahrheitsgehalt von Spielbeschreibungen zu überprüfen. Anscheinend gibt nicht nicht nur eine fundamentale Unkenntnis über das Thema, das der Gegenstand der Berichterstattung ist, es scheit im deutschen Fernsehen auch normal zu sein, zusätzlich gedrehtes Material einzuschneiden, um Zuschauer zu manipulieren. Interressant. Findet auch Spreeeblick. Bei jetzt. gibt es ein Interview mit Dittmayer .


Satan’s Jewel Crown

(Ich fands ja schon von den Louvin Brothers grossartig, aber Emmylou ist natürlich eine eigene Liga…)


Believe in God


via


Der Sommer ist vorbei.

Heute war wohl einer der ersten Tage, an denen die ganze Geschichte wieder hoch kommt, langsam wie ein entfernter Kopfschmerz schleicht sich die Trauer an, bis sie dann da ist und alles, wirklich alles andere verdrängt. Ich bin mir nicht sicher, wie ich damit umgehen soll. Sonst fiel es mir leicht, sie zu verscheuchen, als ob sie ein Vertreter ist, der einem an der Tür irgendeinen Ramsch verkaufen will und nur auf die Unterschrift hofft. Heute habe ich sie hereingebeten, und wenn man Gäste hat, will man, dass sie sich wohlfühlen. Also habe ich mich auf mein Sofa gesetzt und sie hat sich zu mir gesellt; mein Tribut mit der Hoffnung auf Ruhe, wenigstens für eine kleine Weile.

Da ist vor allem immer noch diese Ungläubigkeit, dass dieses Ereignis wirklich Zeit und Raum eingenommen hat und so real ist wie seine samstäglichen Anrufe, die nicht mehr kommen. Erstaunlicher Weise habe ich weniger das Gefühl des entwurzelten „Verlassen-Seins“, dass ich erwarten würde, nachdem beide Eltern tot sind. Mein Gefühl der Trauer ist damit verwandt, aber mir scheint, dass es viel tiefer geht und weniger um etwas, dass jetzt folgt. Es ist eher als ob etwas von mir selber nicht mehr lebt, dass ich nie wirklich gekannt habe und von dem ich weiss, dass es langsam aber sich von Anderem überwuchtert werden wird. Dieses Leben ist jetzt weg, und was bleibt?

Nachdem ich vorletzten Montag nach Köln gefahren bin hat mich mein nächstältester Bruder abgeholt. Ich erinnere mich noch genau, wie ich die Klinke drücke und in die Wohnung komme. Alles so, wie es war – aber der Geist war fort. Mir war, als sein die Wohnung mit meinem Vater gestorben und nur noch eine dünne Hülle. Es ging alles so schnell. Die Beerdingung den Montag darauf, Dienstag kam der Container, Mittwoch Mittag waren die bescheidenen Besitztümer meines Vater bereits auf irgendeiner Kippe.

(Dann noch dieses bizarre Erlebnis: Die alte Mutter des Vermieters wohnt nebenan und kam Dienstag beim Entrümpeln zu uns rüber, um zu kondolieren. Mittwoch morgen um Acht wachen wir von Lärm auf, gehen ans Fenster und sehen, wie sie im Morgenmantel vor dem Container steht; ihr Gärtner steht oben drauf und ist gerade dabei, mein altes Fahrrad herauszuziehen. Ehe ich unten war, haben sie sich aus dem Staub gemacht. Ihrem Sohn gehört das halbe Dorf, in dem mein Vater gewohnt hat.)

Hinterlassen hat er uns wenig; Ich habe zwei Reisetaschen und 2 Wäschekörbe voller Fotos und anderer Dinge mitgenommen; meine beiden anderen Brüder noch weniger. Ich weiss noch nicht, was bleibt. Irgendein kitschiger Gedanke, dass er durch die Liebe weiterlebt, die er uns gegeben hat? Aber vielleicht wäre das gar nicht so kitschig, sondern einfach nur banal, wie der Tod selber auch banal ist.

Weihnachten kommt bald; da bin ich immer zu ihm gefahren, um das irgendwie gemeinsam rum zu kriegen. Nachdem meine Mutter am 2. Weihnachtsfeiertag 1990 gestorben war, hatten wir beide ein etwas distanziertes Verhältnis zu all dem Trubel.

Ich merke, ich komme dem ganzen mit Worten noch nicht bei. Aber das ist vielleicht ein Anfang.


, da kann man.

Ja, da kann man nichts machen, durch muss man da. Die Tage gehen so, zu viel ist zu tun, als man man ernsthaft in die Versuchung kommen könnte. Rumsitzen an den Abenden, viel Bier trinken und Southern Comfort und Schwachsinn im Fernsehen gucken. Irgendwann dann doch wieder die Kisten mit den Fotos, wahnsinn, wie viele es von mir als Kind gibt, die ich nicht kenne. Und so viele fremde Menschen in Gegenden, die ich nie gesehen habe, und jedesmal der Gedanke: Papa fragen.

Und wo sind eigentlich die Rituale? Ich sehe mich plötzlich nach welchen, als wären sie ein Versprechen, ihn nicht zu vergessen. Aber das hat schon bei meiner Mutter nicht geklappt; die Traditionen waren immer Form ohne Inhalt für mich. Wenn das hier vorbei ist, werde ich hierhin wohl so schnell nicht zurück kommen. Gräber haben mir nie etwas bedeutet und den Ort habe ich die meiste Zeit gehasst, was sollte ich also hier? Aber der Gedanke, dass er hier gelebt hat, jeden Stein kannte und dass er eine Heimat war, die es nicht mehr geben wird tut zu weh, als das ich ihn grade mal so zulassen könnte.

Heute morgen mit Bruder und Pastor Ralf auf dem Friedhof gewesen, sein Grab wird einen Steinwurf von dem von Mutti sein. Es war gut, einem anderen Menschen von Papa zu erzählen. Ich habe nicht ein einziges Mal mit Gott gesprochen, seit dem ich hier bin, aber ich weiss, dass seine Hand auf meiner Schulter liegt.

Vor ein paar Tagen habe ich im Rahmen von 30 Jahren Rockpalast die von mir bis zur vorletzten Platte kultisch verehrte Band Erdmöbel gesehen, die gerade ein Album mit eingedeutschten Nummer-1-Hits gemacht haben. Die hatten eine sehr schöne Version von Joan Osbornes Nervsong „One of us“:

Wäre Gott einer wie wir/
eingeschlafen mit ’nem Bier/
nur ein Fremder um halb vier/
In der letzten Stassenbahn/
der versucht, nach Haus zu fahr’n

Das schöne ist ja: Genau das war er.