Feathers & Downs

Mittlerweile bin ich ganz froh, dass die Besuchszeit auf der Intensivstation auf 2 Stunden limitiert ist. Ich bin jedesmal völlig fertig, wenn ich da raus komme. Natürlich schliesst die Cafeteria genau dann, wenn die Besuchszeit zu Ende ist; der Automatenkaffee heisst nur so. Mein Vater hat eine schwere Lungenentzündung und wird immer noch beatmet. Morgen soll er geweckt werden und muss alleine atmen, aber das hat schon gestern morgen nicht hingehauen.

Eine quälende Scheisse ist dass alles. Zu den Problemen mit meinem Dad sind in den letzten Tagen auch noch eine Menge anderer Eindrücke dazugekommen, von denen ich nicht richtig weiss, wo ich sie hinstecken soll. Die Beerdigung von M.’s Vater und das Wiedersehen mit ihr nach all den Jahren. (Ich habe bei solchen Angelegenheiten immer die Angewohnheit, abgeklärt und rational zu tun, aber als ich in ihre verweinten Augen schaute, habe ich nur noch Schwachsinn geredet.). Den Besuch bei N. der als Künstler immer einer der ärmsten Menschen war, die ich kannte. Immerhin hatte seine Freundin einen festen Job. Vor einem Jahr hat sie geeerbt und jetzt habe sie mehr Geld, als man in einem Leben ausgeben kann.

Hätte jetzt gerne eine Taste zum Vorspulen.


Die gewünschte Sämigkeit

Mein Vater hat die OP vorgestern ganz gut überstanden, er liegt aber immer noch auf der Intensivstation und ist nicht bei Bewußtsein. Asserdem bekommt er noch zusätzlich Sauerstoff, da seine Lungen nicht so gut arbeiten. Gestern konnte ich für 2 Stunden zu ihm, und ihn da so liegen zu sehen, schlafend, vor all den Geräten und vor allem vor diesem Monitor mit den Zahlen, die irgendwas bedeuten, das ich nicht verstehen kann, war ganz schön hart. Heute wollen sie ihn aufwecken und sie hoffen, dass er wieder alleine atmen kann.

Es ist sehr seltsam, ohne ihn in seiner Wohnung zu sitzen. Sonderlich gut kann ich mich nicht auf die Arbeit konzentrieren, aber dann muss das Nötigste eben reichen. Meine alte Freundin aus der Jugendgruppe, deren Vater letzen Freitag gestorben ist, habe ich vorgestern noch angerufen, und das Gespräch war richtig gut. Warum auch nicht. Heute Nachmittag holt mich jemand aus der Gemeinde ab und nimmt mich mit zur Beerdigung, danach werde ich wieder ins Krankenhaus fahren und abends dann nach Köln, um einen alten Freund zu sehen, zu dem ich den Kontakt fast völlig verloren hatte. Eine Reise vom Tod ins Leben, quasi, denn besagter Freund hat auch noch 2 ganz kleine Kinder.

Bizarrster Moment des gestrigen Tages: In ein fast leeres Strauß-Geschäft zu gehen und die Belegschaft angeregt über die Vorteile der Todesstrafe diskutieren zu hören.


Ein Jahr lang alle Regeln der Bibel befolgen…

Dieser Mann hier hat ein Jahr lang alle Regeln der Bibel (vor allem des AT, scheint mir) befolgt und ein Buch darüber geschrieben. Und es waren nicht nur die 10 Gebote, sondern auch der ganze Rest, den ein orthodoxer Jude befolgen musste. Auf newsweek online gibt es ein ganz interessantes Interview, und bei Amazon findet sich eine Leseprobe.
via


Alles ist gut, alles.*

Ich bin heute relativ spontan zu meinem Vater nach Köln gefahren. Er kommt morgen ins Krankenhaus, ein dreifacher bypass muss gelegt werden. Obwohl er immer meinte, dass ich nicht zu kommen brauche, ist mir überhaupt nicht wohl dabei gewesen, zu Hause zu bleiben. Ist schon komisch manchmal: Ich will über Dinge nachdenken, um mir eine Meinung zu bilden, aber eigentlich weiss ich von der ersten Sekunde eh, was ich tun werde.

Vor ein paar Jahren hat er schonmal eine ähnliche OP über sich ergehen lassen müssen, und eine Folgeerkrankung hätte ihm fast das Leben gekostet. Jetzt ist er 80 Jahre alt und ich würde es mir nie verzeihen, wenn er es nicht überleben würde und ich nicht da gewesen wäre.

Mein Vater und ich stehen uns sehr nah. Machdem meine Mutter 1990 gestorben ist, habe ich noch 8 Jahre mit ihm zusammen gelebt und das hat uns irgendwie zusammen geschweist. Ich habe von ihm so viel über Gottes Güte und Liebe gelernt, ohne, das wir viel darüber gesprochen hätten. Er hat es einfach vorgelebt, und obwohl er ein sehr einfacher Mann mit gerade mal vier Jahren Schulbildung ist, weiss er mehr über manche Dinge, als ich je lernen werde.

Als ich gestern mit ihm telefoniert habe, erzählte er, dass ein Mann aus unserer alten (und seiner immer noch aktuellen) Baptistengemeinde vor ein paar Tagen gestorben sei. Er war der Vater eines Mädchens, das in meiner alten Jugendgruppe war. Ich war mal ein bisschen in sie verliebt und ich weiss, dass ich ihr eine Zeit lang auch viel bedeutet habe. Sie wird jedenfalls immer einen Platz in meinem Herzen haben. Was mich aber etwas ratlos macht, ist die Tatsache, dass ich immer noch nicht zu wissen scheine, wie man mit Trauernden umgeht. Das hätte ich spätestens mit dem Tod meiner Mutter lernen müssen. Aber: Einfach anrufen? Was, wenn ständig Leute anrufen und nerven? Was sagen, wenn man sich so lange nicht gesehen hat? Scheiss auf Karten. Ich hoffe, ich schaffe es am Freitag irgendwie auf die Beerdigung.

Es ist gut, zu wissen, das so viele Leute für meinen Vater beten. Es haben sich sogar einige aus meiner neuen Kirche gemeldet und das finde ich wirklich sehr beruhigend. Ich weiss, dass Gott da ist, und das wir alle in ihm geborgen sind, egal, was passiert.

In dieser Woche will ich jeden Tag zumindest ein paar Stunden im KH sein. Ansonsten werde ich verschen, hier weiter zui arbeiten. Ich habe jetzt eine O2 internet-flatrate frür 25 EUR, wenn ich das Handy als Modem benutze, und das ist alles sogar ganz schön schnell. Ich werde sehen, wie produktiv ich sein werde….

*Meine Mutter hatte mir mal die Anleitung zum Unglücklichsein von Watzlawick geschenkt und das war die Widmung. Ich habe sie nie gefragt, was das bedeuten soll und rätsele immer noch darüber.


St. Thomas R.I.P.

Gestern, kurz bevor wir auf die Bühne gingen meinte Dirk, unser Drummer, zu mir: Weisst Du eigentlich, das St. Thomas tot ist? Und da war es wieder, das Gefühl, dass einem gerade kurz in den Magen geboxt wurde. Ich war nicht unbedingt ein Fan, aber sein erstes Album habe ich sehr gemocht, damals. Seine einfachen Songs hatten so etwas total naives aber strahlten gleichzeit immer eine grosse Traurigkeit aus, als ob ihn seine Naivität vor zu viel Leid beschützen sollte.

Vor einigen Jahren (2003?) hat er auch auf dem Festival gespielt, bei dem ich immer als Stage Manager arbeite. Ich habe ihn als sehr schüchtern in Erinnerung und es schien alles auf eine gepflegte Borderline-Persönlichkeit hin zu deuten. Und als Norweger konnte er natürlich saufen ohne Ende. Hat er auch.

Er hatte damals noch einen so durchgeknallten wie polytoxikomanen Mitmusiker dabei, der noch 2 Tage nach dem Festival im Wintergarten saß und Bierkästen leerte. Irgendwann hat ihn dann jemand zum Bahnhof gefahren und in einen Zug gesetzt.

Die Todesursache ist wohl noch unbekannt, aber es wird wohl Selbstmord gewesen sein. Er war 31 Jahre alt.

Hier kann man sich ein schönes Konzert anhören.

Ich wünschte, es hätte ihm jemand helfen können.


Spass mit Christen, Teil 456

… und Gott liebt uns trotzdem.


R.I.P. Slice of Laodicea

Wie ich eben dem Naked Pastor entnahm, hat der christliche hateblog „Slice of Laodicea“ das Zeitliche gesegnet. Ingrid Schlueter, die Betreiberin schreibt hier über das,was passiert ist, und irgendwie klingt es merkwürdig. Zumal sich fast alle Artikel darüber noch leicht finden lassen.

Immerhin findet David Hayward versöhnliche Worte. R.I.P.