Fabian Vogt – Das 1×1 der Emerging Church

Der „Sämann“ hat vor ein paar Tagen über ein Büchlein namens „Das 1×1 der Emerging Chuch“ gebloggt, das ich mir daraufhin ebenfalls bei Amazon bestellt habe. Allerdings bin ich nicht ganz so begeistert davon wie er oder Haso. Leider fehlt mir die Zeit, um genauer darauf einzugehen, daher nur Stichwortartig:

1. Ich finde es gut, dass es endlich mal eine deutschsprachige Veröffentlichung gibt, die sich ausschliesslich mit der EmCh auseinander setzt. Vogt versäumt m.E. aber, das Prozesshafte als konstituierendes Element deutlich zu machen, was sich bereits am Titel zeigt. Er behauptet zwar unter 1.2., das es einen „globalen Konsens“ gibt, was meiner Erfahrung nach aber nur sehr bedingt und sicher nicht in dem Umfang stimmt, wie es Vogt in seinem Buch behauptet. Sein „1×1“ ist daher kein „1×1 der Emerging Church“, sondern das „1×1 der Emerging Church, wie sie Fabian Vogt wahrnimmt“. Sieht man sich z.B. die Positionen in dem Buch „Listening to the believes of the emerging church“ an, wird man feststellen, dass der behauptete Konsens auf einem sehr schmalen Brett steht.

2. Entgegen der von mir am meisten beobachteten Methode, die Genese der EmCh an dem „Paradigm Shift“ der Postmoderne festzumachen, geht Vogt die Problematik von der Systemtheorie an, was meiner Ansicht nach ein (leider) viel zu seltener Ansatz ist. Ich halte sehr grosse Stücke auf die Systemtheorie, aber Einführung auf dieser Basis verpasst m.E. die Notwendigkeit, die Dringlichkeit dieser Bewegung zu betonen. Vogt richtet sich in seinem Buch hauptsächlich an Christen, die bereits Erfahrungen mit „normalen“ Gemeinden haben, und spricht in diesem Zusammenhang auch von einer „Einladung“. Aus dieser Perspektive liesst sich das (mal wieder) als irgendein neuer Trend, dem die Kirche jetzt wieder zu folgen hat, da sie ja „zeitgemäß“ bleiben muss.

Das wurde schon von so vielen Dingen behauptet, die sich letztendlich nur auf Methoden gestützt haben, die ihrerseits wieder ein Verfallsdatum haben. Das die EmCh ja eben genau das nicht will wird von Vogt zwar behauptet, ist für mich aber nicht als Notwendig nachvollziehbar.

Er warnt unter 5.1. auch davor, die EmCh mit einer postmodernen Kirche zu verwechseln, aber er führt leider nicht aus, wo die Unterschiede sind und was die erwähnten „Postmodernen Angebote“ sein sollen.

3. Soweit ich sehe, wird das Internet ein einziges Mal erwähnt.; Blogs existieren für Vogt überhaupt nicht. Das ist für eine „Bewegung“ deren Hauptakteure alle blogs haben und deren Diskussion zu einem grossen Teil eben dort stattfindet, wirklich bizarr. Ich sehe durchaus eine gegenseitige Befruchtung von EmCh und vielem, was unter „web 2.0“ subsummiert wird. Darauf nicht im geringsten einzugehen halte ich für eine grobe Unterlassung.

4. Da sich das Buch an Leute richtet, die bereits Erfahrung mit christlichem Leben in Gemeinden haben halte ich es für keine gute Idee, ausschliesslich einen abstrakten Überblick über das Denken der EmCh zu geben. Vogt sagt nichts darüber aus, wie sich das alles konkret manifestiert. Warum ist ein „missionaler Lebensstil“ da so wichtig? Was sind die politischen Implikationen? Wie wird in diesem Bereich Theologie gemacht und was bedeutet Orthopraxie? Das sind alles ganz zentrale Fragestellungen, die m.E. in einem Buch mit diesem Ansrpuch nicht fehlen dürfen.

5. Vogt sagt leider nichts darüber, das ein grosser Teil der Theologie aus Rückgriffen und rekontextualisierungen alter Texte besteht. So klingt es,als ob hier (wieder mal) eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird.

6. Die Literaturliste ist sehr selektiv, vor allem fehlt Rollin’s Buch“How (not) to speak of God“, das meiner Meinung nach immer noch den wichtigsten Bitrag zur Diskussion liefert. (Ich glaube, McLaren schrieb, dass er mit niemandem mehr über die EmCh diskutiert, der dieses Buch nicht gelesen hat – zu recht.)

Leider kann ich das Büchlein nicht empfehlen, wenn man sich von der EmCh ein Bild machen möchte, das ist alles zu selektiv geschrieben und lässt zu vieles aus. Natürlich ist es nur 60 Seiten dick,aber manche Sachen lassen sich eben nicht in eine Nutshell zwängen. Eine Bewegung vorzustellen, die einen so grossen Schwerpunkt auf das „machen“legt“, indem man nur eine (sehr vage und vor allem nicht im Ansatz vollständige) Theorie aufzeigt, kann keine gute Idee sein. Da würde ich eher das Buch von Peter Rollins empfehlen.



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