Me and the farmer

Es zeichnet sich ab, das der Pastor / Leiter der Gemeinde, die ich derzeit besuche, im Januar wieder in die USA geht. Es wird ein Nachfolger gesucht, welcher anscheinend bereits gefunden worden ist. Vor drei Wochen war er mal da und hat Gitarre gespielt, aber nicht gepredigt oder sich sonstwie vorgestellt, was ich schon ein bisschen seltsam fand. Wenn ich mich recht entsinne, ist auch nicht erwähnt worden, das er sich für diesen Posten bewirbt – die Binnenkommunikation lässt da wirklich einiges zu wünschen übrig. Ich bin mir nicht sicher, ob er der Richtige ist, aber ich habe heute in Karen Ward’s Beitrag in „Listening To The Believes Of Emerging Churches“ eine interessante Stelle gefunden, die meine Einstellung zu „Gemeindeleitern“ ganz gut widerspiegelt:

„“For leader, cultivating growth is about becoming an abbot in a congregation rather than a pastor. An abbot is a leader who forms a way of life among a whole people. Missional change is primarily about formation – and formation is about the habits and practices that shape new ways of being the chuch.

Cultivation is an ancient word taken from agricultural practices. It is an organic metaphor rather than one of management or warfare. A gardener or farmer understands that life and purpose of plants and crops is not something over which the farmer has a great deal of control. And so, leadership as cultivation is not about people fitting into your strategy; it is about providing the environment in which missional imagination buds and develops, and in which the farmer may well be astonished by the results“
(Alan Roxburgh)

Ich habe generell keine Probleme mir Hierarchien; und ich bin mir wohl bewusst, das Petrus dieses Prinzip gerne in Gemeinden angewand sehen will. Aber ich glaube, das die Form durchaus diskutabel ist.

Ich sehe es z.B. auch nicht als zwingend notwendig an, überhaupt einen theologisch ausgebildeten Pastor in einer Gemeinde zu haben. Für viel wichtiger halte ich es, jemanden zu haben, der in Zusammenabeit mit seiner Kirche ein Klima des Wachstums prägt, der Leute inspiriert und zusammenbringt, der keine one-man-show abzieht, sondern sich seiner Abhängigkeiten bewusst ist (und wie oft habe ich schon Pastoren erlebt, die nach dem Motto arbeiteten: „If you want something to be done, do it yourself“).

Überhaupt gefällt mir Karen Ward’s Kapitel mit am besten, das zusammen mit ihrer Kirche geschrieben worden ist. Es steht eigentlich diametral zu Mark Driscoll, der in diesem Buch mit seiner Wortfixierung, seiner gönnerhaften Gutsherrenmentalität und latentem Sexismus für alles steht, was ich an christlichen Fundamentalisten so abstossend finde. Am Anfang seines Kommentars zu Ward’d Beitrag spricht er ihr z.B. erstmal das Recht ab, als Frau Gemeideleiterin zu sein. Mir ist vollkommen rätselhaft, warum Driscoll überhaupt in irgend einer Weise zu der Emergent Conversation gezählt wird. Ich kann weder Inhaltlich, noch im Duktus eine Geistesverwandschaft zu Z.B. Pagitt, MacLaren oder anderen Akteuren in diesem Gebiet feststellen.

Auch, wenn der Erfolg seiner Kirche ihm Recht geben mag: Seine Art der Gesetzlichkeit und Intoleranz schafft genau das Klima, mit dem ich nichts mehr zu tun haben möchte. Und wenn ich mich dafür als Liberaler beschimpfen lassen muss.



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