Kiezfest

Gestern war ich auf dem Kiezfest der Kirchen im Prenzlauer Berg, wo die Gemeinde, in die ich seit einiger Zeit gehe, auch einen Stand hatte – anstelle des regulären Gottesdienstes. Sie hatten ein paar Sessel mit Tischen an die Strassenecke gestellt; ein Monitor zeige Bilder aus dem Gemeindeleben und Musik lief auch. Irgendwann gegen Abend allerdings fanden sich dann alle zusammen und fingen an, zur Akustikgitarre Lieder zu singen.

Ich will das wirklich nicht verurteilen und finde es schön, wenn man sich daran freuen kann. Leider symbolisiert das genau die Art von Christentum, mit der ich für mich abgeschlossen habe und der ich auch nichts mehr abgewinnen kann. So stand ich dann weiter hinten und habe mich ordentlich fremdgeschämt. Ich hatte den Eindruck, das sich selbst einige Besucher des Kiezfestes darüber etwas lustig gemacht haben.

Danach gab es noch eine „Impulspredigt“ mit einer Frage, über die man dann reden sollte. Ich hatte aber keine Lust, zu reden und habe mir die anderen Stände angeguckt. Zumal Obadja, die zu dem Zeitpunkt auf der Bühne gespielt haben, einer Unterhaltung nicht unbedingt förderlich waren…

Mir ist diese Art der Selbstpräsentation und „Evangelisation“ eh sehr fremd. Ich habe eigentlich keine Lust, fremden Leuten irgendwas von Jesus und Kirche und so erzählen zu sollen – ich komme mir vor, als ob ich den Menschen irgendeinen billigen Mist verkaufen solle. Einge haben das aber auf eine bemerkenswerte Art und Weise drauf, und natürlich freue ich mich, wenn dadurch jemand zu Gott kommt, aber da ich mich selber nie auf solche Gespräche eingenlassen hätte, fällt es mir um so schwerer, dabei halbwegs glaubwürdig rüberzukommen.

Ich selber hätte es schön gefunden, wenn man einfach einen netten Nachmittag miteinander verbracht hätte, ohne irgendein „Programm“ oder eine „Botschaft“ haben zu müssen, die man nun unbedingt unter die Menschen bekommen woltle. Mir kam das alles sehr gezwungen und verkrampft vor. Und natürlich stelle ich mir wieder die Frage, ob ich wirklich bei dieser Kirche bleiben soll, mit der mich theologisch doch sehr wenig verbindet. Andererseits habe ich dort schon sehr viele nette Leute kennengelernt, und auch gestern habe ich wieder ein richtig gutes Gespräch mit einem anderen Mitglied gehabt.

Bin ich vielleicht zu unlocker und sollte froh über die Gemeinschaft sein? Genau darum drehte sich auch das erwähnte Gespräch. Aber mir kommt das alles mehr und mehr wie eine normale Freikirche vor mit dem Unterschied, das alles „etwas lockerer“ zugeht.



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