Was bisher passierte…

Von Sonntag vorletzter Woche bis Pfingstmontag war ich auf dem Orange Blossom Special Festival in Ostwestfalen. Veranstaltet wurde es in diesem Jahr zum 11. Mal von Glitterhouse Records, einem meiner Lieblingslabels, bei dem ich 1998 mal für sechs Monate ein Praktikum absolviert habe, und dem ich immer noch freundschlaftlich verbunden bin. Dieses Jahr war ich zum 10. Mal als „Stage Manager“ dabei, und neben dem immer exzellenten Programm ist es einfach immer wieder klasse, die ganzen Leute wiederzusehen, die dort auch Mal Praktikum gemacht haben oder dem Laden auf andere Weise nahe stehen. Die Veranstaltung ist eigentlich mal als Gartenparty geplant worden (und findet immer noch im grossen Garten der Firmenvilla statt), und auch wenn viele Abläufe mittlerweile fast automatisch stattfinden, so hat es nie diesen speziellen, familiären Charakter verloren – das behaupten zwar auch viele andere Festivals von sich, aber wer schonmal da war, wird wissen, das sich das hier auf besondere Weise bewahrheitet.

Mich wundert es eigentlich immer wieder, was für ein unglaublicher logistischer Aufwand so eine Veranstaltung mit sich bringt – auch, wenn es wie hier nur um maximal 2000 Personen geht. Trotzdem macht es sau viel Spass und ist zu einem wichtigen Teiul meines Lebens geworden, auf den ich nicht mehr verzichten möchte. In den nächsten Tagen schreibe ich vielleicht mal ein Fazit (Woven Hand! Michael J. Sheehy!).

Am Pfingstmontag hat mich dann die Liebste abgeholt, mit der ich dann zu meinem Vater nach Köln gefahren bin. Der wurde am am Freitag 80, und Samstag gabe es ein Essen für ein paar Verwandte und Bekannte, das auch ausgesprochen nett war. Meinen Onkel und seine Familie aus Hamburg z. B. hatte ich seit dem Tod meiner Mutter 1990 nicht mehr gesehen.

Freitag morgen schon klagte mein Vater über ein Taubheitsgefühl im linken Arm. Die Hand konnte er auch nicht mehr recht gebrauchen, aber da er öfters solche Sachen hat und die Symptome sehr ähnlich den Nebenwirkungen seines Schmerzmedikaments waren, hoffte ich, dass sich das wieder geben würde. Die Feier am Samstag hat ihn natürlich sehr angestengt, aber heute morgen gehorchte ihm das linke Bein nicht mehr richtig und wir holten sofort einen Krankenwagen, da sich die Anzeichen auf einen Schlaganfall nicht mehr relativieren liessen.

Man hat dann die üblichen Untersuchungen gemacht, und da mein Bruder in der Nähe wohnt, entschloss ich mich, wieder mit nach Berlin zu fahren. Vorhin habe ich mit meinem Vater gesprochen; es wird wohl ein kleiner Schlaganfall gewesen sein, aber der behandelnde Arzt kommt erst morgen und dann wird sich weiteres ergeben. Und jetzt liegt er da allein in einem Dreibett-Zimmer und hat Angst und ist traurig. Nicht hasst er so sehr, wie nicht zu hause sein zu können, und die ganze Krankenwagen-mit-dem-Tagetuch-durch-das-enge-Treppenhaus-Prozedur wird ihm nochmal alle seine Ängste bestätigt haben.

Mir kamen natürlich wieder die Bilder hoch von den beiden Schlaganfällen meiner Mutter, bei denen ich als einziger Anwesend war, und von der Angst und Verwirring bei ihr und der Hilflosigkeit bei mir (ich war 18 damals). Von dem 2. hat sie sich nie mehr erholt und das letzte, was ich von ihr sah, war ihr zuckender Körper auf der Intensivstation, dem von immer weiteren Anfällen alles Bewusstsein und alle Persönlichkeit ausgetrieben wurde. So schlimm ist es natürlich lange nicht bei meinem Vater, aber Jesus, so sollte niemand sterben. Trotzdem werden wir uns überlegen müssen, in wie weit er Hilfe beim täglichen Leben braucht und wie wir das organisieren. Ich wünschte, ich könnte ihn irgendwie nach Berlin holen, aber ich wüsste nicht, wie das gehen sollte und die Zeit hätte ich auch nicht. Schmeisst doch mal ein Gebet für ihn in die Runde; ich kenne keinen, von dem ich mehr über die Güte Gottes und die die unbedingte Liebe gelernt habe, als von ihm.

Ich bin mittlerweile veritabel angetrunken; die Liebste liegt schon Bett und schläft (sie musste den Weg alleine fahren, da ich ja keinen Führerschein habe) und ich wünschte, Gott wäre näher, aber das wünsche ich mir ja eigentlich immer.



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