Unsicherheit rules derzeit.

Gestern war ich bei einem „Schweigemarsch“ im Gedenken an die 14-jährige Kristina Hani, die vor 2 Wochen in einen Rollkoffer gesperrt und im Park an der Thomashöhe hier um die Ecke lebendig verbrannt wurde. Da ich lediglich eine einzige Ankündigung in unserem Hausflur gesehen hatte, befürchtete ich, das nur wenige Leute kommen würden, doch meine Angst war unbegründet. Ich kann ja schlecht schätzen, aber hier steht etwas von 500 Leuten. Auf dem Weg durch den Kiez bis zu der Stelle, an der sie starb, lief ich für einige Zeit hinter einem vielleicht 10-jähren Mädchen, die ein T-Shirt mit der Aufschrift „Royal & Sexy“ trug – das gleiche Shirt hatte Kristina Hani an, als man sie fand.

Im Park angekommen versammelten sich alle um eine mit Blumen geschmückte Stelle auf der Wiese, und eine Frau fing an an „Amazing Grace“ zu singen. Gut, wenn man eigentlich nichts mehr sagen kann, weil Worte nicht mehr helfen, dann kann singen eine gute Idee sein. Leider stelle sich danach ein ca. 40jähriger Mann in den Kreis und verkündete die üblichen Gmeinplätze – Kälte der Gesellschaft und das es in Neukölln so ein Verbrechen nicht nochmal geben dürfe und das man zusammenstehen sollte und so weiter. Über Kristina hat er nichts erzählt. Dabei dachte ich, das wir ihretwegen da wären, nicht wegen der Kälte der Gesellschaft. Als wir uns dann alle die Hand reichen sollten, ging ich wieder heim.

Ich weiss nicht, wie man als Mutter, Vater oder Freund mit so einem Verbrechen fertig wird. In meinem Leben gab es bislang nichts annährend vergleichbares. Früher sah ich in meinem Glauben an Gott auch immer eine Art Garantie für weitestgehende körperlich und seelische Unversehrtheit, aber tatsächlich könnte ich so sterben wie die Mitarbeiter des Bibelverlages, die in der Türkei vor kurzen von Moslems auf eine unfassabar bestialische Weise ermordet wurden. Nirgendwo in der Bibel steht, dass man frei von solchen Schicksalen wäre, ganz im Gegenteil – wie viele Christen wurden (nicht nur) wegen ihres Glaubens ermordet?

Letzte Woche hat Dave bei Rock Berlin über Paulus gesprochen und eine interessante Beobachtung gemacht. Paulus hat Gott nie darum gebeten, dass die Dinge sich für ihn zum günstigerern ändern. Seine Bitte war fast immer, das Gott ihm die Kraft gebe, sich den Realitäten zu stellen. Im Moment ist mein Gefühl der Geborgenheit bei Gott etwas erschüttert.

Dazu kommt noch, meine Liebste und ich gestern den Fahrer einen dicken Mercedes angezeigt haben, der einfach abgehauen ist, nachdem er einen Mini beim Einparken gerammt hatte und von einem Passanten auch noch darauf aufmerksam gemacht wurde. Ich befürchte immer gleich, das durch sowas eine Kette von Ereignissen angestossen wird, die irgendwann in einer Racheaktion gegen uns endet. Das ist natürlich lächerlich im Vergleich, aber würde mich in dieser Scheissgegend hier auch nicht wundern.

Wie auch immer: Unsicherheit rules derzeit. Und ich bete, das Gott spürbar bei Kristinas Familie ist.



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s