Face/Off

Peter Rollins Buch „How (not) to speak of God“ macht mir derzeit sehr viel Freude. Er bringt so viele Gedankengänge, die ich in den letzten Monaten hatte, auf den Punkt und eröffnet andererseits ganz neue Perspektiven, das ich es gleich nochmal lesen werde, wenn ich durch bin (3 Gottesdienste fehlen mir noch).

Mein Germanistik-Studium und der dortige Kontakt mit Cultural Studies hat mich sehr geprägt, und ich habe mich implizit immer gefragt, wie sich Postmoderne und Glauben zusammenbringen lassen. Rollins macht das auf eine unglaublich klare und einfach Art, die mich teilweise wirklich begeistert.

Zum Beispiel ist mir seit einiger Zeit klar, das ich überhaupt nicht weiss, wer Gott ist. Je mehr ich über ihn lese und von Menschen über sein Wirken höre, desto rätselhafter und unbegreiflicher scheint mir sein Wesen zu werden. Ich kommt mir wirklich vor wie diese eine Person in dem Witz, den ich gerade nicht mehr ganz zusammenkriege, wo Blinde einen Elefanten beschreiben sollen und der eine fühlt nur ein Stück der Haut und muss eben das Teil für das Ganze halten.

Vor kurzen habe ich ein paar Predigten eines sehr konservativen australischen Predigers gehört, auf den ich zufällig gestossen bin, bei denen es teilweise auch darum geht, das man den Gott kennen MUSS, an den man glaubt und ich wirklich sagen muss, das ich das niemals behaupten kann: Ich kenne meinen Gott. Ich glaube mittlerweile, das ich einiges von Jesus kenne und das er das vielleicht das Gesicht meines Gottes ist (oder vielleicht eher: Die Hände).

Rollins bringt das in seinem Konzept des a/theismus wunderbar zusammen, und eigentlich ist es so offensichtlich (man hätte nur mal die Dialektik der Aufklärung auf das Christentum beziehen müssen, quasi): Das jeden Wissen um Gott eben auch das Wissen um die Vorläufigkeit und sein provisorisches beinhalten muss, und das es eben nicht um den „richtigen Glauben“ sondern um die Bereitschaft zu einer dynamischen Veränderung geht.

Und so geht es mir mit vielen seiner Gedankengänge. Manche Überlegungen, wie z.B. das Konzept, das Liebe eine eigene Wahrheit zeitigt, gehen mir momentan noch etwas gegen den Strich, so konsequent sie auch gedacht sind, aber ich schätze, an dem Buch werde ich mich noch etwas abarbeiten müssen. Ich hoffe, das erscheint bald auf deutsch.

Ich muss allerdings sagen, das ich die Beschreibungen seiner Gottesdienste teilweise eher befremdlich finde. Da liegt mir persönlich zuviel Pathos und Ritual im Weg rum, das ich für mich erstmal nicht mehr bei einem Gottesdienst sehen möchte, aber es sind eben auch nur Beschreibungen. Die wirklichen Veranstaltungen machen sicherlich einen ganz anderen Eindruck.

Ich würde mal sagen: Wenn Sie auch nur ein spirituelles Buch lesen in diesem Jahr: Lesen sie das von Peter Rollins.

Face/Off ist übrigens der Titel eines Meisterwerkes von John Woo, bei dem sich die Poststrukturalisten wohl kollektiv vor Freude ins Höschen gemacht haben, denn es behandelt die Frage nach dem Kern der Identität des Anderen und legt die ( postmoderne) Deutung nahe, das sie ausschliesslich an der Oberfläche lokalisiert ist, und das eben ein letztendlicher Zweifel immer bleibt. Quasi Lacans nie aufgehender Rest, um den herum und aufgrund dessen sich sich die Realität überhaupt strukturieren kann.)



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