Segnungen

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Gottesdienst eine junge Frau namens Franziska kennengelernt, die mir von ihrer Lebensgeschichte im „Berliner Prekariat“ erzählte. Sie hatte nie etwas anderes erlebt, als von Sozialhilfe abhängig zu sein; ihre Mutter war alleinerziehend und als Ungelernte ohne Schulabschluss hat sie nie einen richtig Job bekommen. Allerdings wollte sie immer, das ihre es Tochter es besser hat und so hat diese die Hauptschule zuende gemacht und sich danach mit McJobs durchgeschlagen. Auf einer Abendschule hat sie dann die mittlere Reife nachgeholt und eine Ausbildung als Fachverkäuferin gemacht. Nun hat sie endlich eine richtige Stelle und will auch das Abitur in einer Abendschule nachholen. Dabei sei sie keine Christin, meinte sie; Interesse habe sie schon, aber sie käme hauptsächlich, weil sie so andere Menschen kennenlernen würde und etwas unternehmen wolle.

Mir nötig das einen ungeheuren Respekt ab und ich bin fast etwas neidisch, wenn Leute mit so einem unglaublichen drive kennenlerne, die alles tun, um die Ziele zu erreichen, die sie sich gesteckt haben. Mir fiel ja eigentlich immer alles mehr oder weniger in den Schoß; ich bewege mich finanziell und karrieretechnisch zwar knapp über der Grasnarbe, aber richtig kämpfen habe ich nie müssen.

Was ich bei Franziska noch bemerkenswert fand, ist die Tatsache, das sie das alles durchstehen muss, weil sie einfach nie richtig gefördert wurde. Ich glaube ja, dass man Intelligenz oft schon an den Augen erkennen kann, und ich war mir schon beim ersten Blick sicher, dass sie ohne weiteres das Abitur und noch vieles andere geschafft hätte, wenn man sie denn gelassen hätte.

Mich erinnert das an etwas, das ich vor einiger Zeit über das Wesen des Segens Gottes herausgefunden zu haben glaube. Als ich mich damals bekehrte, was ich in der achten Klasse der Realschule und „auf Krawall gebürstet“, wie man so schön sagt. Ich habe nicht ein Fach mit Interesse verfolgt und wenn das so weiter gegangen wäre, dann hätte ich wohl auch die mittlere Reife abschreiben können.

Nach meiner Bekehrung veränderte ich mich völlig. Schon bald wurde Deutsch mein Lieblingsfach und generell veränderte sich meine gesamte Perspektive. Am Ende der Realschule konnte ich mir vorstellen, auf’s Gymnasium zu gehen (was ich schliesslich auch gemacht habe) und bin in der 10. Klasse sogar zum Schulsprecher gewählt worden – drei Jahre zuvor wäre das alles komplett unvorstellbar gewesen.

Ich glaube, das Gott mich nach meiner Bekehrung gesegnet hat, in dem er mir selber meine Anlagen und Fähigkeiten zeigte und mir half, das Beste aus mir rauszuholen. Ich glaube, das dies eine der wirkungsweisen seines Segens ist, vielleicht vor allem in Zeiten, in denen man selber nicht unbedingt die Kraft oder die Einsicht hat, um selber tätig zu werden.

Ich hoffe (und mir scheint es so), dass Gott auch Franziska in dieser Weise segnet und sie all das nachholen kann, was sie versäumen musste, weil die Umstände es nicht zuliessen. Und das macht mir gerade ziemlich gute Laune…



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s