Out of focus

Eine Magen-Darum Grippe und der Besuch des Bonnie Prince Billy-Konzertes verhinderten es letztendlich, das ich meine kirchlichen Feldstudien am Wochenende fortsetzen konnte. Dafür habe ich das Brian McLaren-Buch ausgelesen, das mich ziemlich begeistert hat. Um da was genaueres drüber zu schreiben, müsste ich es nochmal lesen, aber darüber gibt es ja in anderen blogs schon genaueres. Nochmal Dank an Pickboo, auf dessen Tipp ich es mir zugelegt habe. Wenn es doch bloß einen anderen Titel hätte…

Jordanus schrieb in einem Kommentar dazu:

„Wenn Leute nicht mehr soviel auf das Kreuz schauen wollen, ist das für mich schon ein bißchen verdächtig. Ich glaube wirklich, dass dieser Versöhnungsakt das eigentlich Wichtige ist und das der Rest sich daraus ergibt. Der Weg ins Reich Gottes führt über das Kreuz.“

Ich bezweifelte in meiner Antwort darauf, das die Em. Ch. „nicht mehr so auf das Kreuz schaut“, aber vielleicht ist da doch etwas Wahres dran. In einem seiner „Letters to Emerging Christians“ schreibt Scot McLaren auf die Frage, was die einzelnen christlichen Gruppen jeweils am meisten fürchten:

„Evangelicals, on the other hand, are most fearful of change to the core of what is perceived as central to their faith. By nature, Evangelicals are Conservatives — some with an upper-case “C” and some not (that’s a big difference but I’ll not go there now) — and they are Traditionalists. Which means they think their ancestors got things Right and there is no need to change.“

Wenn ich mir den „Evangelikalen“-Schuh mal anziehe (nach 20 Jahren Baptisten und Methodisten auch wohl nicht ganz unberechtigt), dann kenne ich die Angst, innerhalb des Glaubens „vom rechten Weg“ abzukommen, ganz gut. Es wurde in meiner Umgebung immer auf Jesus‘ Tod an Kreuz fokussiert, und die mehrfache Erwähnung dieses Aktes galt dann auch immer als Hinweis auf eine „korrekte Gesinnung“.

Nach McLarens Buch frage ich mich, in wie weit ich mich selber mal etwas locker machen und die Brennweite verkleinern darf, um zu sehen, was Jesus eigentlich sonst noch wollte. Ich habe das Gefühl dass der Gedanke, das Reich Gottes sei bereits hier und kann aktiv mitgestaltet werden, den Reichtum der Guten Nachricht nochmal erweitert und auch endlich Schluss macht mit der pietistischen Jenseitsgewandtheit, die ich schon lange als „eher unwichtig“ empfinde. Ausserdem legt es den Schwerpunkt auf das Handeln in der Welt und nicht nur an ihr, und das ist genau das, was m.E. viel zu kurz kommt (vor allem auch bei mir). Und wenn, findet es fast nur im jeweiligen gemeindlichen Kontext statt, als ob Gott irgendwo unterschrieben hätte, seine Tätigkeiten auschliesslich auf Kirchen zu fixieren.

Diese neue, weitere und auch voraussetzungslosere Sichtweise auf Jesus empfinde ich als sehr befreiend – Gottes Liebe ist schliesslich nicht davon abhängig, dass ich mindestens einmal täglich an den Tod am Kreuz denke. In gewisser Weise waren mir die Katholiken da weit voraus, schliesslich sind sie immer bereit gewesen, Sonderlehren und traditionsgebundene Gotteserfahrungen zu akzeptieren. Allerdings ist diese Freiheit bei ihnen zum allergrößten Teil rückwärtsgewand, wohingegen ich glaube, das es bei mir (und der Em. Ch.) eher auf aktuelle und kommende Kontextbezüge ankommen wird.

Aber trotz allem: Damit gucke ich nicht „weg vom Kreuz“. Jesu‘ Tod und Auferstehung ist immer noch die zentrale Aussage des Evangeliums – aber drum herum gibt es auch einen wunderschönen Garten, den es zu entdecken gilt.



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