Erdnusbutter

Nein, dieses Video scheint keine Parodie auf Kreationisten zu sein.


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Zehn

Die Liebste hat mit Gott ja leider nichts am Hut. Neulich sind wir irgendwie auf den „Zehnten“ gekommen und ich erzählte ihr, das dies ein biblisches Prinzip sein, was sie überhaupt nicht verstand. Auch, nachdem ich ihr erklärt hatte, das sich gerade Freikirchen dadurch selbst finanzieren und so unabhängig sind meinte sie, wie man so etwas nur machen könne, vor allem bei Leuten, denen es finanziell nicht gerade gut geht.

Ich zog es dann vor, ihr nicht zu erzählen, das ich das seit Anfang des Jahres auch praktiziere, zumal es mir momentan richtig scheisse geht, was das Geld betrifft. Ich hatte ja durchaus gehofft, das Gott sich darum irgendwie kümmert und ich hoffe das immer noch, aber derzeit sieht es nicht gut aus.

Immerhin werde ich nach 2 weiteren Raten die BaföG-Rückzahlung hinter mir haben, und auch die Tour, die ich gebucht hatte, bringt etwas Geld. Allerdings sind der Band die Einnahmen von vier Shows geklaut worden, was mich eigentlich dazu veranlassen würde, mein Honorar zu verringern – wenn ich es mir nur leisten könnte… Dieser Geld-Quatsch nervt mich manchmal wirklich maßlos.


Segnungen

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Gottesdienst eine junge Frau namens Franziska kennengelernt, die mir von ihrer Lebensgeschichte im „Berliner Prekariat“ erzählte. Sie hatte nie etwas anderes erlebt, als von Sozialhilfe abhängig zu sein; ihre Mutter war alleinerziehend und als Ungelernte ohne Schulabschluss hat sie nie einen richtig Job bekommen. Allerdings wollte sie immer, das ihre es Tochter es besser hat und so hat diese die Hauptschule zuende gemacht und sich danach mit McJobs durchgeschlagen. Auf einer Abendschule hat sie dann die mittlere Reife nachgeholt und eine Ausbildung als Fachverkäuferin gemacht. Nun hat sie endlich eine richtige Stelle und will auch das Abitur in einer Abendschule nachholen. Dabei sei sie keine Christin, meinte sie; Interesse habe sie schon, aber sie käme hauptsächlich, weil sie so andere Menschen kennenlernen würde und etwas unternehmen wolle.

Mir nötig das einen ungeheuren Respekt ab und ich bin fast etwas neidisch, wenn Leute mit so einem unglaublichen drive kennenlerne, die alles tun, um die Ziele zu erreichen, die sie sich gesteckt haben. Mir fiel ja eigentlich immer alles mehr oder weniger in den Schoß; ich bewege mich finanziell und karrieretechnisch zwar knapp über der Grasnarbe, aber richtig kämpfen habe ich nie müssen.

Was ich bei Franziska noch bemerkenswert fand, ist die Tatsache, das sie das alles durchstehen muss, weil sie einfach nie richtig gefördert wurde. Ich glaube ja, dass man Intelligenz oft schon an den Augen erkennen kann, und ich war mir schon beim ersten Blick sicher, dass sie ohne weiteres das Abitur und noch vieles andere geschafft hätte, wenn man sie denn gelassen hätte.

Mich erinnert das an etwas, das ich vor einiger Zeit über das Wesen des Segens Gottes herausgefunden zu haben glaube. Als ich mich damals bekehrte, was ich in der achten Klasse der Realschule und „auf Krawall gebürstet“, wie man so schön sagt. Ich habe nicht ein Fach mit Interesse verfolgt und wenn das so weiter gegangen wäre, dann hätte ich wohl auch die mittlere Reife abschreiben können.

Nach meiner Bekehrung veränderte ich mich völlig. Schon bald wurde Deutsch mein Lieblingsfach und generell veränderte sich meine gesamte Perspektive. Am Ende der Realschule konnte ich mir vorstellen, auf’s Gymnasium zu gehen (was ich schliesslich auch gemacht habe) und bin in der 10. Klasse sogar zum Schulsprecher gewählt worden – drei Jahre zuvor wäre das alles komplett unvorstellbar gewesen.

Ich glaube, das Gott mich nach meiner Bekehrung gesegnet hat, in dem er mir selber meine Anlagen und Fähigkeiten zeigte und mir half, das Beste aus mir rauszuholen. Ich glaube, das dies eine der wirkungsweisen seines Segens ist, vielleicht vor allem in Zeiten, in denen man selber nicht unbedingt die Kraft oder die Einsicht hat, um selber tätig zu werden.

Ich hoffe (und mir scheint es so), dass Gott auch Franziska in dieser Weise segnet und sie all das nachholen kann, was sie versäumen musste, weil die Umstände es nicht zuliessen. Und das macht mir gerade ziemlich gute Laune…


Das alte Testament muss verboten werden!

Nach einer Studie, die die Wirkung von Gewaltdarstellungen in der Bibel untersuchte, können nicht nur Filme oder Computerspiele aggressiver machen, sondern auch durch Gott sanktionierte Gewalt in Texten

Das ist jetzt aber nicht so irre originell, oder? Gabs da in den 70gern nicht eine Schwemme von Untersuchungen über die Folgen von Macht, die sowas irgendwie auch aussagten? Erstaunlich, das ich nach jahrelanger Indoktrination durch die Sonntagschule doch nie mit einem Sturmgewehr in Schule bin, weil Gott mir gesagt hatte. Erinnert mich übrigens gerade an meinen Lieblings-Bild-Titel „Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!“ von Polke.

Schlimm.
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Ein Wort der Warnung

Ich weiss nicht, wer Rudolf Ebertshäuser ist, aber ein kurzer Google-search lässt tief blicken – Vom Marxisten zum Charismatiker zum Ultra-Konservativen. Auf dieser website gibt es eine recht unterhaltsame und um so ausführlichere Warnung vor den Irrlehren der Emerging Church. Und eine schöne Exemplifizierung der im letzten posting erwähnten Angst der Evangelikalen, das jemand das in Frage stellen könnte, was sie für den Kern ihres Glaubens halten. Bei Ebertshäuser nimmt das schon teils groteske Züge an, aber die Mechanismen sind ja immer die gleichen.

Dazu kommt hier noch die Gleichsetzung von Em. Ch. mit den Ansichten von Erwin McManus, dessen Buch „Eine unaufhaltsame Kraft“ er hier kritisiert, eine komplette Unkenntnis, was PoMo und Dekonstruktion ist, und eine zweifelhafte eigene Bibelkennis (z.B. „geistliche Kriegsführung“ ist komplett unbiblisch? Eph.6?).

Sehr deutlich in seiner Tirade wird die unverholene Arroganz, mit der er glaubt, die Deutungshoheit über den Glauben zu besitzen und über andere Meinungen richten zu dürfen. Das „Problem“ ist bei McManus Buch (das ich nicht gelesen habe, aber oft zitiert wird) natürlich, das es anscheinend recht provokativ geschrieben ist, aber Ebertshäuser leider nicht zum nachdenken anregt, sondern ihn in jede Falle tapsen lässt, die McManuns (nicht) aufgestellt hat. Jedes Zitat wird mit Behauptungen und Versen widerlegt, als stünde der Gehörnte höchstpersönlich dahinter (was er für Ebertshäuser allerdings auch tut).

Wahnsinn. Und die Bibel hat mal wieder recht: Das Wort tötet.


Jesus died, not for our sins. Jesus died for God’s sins.

Richard Beck, wohl der originellste christliche Denker, fragt sich, was ein Advocatus Diaboli gegen Gott vorbringen würde, und endet bei einer Interpretation von Jesus Tod aus menschlicher Sicht, die ich für faszinierend halte: Jesus starb für Gottes Sünden.


Out of focus

Eine Magen-Darum Grippe und der Besuch des Bonnie Prince Billy-Konzertes verhinderten es letztendlich, das ich meine kirchlichen Feldstudien am Wochenende fortsetzen konnte. Dafür habe ich das Brian McLaren-Buch ausgelesen, das mich ziemlich begeistert hat. Um da was genaueres drüber zu schreiben, müsste ich es nochmal lesen, aber darüber gibt es ja in anderen blogs schon genaueres. Nochmal Dank an Pickboo, auf dessen Tipp ich es mir zugelegt habe. Wenn es doch bloß einen anderen Titel hätte…

Jordanus schrieb in einem Kommentar dazu:

„Wenn Leute nicht mehr soviel auf das Kreuz schauen wollen, ist das für mich schon ein bißchen verdächtig. Ich glaube wirklich, dass dieser Versöhnungsakt das eigentlich Wichtige ist und das der Rest sich daraus ergibt. Der Weg ins Reich Gottes führt über das Kreuz.“

Ich bezweifelte in meiner Antwort darauf, das die Em. Ch. „nicht mehr so auf das Kreuz schaut“, aber vielleicht ist da doch etwas Wahres dran. In einem seiner „Letters to Emerging Christians“ schreibt Scot McLaren auf die Frage, was die einzelnen christlichen Gruppen jeweils am meisten fürchten:

„Evangelicals, on the other hand, are most fearful of change to the core of what is perceived as central to their faith. By nature, Evangelicals are Conservatives — some with an upper-case “C” and some not (that’s a big difference but I’ll not go there now) — and they are Traditionalists. Which means they think their ancestors got things Right and there is no need to change.“

Wenn ich mir den „Evangelikalen“-Schuh mal anziehe (nach 20 Jahren Baptisten und Methodisten auch wohl nicht ganz unberechtigt), dann kenne ich die Angst, innerhalb des Glaubens „vom rechten Weg“ abzukommen, ganz gut. Es wurde in meiner Umgebung immer auf Jesus‘ Tod an Kreuz fokussiert, und die mehrfache Erwähnung dieses Aktes galt dann auch immer als Hinweis auf eine „korrekte Gesinnung“.

Nach McLarens Buch frage ich mich, in wie weit ich mich selber mal etwas locker machen und die Brennweite verkleinern darf, um zu sehen, was Jesus eigentlich sonst noch wollte. Ich habe das Gefühl dass der Gedanke, das Reich Gottes sei bereits hier und kann aktiv mitgestaltet werden, den Reichtum der Guten Nachricht nochmal erweitert und auch endlich Schluss macht mit der pietistischen Jenseitsgewandtheit, die ich schon lange als „eher unwichtig“ empfinde. Ausserdem legt es den Schwerpunkt auf das Handeln in der Welt und nicht nur an ihr, und das ist genau das, was m.E. viel zu kurz kommt (vor allem auch bei mir). Und wenn, findet es fast nur im jeweiligen gemeindlichen Kontext statt, als ob Gott irgendwo unterschrieben hätte, seine Tätigkeiten auschliesslich auf Kirchen zu fixieren.

Diese neue, weitere und auch voraussetzungslosere Sichtweise auf Jesus empfinde ich als sehr befreiend – Gottes Liebe ist schliesslich nicht davon abhängig, dass ich mindestens einmal täglich an den Tod am Kreuz denke. In gewisser Weise waren mir die Katholiken da weit voraus, schliesslich sind sie immer bereit gewesen, Sonderlehren und traditionsgebundene Gotteserfahrungen zu akzeptieren. Allerdings ist diese Freiheit bei ihnen zum allergrößten Teil rückwärtsgewand, wohingegen ich glaube, das es bei mir (und der Em. Ch.) eher auf aktuelle und kommende Kontextbezüge ankommen wird.

Aber trotz allem: Damit gucke ich nicht „weg vom Kreuz“. Jesu‘ Tod und Auferstehung ist immer noch die zentrale Aussage des Evangeliums – aber drum herum gibt es auch einen wunderschönen Garten, den es zu entdecken gilt.