Wie ich mir Kirche vorstelle.

Als ich gestern abend im Restaurant saß und auf die Liebste wartete (wir hatten unser 3-jähriges) habe ich mal angefangen, in Stichwörtern zu sammeln, was mir an einer (neuen) Gemeinde wichtig wäre.

Begonnen hat die Suche für mich eigentlich mit der Frage, wo ich eigentlich meine Rolle in meiner Methodisten-Gemeinde sehe. Zu Anfang (so ab 1999) war ich in vielen Gruppen aktiv, ich habe mal eine Jugendgruppe und einen vorgottesdienstlichen Gebetskreis geleitet, im Chor mitgesungen und war für die Audiotechnik verantwortlich. Im Laufe der Zeit ist das immer weniger geworden, und mittlerweile gehe ich kaum noch zum Gottesdienst selber. Trotzdem empfinde ich eine grosse Sehnsucht nach Gemeinschaft, also ist für mich die Frage: Wo passe ich ich da rein?

Damit einher geht ein Gefühl, das mein bisheriger, rein intellektueller Zugang zum Glauben eventuell nicht alles sein könnte. Warum erlebe ich so wenig mit Gott, wo ich doch jeden Tag bete und mir Zeit für ihn nehme? Warum lese ich täglich in Blogs, wie Leute eine Bindung zu Jesus haben, die mir in dieser Enge völlig unbekannt ist? Wie schaffe ich es, Gott „ganzheitlich“ zu erfahren und auch anzubeten?

Nach einiger Zeit des Fragens und Suchens wurde mir langsam klar, dass ich mich eigentlich nirgendwo als Mitarbeiter sehen kann, das der Glauben in dieser Gemeinde schlicht intellektuell gelebt wird und das ich die Fragen vielleicht grundsätzlicher stellen muss.

Was muss also passieren oder was muss ich tun, damit sich der Gottesdienst und die Gemeinschaft mit Christen – und damit der Glauben selber – besser in mein Leben integrieren lässt? Ausgehend davon: Wenn Jesus nicht nur Teil, sondern Fundament meines täglichen Lebens in allen seinen Aspekten sein soll – warum z.B. hat denn der Gottesdienst genau damit überhaupt nichts zu tun? Warum gehe ich in eine Kirche, die Leute vor 100 Jahren eingerichtet haben? Warum singe ich Lieder, die durchschnittlich 300 Jahre als sind? Warum beteiligt sich die Gemeinde fast nie am Gottesdienst selber? Und wenn, dann nur in vereinzelten Nebenrollen? Und weiter: Liest man mal bei Paulus nach, was damals so zum Gottesdienst gehörte – Prophezeihungen, Zungenrede u.s.w.: Warum gibt es das alles nicht mehr?

Und diese Überlegungen erklären mir auch, warum mir diese ganze Kirchengeschichte meinen Freunden gegenüber immer ein wenig peinlich ist. Ich bin damit aufgewachsen und sehe darin durchaus Sinn und Zweck – doch wie solle ich das jemandem vermitteln, dem ich von Gottes Relevanz im Alltag erzähle? Wäre das alles neu für mich, hätte man mich unter Gewaltandrohung nicht zu so einer Veranstaltung bekommen, schlicht weil Anspuch und Ausübung in krassem Gegensatz zueinander stehen. Einen lebendigen Glauben zu leben und für die Ausübung uralten Moden zu folgen – Was soll das?

Und letztendlich muss man sich dann auch ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, wie man denn heutzutage noch absolute Glaubenvorstellungen hegen kann. Und das man sich daran stossen kann, wer wüsste das besser als ich nach 10 Semestern Germanistik? In meiner jetzigen Gemeinde wird das zwar auch so gesehen, aber mir ist dieser Punkt sehr wichtig, auch, weil sich diese Ansicht noch lange nicht durchgesetzt hat: Glauben ist ein Prozeß. Zu meinen, man läge per se richtig öffnet allem, was ich an Christen nicht mag, Tür und Tor: Selbstgerechtigkeit, Hartherzigkeit, Arroganz und Lieblosigkeit. Ich glaube, das der Weg mit Gott ein Weg bleibt, das er nur lebendig in einem persönlichen Dialog mit dem Gott selber bleiben kann, und das es erstmal keine Wahrheit gibt ausser der, das Jesus Christus Gottes Sohn ist und für mich starb. Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst lautet das Gesetz, und Jesus selber hat uns das Beispiel gegeben, wie man leben soll.

Natürlich eröffnet das ein enormes Problemfeld, und ich bin der letzte, der der kirchlichen Tradition die Relevanz abspricht. Es lässt sich von allem lernen, aber es ist auch möglich, dass nicht alles für alle ist. In dem Moment, in dem meine Auslegung zum Dogma erstarrt, tappen ich in die älteste Falle der Welt – Ich presse Gott in ein Schema und bin nicht mehr offen für ihn.

Das alles erhält natürlich seine Bedeutung auch in dem Maße, in dem es diese Prinzipien und Ideen für die Multiplikation nutzt. Da „Mission“ heutzutage ja nicht mehr in die Lebenswelt der meisten Menschen passt, und auch Jesus selber gehandelt und nicht nur geredet hat, muss man sich überlegen, in wie weit man von dem Prinzip „kirchliche Angebote“ Abschied nehmen und sich vielmehr anderen Sachen, auch nichtkirchlichen, anschliessen sollte. Natürlich ist es angenehmer, wenn man bestimmen kann, wo es lang geht, aber die Leute scheinen nicht mehr von alleine zu kommen. Vielleicht sollte man dann einfach hingehen und sehen, wo man einen Unterschied machen kann.

Zusammenfassend sollte eine Gemeinde, wie ICH persönlich sie mir für MICH wünsche, folgendes haben/beherzigen:

-Gottesdienst am Nachmittag/Abend, da ich Samstag Nacht oft unterwegs bin und ich mich mit meinen Freunden auch nicht morgens treffe.

– Eine wichtige Basis ist Freundschaft und persönliche Beziehungen untereinander, was z.T auch ein ähnliches Lebensumfeld bedingt

– Offen sein für Formen der Gottesdienstbeteiligung und kein Frontalunterricht

– Wenig kirchlichen Strukturen

– Die Freiheit, meinen persönlichen Glauben auszudrücken, wie ich es für angemessen halte

– Musik aus dem aktuellen Jahrtausend

– Glauben sollte als Prozeßhaft begriffen werden.

– Der Gemeinschaftsraum sollte gemütlich sein

– Die Gottesdienste sollten von der Atmosphäre her eher einem Treffen mit Freunden gleichen

– Mitarbeit in der einen oder anderen Form sollte für jeden Selbstverständlich sein, eben da man selber die Kirche ist

Das ist zwar alles etwas ungeordnet und noch lange nicht zuende gedacht, markiert aber die Richtung, in die sich mein Denken und Fühlen bewegt.



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