Say it like you would mean it.

Fono hat sich gestern gefragt, in wie weit eine Entlassung der letzten RAF-Terroristen mit Bedingungen verknüpft sein sollte. Überhaupt scheint das bei fast allen Kommentaren zu diesem Thema ein Rolle zu spielen: Man verlangt – wenn schon keine Entschuldigung, dann zumindest „Reue“ oder eine „Distanzierung“.

Im gestrigen Spreeblick-Podcast stellte Tanja dazu die Frage, ob sich denn Verbrecher wie Ackermann oder Hartz für ihre Taten „entschuldigen“ oder zumindest „distanzieren“ würden. Johnny meinte dazu, dass das ja genau der Punkt sei: Die würden sich ständig entschuldigen und distanzieren, denn dies diene im Prinzip als „Abrakadabra“ für die Weiterbeschäftigung; die Entschuldigungen seien also reine Lippenbekenntnisse ohne jeden Wert.

Und ich muss ihm da recht geben. Seit langem schon frage ich mich angesichts der ewigen Politikerlügen, den Talkshowgästen, die bezahlt werden, um absonderliche Meinungen zu vertreten, dem ständigen Sturm von Bullshit, dem man ausgesetzt ist, wie man eigentlich noch von soetwas wie „Wahrhaftigheit“ in der medialen Übersetzung ausgehen kann. „Talk is cheap“, sagt der Amerikaner dazu und meint genau das: Warum sollte das, was ich denke, kongruent sein mit dem, was ich sage? Helmut Kohl hat das Prinzip ja auch erfolgreich verfolgt: Ab einer bestimmten Fallhöhe kann man meistens davon ausgehen, dass man nur lange genug warten muss, bis sich keiner mehr recht daran erinnert. Um dann um so schlimmer weiterzumachen.

Peter Hartz ist das jüngste Beispiel und zeigt, dass sich sogar die Justiz daran beteiligt. Er hatte sich noch nicht mal entschuldigen müssen, bei ihm wie bei Josef Ackermann reicht Geld, um sich als erwiesene Verbrecher von der Strafe freikaufen zu können. Und von Ex-RAF-Leuten verlangt man „Reue“. Das jemand wie Jenninger, der alleine aufgrund von missglückten Betonungen bei einer öffentlichen Rede den Hut nimmt und auch nicht wieder kandidiert, scheint heutzutage so dumm wie unbegreiflich.

Auch die nun Mögliche „Überwachung“ von Prominenten mittlers Handy-Kameras hat bis auf Kramer und diesem Abgeordneten aud den USA bislang keine Opfer gebracht, denn so dumm, etwaige unpopuläre Meinungen tatsächlich zu äussern, dürften nur die wenigsten sein. Dafür schlagen die Politiker ja auch jetzt mit massiven Einschränkungen der Staatsbürgerrechte zurück und begründen dies auch wieder mit Bullshit, den sie sich für ihre Zwecke zurechtgelegt haben.

Für mich stellt sich die „öffentliche Äusserung“ mittlerweile nahezu immer als komplett inszeniertes und zweckgebundenes „bla“ dar, egal, ob bei der Travestie einer politischen Talkshow namens „Christiansen“ oder sonstwo im öffentlichen Raum. Es geht immer darum, etwas zu verkaufen, und wenn es nur die eigene Meinung ist.

Bedauerlicherweise gibt es das auch bei Kirchen. Vor einiger Zeit habe ich bei riverofgod eine Seite über sog, „soaking“ gefunden, das wohl eine Art Marketing-Idee der Toronto Airport Christian Fellowship zu sein scheint. In Volume 11 – Issue 5 „Soaking in God’s Glory“ ihrer online-Zeitung wird behauptet, das Soaking das neue Ding ist, wie toll es ist, das jeder Christ es machen muss u.s.w. Gegen Ende wird dann undezent darauf hingewiesen, dass man diese Gabe Gottest ja zum Preis von 300 Dollar bei Seminaren lernen kann, und natürlich kann man für weites Geld auchnoch anderen „Soaking“-Krempel kaufen. Sehr geschäftstüchtig, Leuten für etwas viel Geld abzuknöpfen, über das man vorher behauptet hat, es sein ein Geschenk von Gott.

Analog zu Richard Beck’s Wunsch nach eine „Bullshit-freien Kirche“ würde ich mir zumindest Wünschen, das Christen in diesem Bereich eine grosse Sensibilität an den Tag legen und von vornherein klar machen würden, das es beim Christentum nicht um irgendeine austauschbare Weltanschauung geht, sondern um Jesus, und das hier nichts vertickt werden soll. Der Zugang zum Glauben muss so billig und niederschwellig sein wie nur irgendwie möglich.

Keith Green hat seine Alben verschenkt. Was die Berliner Gemeinde auf dem Weg sich dabei denkt, für eine MP3-Predigt 2 Euro zu verlangen, verstehen wohl nur sie allein.



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