Emotionale Feldstudien

Trotz oder gerade wegen meiner eher intellektuellen Einstellung dem Glauben und seiner Ausübung gegenüber habe ich seit einiger Zeit das Gefühl, das mir da eine Dimension im persönlichen Erleben mit Gott fehlt. Ich wünsche mir schon lange eine engere Beziehung zu ihm, und nicht zuletzt die vielen charismatischen blogs, die ich so lese, haben bei mir die Ahnung verstärkt, dass es bei mir wohl einige Defizite gibt. Es gibt sicherlich viele Wege, Gott tagtäglich zu erfahren, ich wünsche mir für mich mittlerweile jedoch eine viel stärkere emotionale Beteiligung, als das bisher der Fall war. Bei ihm las ich vor einiger Zeit, das er den Eindruck habe, Gott würde ihn nachts wecken, um für Menschen zu beten, und ich weiss nicht, ob ich nicht eher über den wenigen Schlaf froh sein soll, den ich nachts überhaupt noch bekomme, aber trotz aller Überbetonung charismatischer Gaben, die ich bei ihm konstatiere, bin ich doch etwas neidisch auf die enge Beziehung, die er zu Jesus zu haben scheint.

Ich befürchte, dass mir meine bisherige Gemeinde, so gerne ich sie auch mag, dabei nicht unbedingt wird helfen können. Ein kurzer Blick zu Paulus und seiner Gottesdienstordnung und mir scheint unsere Art, diesen zu feiern, als sehr limitiert. Das hat sicherlich seine Berechtigung, aber ich habe das sehr lange – eigentlich mein ganzen Leben als Christ – mitgemacht und irgendwie scheint es mir zur Zeit, das ich ein gewisses Gegengewicht zur Verkopftheit brauche, um mich weiterentwickeln zu können. Ich weiss nicht, ob sich sich der Eindruck verstärken wird; vielleicht wird das auch nicht von Dauer sein, aber ein Versuch scheint mir das allemal wert.

Neulich habe ich bei dem da einen kurzen Bericht über einen Besuch bei der ICF-Gemeinde in Berlin geslesen, der wohl ganz gut gewesen sein soll. Also bin ich da diesen Sonntag auch hin, um mir mal im Rahmen einer „Feldstudie“ anzusehen, was es noch so geben könnte.

Bereits vor der Hofeinfahrt stand jemand, der mich zum Gottesdienst eingeladen hat, was ich schonmal ganz prima fand. Also durch den Hof und ins Gebäude, das ebenerdig war und wohl ürsprünglich als Büro konzipiert wurde. Dort sprach mich gleich der Gemeindeleiter an und erzählte kurz etwas über die Gemeinde. Eigentlich fangen die Sonntage dort um 10:30 Uhr mit einem Frühstück an; es war bereits kurz vor 11 und deshalb liess ich es ausfallen. Ich erzählte ihm, das ich aufgrund eines Blogeintrags hier war und er stellte mich dann auch gleich dem Verfasser vor, der sich als äusserst sympathischer junger Mann namens Ludwig enpuppte, der nur für ein paar Wochen in Berlin war, und der von einer Freundin mitgenommen wurde.

Einer der ersten Eindrücke war dann auch: Man, sind die alle jung. Ich schätze den Altersdurchschnitt auf einige Jahre unter 30. Zu Beginn des Gottesdienstes spielte eine Band mit einer richtig guten Sängerin, die Texte wurden auf eine Leinwand projeziert, so dass man mitsingen konnte. Die Songs hatten zu meiner Überraschung nichts mehr mit dem gemein, was es „damals“ (Opa erzählt vom Krieg) so gab; im Gegenteil – sie wurden offensichtlich von Leuten geschrieben, die etwas von klassischem Songwriting verstanden.

Danach kam,begrüsst von einer jungen Frau, die den Gottesdienst moderierte, der Prediger, der die 30 wohl auch erst am Horizont erkennen kann. Obwohl er einige gute Gedanken hatte, fand ich die Predigt nicht sonderlich gut. Sie war klar missionarisch geprägt, aber den Zusammenhang von „Sünde“ und was Jesus damit zu tun hat, fand ich nicht gut herausgearbeitet.

Danach spielte die Band noch und das war’s. Hm

Einerseits fand ich die Atmosphäre sehr angenehm und ungezwungen. Mit einem Kaffe in der Hand einer Predigt zuzuhören halte ich für eine gute Sache. Trotzdem fehlte mir doch etwas; irgendwie hätte es mich gefreut, wenn die Leute mehr beteiligt gewesen wären. Ein bißchen „charismatischer“ hätte es auch zugehen können (das ich sowas mal schreibe, hätte ich nie für möglich gehalten), aber ich habe einige gute Denkanstöße bekommen, wie z.B.: Was erwarte ich eigentlich von einem Gottesdienst OHNE die „methodistische Schere“ im Kopf? Wie könnte ich da mitarbeiten (sie hatten übrigens keinen Schlagzeuger… 🙂

Vielleicht gehe ich im Januar nochmal hin. Nach dem Gottestdienst hatte ich mich noch etwas mit Ludwig unterhalten und er erzählte mir von der „Gemeinde auf dem Weg“, die mir wohl zu gross sein wird, und eine „Hillsong“-Gemeinschaft, die mir sicherlich zu klein ist… Wir werden sehen



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