Holywood

Im neuen Kulturspiegel, dem Supplement für SPIEGEL-Abonnenten, steht ein interessanter und für SPIEGEL-Verhältnisse relativ unfeindseliger Artikel über die Entdeckung des kommerziellen Potentials von Christen durch Hollywood. Auf Jesus.de gab es dazu einen Beitrag, der noch nicht mal journalistischen Grundkriterien entspricht. Hier mein Kommentar dazu:

Es geht – wenn überhaupt – in dem kritisierten Artikel nur am Rande über den „gewachsenen Einfluss von Christen in Hollywood“, sondern darum, das Christen als neue Zielgruppe entdeckt wurden, welche sich auch noch herorragend für Promotionzwecke instrumentalisieren lassen.

Die Verständnisschwierigkeiten beginnen wohl schon am Anfang. Denn nicht der Film „The Nativity Story“ wird von der Spiegel-Aurorin als der „erste Horrorfilm des Christentums“ bezeichnet, sondern die eigentliche Geburtsgeschichte Jesu. Die patzige Frage „Ob Christen es ihrer Meinung nach nicht erlaubt werden sollte“ stellt sich im Spiegel-Artikel überhaupt nicht, und warum sie „Die Weihnachtsgeschichte in „The Nativity Story“ mit einem Horror-Film vergleicht“, führt sie sogar aus: Weil es sich anhört wie ein „toller Leinwandstoff“ mit übernatürlichen Ingredenzien.

Offenbar liegt der der Kritik des Jesus.de-Beitrags der naive Glaube zugrunde, das die christlichen Filme tatsächlich auch von Christen gemacht werden. Das wird in dem Kulturspiegel-Beitrag nicht behauptet (eher im Gegenteil) und würde auch kaum den Tatsachen entsprechen. Gegen Ende wird lediglich eine Ausbildungsprogramm für christliche Drehbuchautoren erwähnt.

Das eigentlich dargestellte Problem ist zum einen, dass Christen offenbar einen Hang dazu haben, hauptsächlich Kultur zu konsumieren, die ihren eigenen Wertvorstellungen entspricht. Dieser Tatsache haben sich bereits vor längerem Buchverlage und Musik-Labels angenommen, jetzt hat Hollywood dieses Phänomen ebenfalls entdeckt und versucht, damit Kasse zu machen. Zum anderen bietet sich dort in dem ansonsten so zersplitterten Zielgruppenmarkt ein direkter Zugang, da der Markt rel. homogen ist und sich leicht für Werbezwecke vereinnahmen lässt.

Auch das -mir völlig unnachvollziehbare- Verlangen christlicher Lobbyisten, auf die inhaltliche Ausgestaltung von Filmen Einfluss zu nehmen, kommt zur Sprache. Dies führt zur erwähnten Selbstzensur, damit damit die Christen auch trotzdem ins Kino gehen, denn man will auf das Geld schliesslich nicht verzichten.

Die Spiegel-Autorin nennt zwei Ursachen für das Einsickern christlicher Vorstellungen in die Unterhaltungsindustie (und greift da sicherlich zu kurz) – natürlich first and foremost kapitalistische Interessen, und eben die erwähnte Frömmigkeit von GWB.

Natürlich „zwingt“ Bush den Leuten nicht seinen Glauben auf, sondern er tut etwas viel subtileres und in einer pluralistischen Gesellschaft verachtenswerteres: Mit den ständigen Verweisen auf Gott und versucht er, seiner Politik eine biblische Rechtfertigung zu zimmern und instrumentalisiert so den Glauben als Rechtfertigung seiner Politik. Selbst wenn er nach biblischen Massstäben regieren würde, wäre dies zutiefst Verabscheungswürdig.

Vielleicht wäre es mal an der Zeit, sich auch mit Spiegel-Artikeln kritisch auseinander zu setzen und nicht in den gewohnten Beißreflex zu verfallen. Denn so anti-christlich, wie dieses Magazin auch eingestellt ist: Es gibt Dinge, mit denen könnten sie ja auch mal recht haben.



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