Der Charismatiker und ich

Ich habs wohl einfach nicht mit Charismatikern.
Damals (Mitte der 80gerbis Anfang 90ger), in der rheinischen Kreisstadt, in der ich aufgewachen bin, gab es davon so einige. Mit denen zusammen hat die baptistische Jugendgruppe meiner Gemeinde für einige Jahre einen CVJM-Saal in Bahnhofsnähe für missionarische Gottesdienste genutzt, daher hatte ich häufiger Kontakt mit ihnen. Verstanden habe ich sie selten.

Am meisten wird mich wohl ihre Fixiertheit auf ihre Geistesgaben genervt haben, und als Nicht-Geistesgaben-Beschenkter fühlte ich mich damals immer etwas wie ein Christ 2.Klasse. Noch deprimierter wurde ich, als mir 2 Freunde auf Nachfrage sagten, sie könnten auch in Zugen beten. Ich habe mich für sie gefreut, aber man macht sich so seine Gedanken. Immerhin hatte ich mal eine Art inneres Bild beim Beten, das sich auf die erwähnten Gottesdienste bezog, aber das wars dann auch schon.

Richtig diskutieren ging mit meinen gefühlsbetonten Freunden auch nicht, was vielleicht daran lag, das sie aufgrund ihrer Einstellung für intellektuelle Diskussionen eh nichts übrig hatten. Dabei fand ich ihre Art, den Glauben zu leben, eigentlich immer interessant, und ich hätte auch gerne ein Verständnis dafür entwickelt, aber zumindest damals schien mir der Graben zwischen Charismatikern und, äh, Nicht-Charismatikern tiefer als der zwischen Katholiken und Protestanten.

Dabei befürchte ich, das mir einiges entgeht. Ich mir zwar nur sehr schlecht vorstellen, in einem Gottesdienst mit den Händen zu wedeln, unkontrolliert zu zucken und zu lachen, aber ich möchte offen sein für das, was Gott mit mir vorhat. Und ich glaube, ich brauche langsam mal wieder einen richtigen Fortschritt. Die Dinge, die ich tue und die sich richtig anfühlen erscheinen mir als so extrem kleine Schritte, und das geht seit Jahren nicht anders. Vielleicht habe ich ja auch wirklich „innere Blockaden„, aber es stellt sich die Frage, wo die Verbindungen von eigener Persönlichkeit und „Glaubensstil“ liegen.

Darauf gekommen bin ich über eine für mich leider ziemlich typische Diskussion mit jemandem, der den eigenen „Frömmigkeitsstil“ für „allein selig machend“ hält. In gewisser Weise kann ich das sogar nachvollziehen. Trotzdem: Man muss diese entgegengesetzt scheinenden Pole doch verbinden können.

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Seit ich dieses blog schreibe, suche ich gezielt nach christlichen blogs. Derer scheint es nicht eben viele zu geben, und sie werden anscheinend fast alle von Charismatikern geschrieben. Auch sehr viele „Jesus Freaks“ scheinen darunter zu sein; eine Bewegung, die mir schon von ihrem Sprachgebrauch her in etwa so fremd wie ist wie die Tiefsee. Seltsam, eigentlich. Haben die anderen Christen nichts zu sagen?



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