Eine Massage oder so.

Ted Haggard, konservativer evangelikaler Christ, hat Scheisse gebaut. Aber so richtig. Homosexualiät als Sünde predigen und einen Callboy pimpern, das dürfte selbst der liberalste Christ nicht als gelungenen Lebensstil durchwinken.

Meine erste Reaktion ist natürlich: What a fucking scumbag. Haggard vertritt ungefähr so ziemlich alles, was ich an Christen nicht schätze: Er ist rechts, ein Freund von George Bush, und maßt sich eine Deutungshoheit an, die m.E. auch einem Gemeindeleiter nur in sehr begrenzetem Umfang zusteht. Ich habe solche Christen darüberhinaus immer im Verdacht, aus anderen Motiven zu handeln, als aus der Frage, was Gott will. Mir ist da zuviel Macht und Geld im Spiel, und ich kenne zuviel Beispiele, wo eine Verbindung dieser beiden Aspekte wenig erbauliches angerichtet hat.

Aber: Was, wenn er wirklich ein Mann ist, der Gott mit ganzem Herzen sucht und einfach nur mal so richtig auf die Freese gefallen ist? Schliesslich ist mir das auch passiert, wenn auch mit der Einschränkung, dass ich nicht in einer Leitungsposition bin und viele Menschen ihren Glauben nicht zuletzt an meinem Beispiel ausrichten. Was also, wenn die Callboy-Besuche einfach nur – eine Sünde waren? Schliesslich kenne ich den Mann überhaupt nicht. In diesem Fall hätte er natürlich mein Mitleid verdient. Und er darf sich auch auf die Hoffnung nach Vergebung berufen.

Aber das darf nicht alles sein. Als ich damals die wahrscheinlich grösste Dummheit meines bisherigen Lebens beging, habe ich zumindest zwei Dinge gelernt: Gottes Gnade ist grösser als mein Selbsthass, und: Es ist gut, Prinzipien zu haben und danach zu leben. Aber die Rigorosität, mit der man diese Ziele vor allem bei anderen einfordert, wird irgendwann die Fallhöhe bestimmen, aus der man auf seine eigene Fehlbarkeit prallen wird.



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