Wie es weiterging und womit es anfing.


Die Letzte Schlacht

Sehenswerter Beitrag über fundamentalistische, evangelikale Christen in den USA bei Arte. Trotz des etwas reißerischen Titels angenehm ruhig und unpolemisch.


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Gesellschaftstransformationen

In der letzten Zeit begegnet mir häufiger (z.B. in der Vorbereitung auf das Emergent Forum 2011) die Frage, in wie weit Christen wieder eine Avantgarde der Kultur bilden können, anstatt dem Mainstream immer mindestens 5 Jahre hinterher zu hinken. Oft wird darauf hingewiesen, dass das Christentum schliesslich lange Zeit das kulturelle Leben Europas bestimmt habe, und dass es nun darum gehe, das Evangelium wieder in einen kulturellen Rahmen zu übersetzen, der sich eben nicht aus den (abgelegten) Resten speist, sondern selber ein Schaffensmoment gebiert, das sich prägend auf die Kultur auswirkt.

Ich glaube, man vergisst oft, dass die Kirche diese kulturelle Hegemonie vergangener Zeiten schlicht aufgrund ihres Machmonopols inne hatte. Wenn man selbst ein singuläres Paradigma besetzt, ist es selbstverständlich, das man auch die Kultur als seinen Resonanzraum selbst erzeugt. Diese Machtposition wird die Kirche (Gott sei Dank) nie wieder besetzen, somit käme höchsten eine Avantgarde „von unten“ in Betracht, die die Gesellschaft aus dem Untergrund verändert. Im Gegensatz zu früheren Zeit ist man hier allerdings mit einer extrem heterogenen Gesellschaft konfrontiert, was jegliche gesamtgesellschaftliche Ansprüche von vornherein ad absurdum führt. Als Beispiel für eine Veränderung ‚von unten‘ wird gerne mal die Homosexuellenbewegung genannt, doch sehe ich hier wenige Gemeinsamkeiten in Zielen und Wegen. Zum einen bilden Christen keine so homogene Gruppe (no pun intended), das eine ökonomische Relevanz erkennbar wäre (und eine definierte Zielgruppe zu sein, der man etwas verkaufen kann ist immer noch die beste Garantie dafür, unter den breiten Schirm des (partikularisierten) Mainstram eingeladen zu werden), und zum anderen wird die Legislative (u.a. auch aus diesem Grund) niemals Gesetze erlassen, um Zielen der Kirche zur Durchsetzung zu verhelfen. Die interne Partikularisierung ist zu gross, die gesellschaftlich zu besetzende Lücke zu klein.

Anstatt gleich von gesamtgesellschaftlichen Transformierungen zu träumen ist es vielleicht angebrachter, sich auf lokalem Niveau um Änderungen der umgebenden Kultur zu kümmern (wie es z.B. die Simple Way Community tut). Hier können Ziele und Methoden viel flexibler angepasst und sich auch effektiver Alliierte gesucht werden; und da die Ziele nicht so hoch gesteckt und damit erreichbarer sind, ist vielleicht auch die Motivation höher und damit ausdauernder.

Letztlich sehe ich auch bei Jesus selber den Fokus auf das Lokale, auch (oder auch: vor allem, weil) wenn sich der Grund für das Handeln auf einen Weltzugang stützt, der teilweise im krassen Gegensatz zur lokalen Kultur existiert.


OBS 15

Und das war’s wieder mal mit dem Orange-Blossom-Special-Festival für dieses Jahr. Ich glaube, so schnell ist für mich noch keines rumgegangen, was vielleicht auch daran liegt, dass es das bislang am Besten organisierte war. Es ist wirklich nichts schief gegangen, alle Bands waren pünktlich und nett, keine Idioten, super Wetter, tolle Leute – fast schon beängstigend.

Musikalisch ist ja in den letzten Jahre nie so richtig viel für mich dabei, was aber auch völlig ok ist; ich werde in meinem Musikgeschmack ja auch immer schrulliger. Drei Highlights gab es aber: Zum einen Dan Mangan, ein 24-jährige Kanadier, über den ich schon viel Gutes gehört hatte. Live war das manchmal etwas viel Cowpunk (was sich auf dem Album relativiert), aber die ruhigeren Stücke berührten mich wie selten etwas auf dem OBS. Nett isser auch noch.
Dann gab es noch ein Americana-Duo namens Madison Violet, ebenfalls aus Kanada. Die hatte mir Rembert vor 1-2 Jahren schonmal im Auto vorgespielt, da fand ich die schon toll, aber live war das noch ein paar Klassen besser. Man merkt allerdings, dass die das schon eine ganze Weile machen und sehr professionell sind, aber die Songs waren einfach toll. Eine der beiden Frauen, Lisa, erzählte, das sie aus Cape Breton in Nova Scotia käme, was das Kaff ist, in das Elisabeth damals zog, um in der dortigen Arche zu arbeiten. Die kannte sie sogar, wie sich später herausstellte; eines ihrer Familienmitglieder arbeitet dort auch.

Natürlich war das größte Highlight, all die Leute wiederzutreffen, die ich sonst nie sehe. Und das ist sicherlich auch das Wichtigste: Dort menschschelts, bis die Balken sich biegen. Auch das kann Rock’n’Roll sein.


Hellsingland Underground


Slim Cessna’s Auto Club


30.05.


23.02.


Vater Unser

Kabarett finde ich im Normalfall wirklich völlig grauenhaft, eigentlich ertrage ich nur diesen moralischen Zynismus von Hagen Rether, ohne mich ständig fremdschämen zu müssen. Das hier ist zwar alt, aber – gut.