Caitlin Rose

Ich muss grade mal was erzählen: Irgendwann 2008 habe ich mir für einen Job bei einem Song-Pitching-Service mal ein paar myspace-Seiten von Künstlern angeguckt. Dabei war auch eine Caitlin Rose, für die es allerdings keinen Link gab, also habe ich ihn mir selber rausgesucht und ich konnte es einfach nicht fassen: Neben den ganzem Scheiss von Leuten, die weder was können, noch irgendeine Ahnung haben hörte ich eine junge Frau mit der besten Stimme, die mir seit Ewigkeiten untergekommen war. Ich schrieb selbiges dann an die ursprünglich angegebene mailadresse und es stellte sich schnell heraus, dass ich wohl von einer anderen Caitlin Rose sprechen musste. Ahem. Kann ja mal passieren.

MEINE Caitlin Rose also hatte grade eine EP aufgenommen, die mir ihr damaliger Manager auch netterweise gleich zuschickte. Da waren 3 richtig gute Songs drauf, der Rest bestand eher aus ziemlich zusammengeklöterten Demoaufnamen, aber die Stimme… Ich hatte mit dem Manager dann noch ein paar Mal hin- und hergemailt und überlegte, mit wem ich ihn denn mal in Kontakt bringen könnte, denn genau daran schien es ihm zu mangeln (schlecht für einen Manager). Es hatte sich dann aber nichts daraus ergeben, was auch an meinem mangelndem Enthusiasmus gelegen haben dürfte, denn ich hatte kurz zuvor noch einiges für eine Berliner Songwriterin gemacht (unbezahlt natürlich), von der ich danach nie wieder etwas gehört habe.

Gestern also dufte ich dann in neuen Glitterhouse-Katalog lesen, das Caitlin tatsächlich ihr estes Album veröffentlicht hat, und nach dem erste Hören bin ich ziemlich begeistert. Mit Mark Nevers (Lambchop) scheint sie einen sehr gut passenden Produzenten gefunden zu haben und folgerichtig spielt sie auch am 7.11. im Vorprogramm von Kurt Wagner und Cortney Tidwell in der Passionskirche. Hier gibts das Album:
iTunes
Myspace (Anspiel-Tipp: “For the rabbits”):
CD


Has the world changed or have I changed?

Die Zeiten, in denen Pop und Subkultur für Dissidenz und zumindest vage linke Positionen stand, sind natürlich lange vorbei, aber es ist schon interessant zu sehen, wie sich der Wechsel des Rolling Stone zum Axel-Springer-Verlag bzw. der neue Herausgeber Ulf Poschardt inhaltlich niederschlagen. In der aktuellen Ausgabe werden dem Atomlobbyisten und RWE-Vorstandsvorsitzendem Jürgen Großmann ganze vier Seiten eingeräumt, um dem geneigten Lesen dessen musikalische Sozialisation und sein Beach-Boys-Fantum nahe zu bringen. Als wäre easy sein zweiter Vorname posiert Großmann im Freizeit-Look auf einem Surfbrett und muss sich knallharten Fragen stellen wie “Haben Sie alle Scheiben (sic!) von den Beach Boys?” und “Wer war ihr Lieblings-Beach-Boy?”. Das alles überschrieben mit “Der Dax rockt” auf kecken Notenlinien. Die Leser, die immer schon einen RS-Artikel über die Frage (Zitat): Was beschäftigt Deutschlands Wirtschaftsbosse wirklich, wenn sie mal nicht an Gewinn oder Aktienkurse denken: natürlich Musik, oder?” lesen wollten, mögen bitte die Hand heben. Danke. Und nein, es steht nicht “Anzeige” über dem Artikel. Ich erinnere mich aber dunkel, das der RS mal so etwas wie einen journalistischen Anspruch hatte. Der dürfte sich dann mit der Installation des FDP-Freundes und ehemaligen Vanity Fair-Chefredakteurs als Herausgeber endgültig erledigt haben.

Aber vielleicht habe ich ja auch den Schuß nicht gehört und die Zukunf des Print liegt in der pullundertragenden ‘Neuen Bürgerlichkeit’, der sich Poschardt so verpflichtet fühlt. Diese darf sich dann sicher auf brutalstmöglich investigative Interviews über die Lieblings-”Scheiben” ihrer Helden Josef Ackermann und Kai Dieckmann freuen. Ich muss leider weg.


Aufnahmesituation.

Gestern hatte ich das große Vergnügen, erstmalig als Schlagzeuger in ein Studio eingeladen worden zu sein. Ein Bekannter von mir – Ben – wollte einen Song professionell aufnehmen und hatte Kontakt zu einem Produzenten, der normalerweise Hip-Hop aufnimmt (und dessen Studiowände mit Goldenen CDs von Sido zugepflastert waren). Um zu sehen, ob man miteinander arbeiten könne, lud er mich und ein paar weitere Leute ein, um einen Song zu produzieren, was auch ziemlich gut funktionierte.

Ich habe während meiner Zeit als A&R/PM schon mal ein Studio von innen gesehen, aber es war das erste Mal, dass ich in der Situation war, selber in der Kabine zu sitzen und vor ‘Publikum’ möglichst perfekt zu spielen. Ich war natürlich ziemlich nervös, aber der Produzent hat mich ganz gut durch die takes geführt und ich habe dadurch einiges gelernt. So bin ich ja eigentlich jemand, der von Haus aus sehr wenig spielt, aber selbst das war noch zu viel und ich habe mich wirklich nur auf die Basics mit ein paar Akzenten konzentriert, was auch völlig ausreichend war (danach habe ich mir nochmal ein paar Songs von Calexico mit meinem Lieblingsschlagzeuger John Convertino anhört und es ist wirklich verblüffend, wie wenig er tatsächlich macht.)

Ausserdem muss ich einfach wieder mehr nach klick üben, denn zusammen mit der situationsbedingten Unsicherheit potenzieren sich da die Unexaktheiten. Zur Zeit arbeite ich ‘The Art Of Bop Drumming’ von John Riley durch und grade bei jazzigen Patterns neige ich dazu, wegzurennen.

Ben wurde auch bewußt, dass die Band für das Album, das im Sommer für ihn ansteht, mehr proben muss, um besser auf die Aufnahmen vorbereitet zu sein. Ich weiss noch nicht, ob er mich als Drummer behält, würde mich darüber aber natürlich sehr freuen. Vielleicht spielen wir dann auch das eine oder andere Konzert, wenn wir schon dabei sind. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen.

NACHTRAG: In einen kleinen Podcast eingebettet kann man sich den Song hier anhören (der Player unter der Bildergalerie und “In the Studio with friends….”)


R.I.P. Lhasa

Vor ein paar Jahren bin ich mal über Lhasas Album “The Living Road” gestoßen, das ich sehr mochte. Und wie das so ist: Man verliert Leute aus dem Blick, fragt sich irgendwann, was die eigentlich machen, und dann sind sie tot. In Lhasas Fall mit 37, an Brustkrebs, am 1.1.2010.

Letztes Jahr hat sie ihr letztes, selbstbetiteltes Album veröffentlicht, das leider komplett an mir vorbei gegangen ist. Im Rückblick färben sich die Dinge immer anders nach dem Tod, aber in diesem Album keinen Abschied zu hören, ist mir nicht möglich. Aber als reines Memento Mori taugt es auch nicht, dafür ist zu viel Kraft und Freunde zu spüren. Und trotz aller Trauer: So ein wunderschönes Vermächtnis zu hinterlassen ist vielleicht auch ein Art Segen.


Accelerate

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Hier kann man sich die neue R.E.M anhören. Gefällt mir nach 2x hören richtig gut. Aber an mein Lieblingsalbum von Ihnen – New Adventures in HiFi – wird es wohl nicht rankommen. Habe ich auch noch nie Live gesehen, vielleicht sollte ich im Sommer mal hingehen, wenn sie in Berlin spielen… Ich finde übrigens auch, das Stipe ein bei der Geburt getrennter Zwilling von John Malkovich ist.
(Via)


Orange Blossom Special!

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Wie der eine oder andere vielleicht weiss, habe ich 1998 mal ein halbes Jahr als Praktikant bei Glitterhouse Records gearbeitet und bin dem Label und den Menschen immer noch aufs Freundschaftlichste verbunden. Seit diesem Jahr arbeite ich auch regelmäßig als Stage Hand beim Orange Blossom Special Festival, das seit ’97 jährlich im Garten der Firmenvilla stattfindet.

Folglich findet der Spass dieses Jahr zum 12. Male statt und trotzdem sich alles über die Jahre gut eingeschliffen hat, ist es jedes Mal eines und nicht selten das persönliche Highlight des Jahres. Und zwar hauptsächlich deshalb, weil es eben kein typisches Festival ist. Keine Alkleichen, keine Bouncers, keine Abzocke – sondern fast ausschliesslich nette Leute, tolle und sympathische Bands (sieht mal man von Chuck Prophet ab) und jede Menge Spass.

Normalerweise sind die Tickets immer innerhalb kürzester Zeit weg, dieses Jahr gibt es aber noch ein paar Restkarten, und so möchte ich hier mal kurz mit dem Finger drauf zeigen. Für schlappe 40 EUR gibt es vom 9.-11. Mai (Pfingsten) folgendes:

- SIR SIMON
- THE VIOLENT YEARS
- HYACINTH HOUSE*
- SHOOTING JOHN*
- CLARA LUZIA
- DEXTER JONES CIRCUS ORCHESTER
- SCOTT MATTHEW
- GISBERT ZU KNYPHAUSEN
- RYKARDA PARASOL & THE TOWER RAVENS*
- HANK SHIZZOE & THE DIRECTORS
- TIMESBOLD*
- MICHAEL J. SHEEHY & THE HIRED MOURNERS*
- CUBA MISSOURI
- THE AUDIENCE
- THE GREAT CRUSADES
- SCOUT NIBLETT*
- MARY EPWORTH & THE JUBILEE BAND
- GIRLS IN HAWAII

Ich kann also jedem, der musikalisch damit was anfangen kann, nur an Herz legen, sich dieses Festival anzutun. Ich sage euch: Sowas gibt es in dieser Form kein zweites Mal. Und bei der derzeitigen Lage der Musikindustrie muss man ja auch immer sagen: Wer weiss, wie lange es das noch gibt.

Orange Blossom Special

Und wenn ihr kommt: Sagt Hallo! Ich bin fast immer an der Bühne zu finden.


Gram Parsons

Gram Parsons bevölkert ja zusammen mit Neil Young meinen musikalischen Olymp, und verdammt, momentan befinde ich mich mich in Gram Heaven. Zum einen ist vor kurzem eine in jeder Beziehung exzellente Biographie über Gram erschienen, die die, äh, eher hingeschmierte andere (von Ben Fong Torres, glaube ich) auf die Plätze verweist; dann gab es die ebenfalls letztes Jahr veröffentlichten Mitschnitte der beiden Flying Burrito Brothers Gigs aus dem Avalon Ballroom von ’69, und eben habe ich im Steelguitarforum einen link zu ein paar Konzertmitschnitten von 1973 bei YouTube gefunden. Ich hatte überhaupt nicht gewusst, dass diese existieren, aber da sogar mit mehreren Kameras gefilmt wurde, müsste es eigentlich sogar noch mehr geben- und auch in besserer Qualität. Trotzdem: Juhu!


The Sound of Music

Jetzt ist man bei der Klangbearbeitung also tatsächlich dort, wo man bei bei den Bildern dank Photoshop schon lange war. Das bedeutet dann z.B., dass niemnand mehr Samples clearen muss, denn er kann sie ja einfach soweit verändern, dass eine Urheberschaft nicht mehr nachzuweisen ist. Kommt ganz oben auf den Wunschzettel!


via


Kaputt.

Wie kann man so jung sein und solche Texte schreiben? Wahnsinn. Ich wünschte, diese ganze Jesusliedchen würden mich auch nur annährend so berühren wie das da.


Einhundert Platten

1. Gram Parsons – G.P. / Grievous Angel
2. Anthology of American Folk Music
3. The Band – The Band
4. Richard Buckner – Since
5. Chavez – Ride the fader
6. Louvin Brothers – Satan is real
7. Giant Sand – Chore of Enchantment
8. Robery Wyatt – Rock Bottom
9. Van Dyke Parks – Song Cycle
10. The Beach Boys – Pet Sounds
11. The Beatles – Rubber Soul
12. Townes van Zandt – Abnormal
13. Guy Clarke – Old No. 1
14. Tortoise – Millions now living will never die
15. Shellac – at Action Park
16. Today is the Day – Supernova
17. John Coltrane – A Love Supreme
18. Grateful Dead – American Beauty
19. Denison Witmer – Are you a dreamer?
20. Evan Dando – Baby I’m bored
21. Merle Haggard – Okie from Muskogee
22. Tom Waits – Big Time
23. Bob Dylan – Time out of mind
24. Buddy Miller – Cruel Moon
25. U.S. Maple – Long Hair in three stages
26. Joy Division – Closer
27. Pink Floyd – Dark Side of the Moon
28. Sonic Youth – Daydream Nation
29. Chris Whitley – Dirt Floor
30. Come – Don’t ask don’t tell
31. Pixies – Dolittle
32. Soundgarden – Down on the upside
33. Senator Flux – Criminal Special
34. Shudder To Think – Ten Spot
35. Fugazi – Repeater
36. David Munyon – Down to the wire
37. Hammerhead – Ethereal Killer
38. John Prine – Souvenirs
39. Calexico – Feast of wire
40. Elliot Smith – Figure 8
41. Nick Cave – Henry’s Dream
42. Sixteen Horsepower – Secret South
43. Chris & Carla – Swinger 500
44. Kolossale Jugend – Heile Heile Boches
45. Talk Talk – Spirit of Eden
46. Radiohead – Kid A / AMnesiac
47. Bläck Fööss – Links eröm, rächts eröm
48. a-ha – East of the sun, west of the moon
49. Gillian Welch – Time (the Revelator)
50. Yo La Tengo – I can hear the heart beating as one
51. Hüsker Dü – Zen Arcade
52. Lambchop – I hope you’re sitting down
53. Hank Williams – Complete Recordings
54. Randy Newman – Little Criminals
55. The Who – Live at Leeds
56. The Cardigans – Long gone before daylight
57. David Poe – Love is red
58. Everything but the girl – Love not money
59. Velvet Underground & Nico
60. Herbie Hancock – Maiden Voyage
61. Original Harmony Ridge Creek Dippers – My own Jo Ellen
62. R.E.M. – New Adventures in Hi Fi
63. Laura Canrell – Not the tremblin’ kind
64. Galaxy 500 – On fire
65. Costelle/Bacharach – Painted from memory
67. Team Dresch – Personal Best
68. Nick Drake – Pink Moon
69. Neil Young – Tonight’s the night
70. Ron Sexsmith – Retriever
71. The Smiths – Hatful of Hollow
72. Rodan – Rusty
73. Siouxsie and The Banshees – Tinderbox
74. Mazzy Star – So tonight taht I might see
75. Lyle Lovett – Step inside this house
76. Arvo Pärt – Tabula Rasa
77. The Byrds – Sweetheart of the Rodeo
78. Bruce Springsteen – The Ghost of Tom Joad
79. Ben Folds Five – Reinhold Messner
80. Prefab Sprout – Steve McQueen
81. Johnny Cash – American Recordings
82. Foyer Des Arts – Die Unfähigkeit, zu frühstücken
83. Lucinda Williams – car wheels on a gravel road
84. Codeine – White Birch
85. Alien Sex Fiend – Acid Bath
86. Marius Müller Westernhagen – Sekt oder Selters
87. F.S.K. – The Sound of Music
88. Cpt. Kirk &. – Reformhölle
89. Palace – Hope
90. Blumfeld – Ich-Maschine
91. Build to spill – Perfect from now on
92. Captain Beefheart – Trout Mask Replika
93. The Cure – The Head on the door
94. Cheval de Friese – Sans Titre
95. Nirvana – In Utero
96. Dziuks Küche – Hauptsache Wind
97. David Bowie – Diamond Dogs
98. Dead Can Dance – DCD
99. Einstürzende Neubauten – Halber Mensch
100. Erdmöbel – Erste Worte Nach Bad Mit Delfinen

(und von jeder Band/jedem Künstler nur eine, und alle nicht in einer bestimmte Reihenfolge. That’s me, zumindest inn dieser Hinsicht…)


the representative in Berlin?

Keiko Cummings
Photo: Keiko Cummings

Ich kriege gleich einen Herzinfarkt: Auf der Jandek mailingliste hat eben jemand geschrieben, das Jandek angeblich im Rahmen der transmediale am 2.2. …gasp… in Berlin spielen soll. Seit er vor einigen Jahren angefangen hat, Konzerte zu spielen denke ich darüber nach, ihn wegen eines Berliner Konzertes zu kontaktieren, aber der Aufwand war mir immer viel zu hoch. Das wäre echt der Hammer.

Auf der transmediale-Seite steht noch nichts; eben habe ich im Büro angerufen und die Frau dort meinte, das ihr der Name “bekannt vorkäme”, sie aber momentan nichts finden könne. Immerhin hat sie mir versprochen, mir eine mail zu schreiben, sobald sie mehr rausfindet.

Wer Jandek nicht kennen sollte: Hier gibt es mehr über ihn. Er macht seit 1978 Platten, ist aber bis 2004 komplett anonym geblieben. Es gab nur ein einziges Interview aus den 80gern, und um die Platten zu kaufen musste man Geld an ein Postfach in Houston schicken. Viel mehr weiss man eigentlich immer noch nicht, aber es gibt es seit dem einige Konzerte.

2004 erschien auch eine sehr empfehlenswerte Dokumentation über das Mysterium Jandek mit dem Namen “Jandek on Corwood” auf DVD. Ich muss allerdings bemerken, dass seine Musik für einen Charts-Sozialisierten Höhrer, äh, etwas gewöhnungsbedürftig ist. (Irgendjemand hat ihm eine myspace-Seite mit ein paar Songs eingerichtet). “Aquired taste”, sagt der Amerikaner wohl dazu. Caveat Emptor.

UPDATE: Habe gerade eine mail vom transmediale-Büro bekommen: Jandek war im Gespräch, aber daraus ist leider nichts geworden. Scheisse. Muss ich wohl doch mal selber tätig werden…


What light?

Etwas, das ich ganz gut kann: Nachts wach liegen und mir Sorgen machen. Seltsam, wie anders alles aussieht, wenn es Tag ist. Aber was ist realer? Das “wird-schon-irgendwie-gut-gehen” des Tages oder die luftabschneidende Angst der Nacht?

Und dann morgens vorm Rechner sitzen und lesen, das eines meiner Lieblingsblogs die myspace-Seite meiner Combo verlinkt hat. Hach. Und dann noch: Dieses Video zu entdecken:

Nels Cline sollte irgendwie König von irgendwas sein. Schön, das er endlich die Anerkennung zu bekommen scheint, die er schon lange verdient hat. Wird alles gut?

Ach ja: Die Combo (The Henry Reyels Band) spielt am Sonntag in der Junction Bar in der Kreuzberger Gneisenaustr. Kommt doch vorbei und gebt mir einen Grund, mir keine Sorgen zu machen.


Townes van Zandt, 07.03.1944 – 01.01.1997


Hank Williams, 17.09.1923 – 01.01.1953


The Felice Brothers – Roll On Arte


St. Thomas R.I.P.

Gestern, kurz bevor wir auf die Bühne gingen meinte Dirk, unser Drummer, zu mir: Weisst Du eigentlich, das St. Thomas tot ist? Und da war es wieder, das Gefühl, dass einem gerade kurz in den Magen geboxt wurde. Ich war nicht unbedingt ein Fan, aber sein erstes Album habe ich sehr gemocht, damals. Seine einfachen Songs hatten so etwas total naives aber strahlten gleichzeit immer eine grosse Traurigkeit aus, als ob ihn seine Naivität vor zu viel Leid beschützen sollte.

Vor einigen Jahren (2003?) hat er auch auf dem Festival gespielt, bei dem ich immer als Stage Manager arbeite. Ich habe ihn als sehr schüchtern in Erinnerung und es schien alles auf eine gepflegte Borderline-Persönlichkeit hin zu deuten. Und als Norweger konnte er natürlich saufen ohne Ende. Hat er auch.

Er hatte damals noch einen so durchgeknallten wie polytoxikomanen Mitmusiker dabei, der noch 2 Tage nach dem Festival im Wintergarten saß und Bierkästen leerte. Irgendwann hat ihn dann jemand zum Bahnhof gefahren und in einen Zug gesetzt.

Die Todesursache ist wohl noch unbekannt, aber es wird wohl Selbstmord gewesen sein. Er war 31 Jahre alt.

Hier kann man sich ein schönes Konzert anhören.

Ich wünschte, es hätte ihm jemand helfen können.


Front Porch Serenades

Morgen spiele ich wieder mit meiner Combo, diesmal im Rahmen eines Popkomm-showcase im King King Klub in der Brunnenstr. Das showcase trägt den schönen Titel “Front Porch Serenades” – An international SingerSongWriter’s eve! Und es spielen:

Kieran McMahon (IRL) 20.00Uhr

“Kieran Mc Mahon ist ein in Berlin arbeitender Ire aus Belfast, der just sein zweites Album mit ausgefeilt-urbanem Grandezza-Pop, wunderschön arrangiert, fertigstellt. Erneut mit dem Produzenten von 2Raumwohnung und Maximilian Hecker.

Ann Vriend (CAN) 20.45h

“Und auch Ann Vriend aus Alberta/Kanada, mehrfache Awardgewinnerin, die sich mit ihrer quecksilbrigen Stimme und ihren seelenvoll-poppigen Piano-Balladen jedesmal in die Herzen ihres Publikums spielt. Ann Vriend tourt als Solomusikerin.”

Shane Alexander (USA) 21.45h

“Dann Shane Alexander aus San Francisco, der als Solokünstler Deutschland mit seinem hinreißenden Indieprogramm besucht.Er gilt in den Staaten bereits jetzt als der Shootingstar unter den Singer-Songwritern! In 2006 hat er das Vorprogramm für alle US-Termine von Jewel gespielt (was nicht gerade wenig war!) und soeben hat er 12 Daten für Seal eröffnet!”

Rykarda Parasol (USA) 22.45h

“Rykarda Parasol (Solo) aus Californien, die mit ihrem purpurdunklen Folk-Noir just als ‘Nick Caves kleine Schwester im Geiste’ gehandelt wird. Geht mit Botanica auf Tour. September bis Oktober 2007.”

The Henry Reyels Band (D) 00:00h

“Henry Reyels unstetes Kosmopolitenleben beginnt in Bethlehem. Ein Anker ist ihm durchgängig die Liebe zu amerikanischem Folk und Country, was – sich zwar derer Ahnen bewusst- seine Songs inspiriert, die aber dennoch in eine ganz eigene Welt zu entführen vermögen und es dabei locker schaffen, sich sämtliche mit dem Genre assoziierten Klischees vom Hals zu halten. Reyels präsentiert diesen Herbst sein zweites Album, entstanden mit dem Produzenten von Timid Tiger/Werle&Stankowski/The Rain.”

Ausserdem lege ich vor, nach und zwischen den Bands noch vornehmlich alte Country-Platten auf und freue mich über jeden, der Hallo sagt.


Polka Mass

Als eingefleischter Polka-Fan würde ich ja wahnsinng gerne die Musik dazu hören…


via


I [heart] Will Oldham.

Sein dem ich damals Anfang der 90ger Jahre das erste Album von Will Oldham gehört habe (There is no-one that will take care of you, glaube ich), bin ich, man kann es wohl so sagen – ziemlicher Fan. Bei seinem immensen output in ständig anderen Inkarnation ist nicht immer alles so richtig klasse, aber zum einen eben immer noch genug, und zum anderen geht es bei ihm m.E. auch zu einem grossen Teil um den Prozess und das anbinden an andere kreative Konzepte, bei dem ich ihn einfach auch nur gerne zuhöre.

Das hat vor kurzem mal wieder so befremdlich wie exzellent funktioniert, als Oldham in einem alternativ-Video für eine Kanye-West-Single mitgespielt hat (irgendwo habe ich gelesen, dass die Idee dazu auch von Oldham kam, würde jedenfalls passen):

Vor ca. 2 Jahren gab es auch ein klasse Interview mit ihm, das ich hier mal nur verlinke. Jedenfalls sehr empfehlenswert (auch der Interviewer, übrigens).


Team Dresch

Mit meinem Kumpel Dennis, mit dem ich Germanistik in Bonn studierte, habe ich immer Platten getauscht. Eines Tages brachte er mir “Personal Best” von Team Dresch mit und ich weiss noch, das ich die knappen 25 Minuten, die die Platte gedauert hat, mit offenem Mund vor dem Plattenspieler gesessen habe.

Ich kenne kaum keine Platte, die mich so dermassen emotional berührt hat – Obwohl deren Probleme nicht die meinen waren. Was die da gemacht haben, war die beste halbe Stunde Punkrock, die ich je gehört habe. Besser als Nirvana, besser als Hole sowieso und was man damals noch so gehört hat.

“Personal Best” gibts übrigens auch auf iTunes; muss man gehört haben finde ich. Beim 2. Album, Captain my Captain, war’s schon wieder vorbei.

12 Jahre später gibt es die Band wieder, nächstes Jahr soll es auch ein neues Album geben. Coole Sache, aber “Personal Best” war das Album, wo alles zusammen kam.

Und ich weiss auch noch, wie todpeinlich die diesen erbärmlichen Song der Schülerband Tocotronic fand…


In the words of the Govenor

Auf dem Sampler des Magazins “Beliver” (kene ich nicht) gibt es einen neuen Track von Sufjan, der ganz grossartig ist und sich sehr nach den White Stripes anhört, die einen Beatles-Song covern –> *Click*
via


the horror, the horror

Man, Grönemeyer UND Bono gleichzeitig, das ertrage ich in meinem Alter nicht mehr. Gut, das Sting derweil mit Geld scheffelnanderweitig beschäftigt ist.


Listen up!

Ah, Listen. Eine gute Gabe Gottes. Hier ein paar meiner Lieblingdinge 06, mit Inhaltsangabe in a nutshell:

Die 20 besten Alben


1. Howe Gelb - Sno Angel Like You

Der grosse Mann des Bastelns. Hier mit Gospel-Chor und der für mich inspirierendsten Platte des Jahres. Würde ich sofort ehelichen, wenn das irgendwie Sinn ergäbe.

2. Tom Waits – Orphans
Der erste Satz im Rolling-Stone-Special über ihn sagt alles: “Die Luft um Tom Waits biegt sich, wie er will.”

3. Joanna Newsom – Ys
Joanna und Van Dyke Parks – a match made in heaven. Kunstlieder ohne Distanz.

4. Morrissey – Ringleader of the Tormentors
Finde ich noch besser als You Are The Quarry. Der Mann hat etwas, das sich Bono, Sting und diese ganzen anderen Schwachmaten für Geld nicht kaufen können: Stil. Und Sonntag gehe ich endlich aufs Konzert.

5. Sufjan Stevens – The Avalanche
Outtakes, aus denen nicht wenige Musiker gleich drei Alben schustern würden.

6. Tortoise & Bonnie ‘Prince’ Billy - The Brave And The Bold
Nur Covers, zumeist von mir unbekannten Songs. Alle anders, alle gross.

7. Sonic Youth – Rather Ripped
So gut in der Spur waren sie seit Ewigkeiten nicht. Und Kim Gordon spielt auch endlich mal was anderes als die Gesangsmelodie. Das Berliner Konzert war leider schneller ausverkauft, als ich “Vorverkauf” sagen konnte.

8. Bruce Springsteen – We Shall Overcome
War lange auf Platz 1. Nur Songs von Pete Seeger, mit toller Band live eingespielt. Hätte nicht gedacht, das der olle Macho-Krakeeler mir mal so zu Herzen gehen kann.

9. Danielson – Ships
Ein Spinner aus den Sufjan Stevens-Umfeld. Tolle, zeitweise etwas anstrengende Platte mit dem Song des Jahres: “Did I step on your trumpet?”

10. Markus Rill – The price you pay for sin
Rootsrock, aber sowas von phantastisch, da können viele Amis nicht mit. Ist leider Deutscher, deshalb hat er lange nicht den Erfolg, den er haben sollte.

11. Johnny Cash – American V
Irgendwie ein Abschied, auch, wenn noch mehr Alben kommen sollten. Manchmal schwer zu ertragen. Cash war vielleicht der erste “postmoderne” christliche Musiker, der die Widersprüche in seinem Leben offen gelegt hat, und nicht verlogen war. Deshalb war er für mich eher Vorbild als alle Bill Grahams und Reinhard Bonnkes dieser Welt. Es ist schmerzlich zu wissen, das er nicht mehr da ist.

12. Neko Case - Fox Confessor Brings The Flood
Anfangs war ich etwas enttäuscht, aber die Platte ist ein wahrer grower. Man, was für eine Stimme. Was für eine Frau.

13. Wovenhand – PUUR
Eigentlich mitunter zuviel Pathos, aber Mr. Edwards darf das. Musik für ein Tanzprojekt. Zum Glück liegt keine DVD bei.

14. Archie Bronson Outfit – Derdang Derdang
In einer Kneipe gehört und augenblicklich Fan geworden. Haben natürlich Bärte, das muss auch so.

15. Dan Reeder - Sweetheart
Das Überraschungsmoment des ersten Albums ist zwar etwas weg, aber die Songs sind teilweise noch besser, auch abwechselungsreicher arrangiert. Den will ich unbedingt mal live sehen.

16. Bonnie ‘Prince’ Billy - The Letting Go
Wun-der-schön. Mir nicht ganz so nah wie Master & Everyone z.B., aber er betreibt weiter Geniezementierung. Soll er.

17. Hem – Funnel Cloud
Mir völlig unbegreiflich, warum die niemand kennt. Funnel Cloud ist vielleicht ihre beste, aber ein zweites “When I was drinking” ist da leider nicht drauf.

18. Ron Sexsmith – Time Being
Nicht ganz so gut wie die Vorgänger, aber mit dieser Stimme kriegt er mich immer.

19. Laibach – Volk
Ihre beste seit Opus Dei, Und das ist schon fast 20 Jahre her…

20. Scott Walker – The Drift
Es gibt Leute, die finden das teilweise ungewollt komisch. Aber es gibt ja auch Leute, die halten Dieter Falk für einen guten Produzenten,


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