Feathers & Downs

September 30, 2007 at 11:04 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Mittlerweile bin ich ganz froh, dass die Besuchszeit auf der Intensivstation auf 2 Stunden limitiert ist. Ich bin jedesmal völlig fertig, wenn ich da raus komme. Natürlich schliesst die Cafeteria genau dann, wenn die Besuchszeit zu Ende ist; der Automatenkaffee heisst nur so. Mein Vater hat eine schwere Lungenentzündung und wird immer noch beatmet. Morgen soll er geweckt werden und muss alleine atmen, aber das hat schon gestern morgen nicht hingehauen.

Eine quälende Scheisse ist dass alles. Zu den Problemen mit meinem Dad sind in den letzten Tagen auch noch eine Menge anderer Eindrücke dazugekommen, von denen ich nicht richtig weiss, wo ich sie hinstecken soll. Die Beerdigung von M.’s Vater und das Wiedersehen mit ihr nach all den Jahren. (Ich habe bei solchen Angelegenheiten immer die Angewohnheit, abgeklärt und rational zu tun, aber als ich in ihre verweinten Augen schaute, habe ich nur noch Schwachsinn geredet.). Den Besuch bei N. der als Künstler immer einer der ärmsten Menschen war, die ich kannte. Immerhin hatte seine Freundin einen festen Job. Vor einem Jahr hat sie geeerbt und jetzt habe sie mehr Geld, als man in einem Leben ausgeben kann.

Hätte jetzt gerne eine Taste zum Vorspulen.

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Die gewünschte Sämigkeit

September 28, 2007 at 8:04 Uhr vormittags (Uncategorized)

Mein Vater hat die OP vorgestern ganz gut überstanden, er liegt aber immer noch auf der Intensivstation und ist nicht bei Bewußtsein. Asserdem bekommt er noch zusätzlich Sauerstoff, da seine Lungen nicht so gut arbeiten. Gestern konnte ich für 2 Stunden zu ihm, und ihn da so liegen zu sehen, schlafend, vor all den Geräten und vor allem vor diesem Monitor mit den Zahlen, die irgendwas bedeuten, das ich nicht verstehen kann, war ganz schön hart. Heute wollen sie ihn aufwecken und sie hoffen, dass er wieder alleine atmen kann.

Es ist sehr seltsam, ohne ihn in seiner Wohnung zu sitzen. Sonderlich gut kann ich mich nicht auf die Arbeit konzentrieren, aber dann muss das Nötigste eben reichen. Meine alte Freundin aus der Jugendgruppe, deren Vater letzen Freitag gestorben ist, habe ich vorgestern noch angerufen, und das Gespräch war richtig gut. Warum auch nicht. Heute Nachmittag holt mich jemand aus der Gemeinde ab und nimmt mich mit zur Beerdigung, danach werde ich wieder ins Krankenhaus fahren und abends dann nach Köln, um einen alten Freund zu sehen, zu dem ich den Kontakt fast völlig verloren hatte. Eine Reise vom Tod ins Leben, quasi, denn besagter Freund hat auch noch 2 ganz kleine Kinder.

Bizarrster Moment des gestrigen Tages: In ein fast leeres Strauß-Geschäft zu gehen und die Belegschaft angeregt über die Vorteile der Todesstrafe diskutieren zu hören.

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Ein Jahr lang alle Regeln der Bibel befolgen…

September 27, 2007 at 7:21 Uhr vormittags (Uncategorized)

Dieser Mann hier hat ein Jahr lang alle Regeln der Bibel (vor allem des AT, scheint mir) befolgt und ein Buch darüber geschrieben. Und es waren nicht nur die 10 Gebote, sondern auch der ganze Rest, den ein orthodoxer Jude befolgen musste. Auf newsweek online gibt es ein ganz interessantes Interview, und bei Amazon findet sich eine Leseprobe.
via

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Alles ist gut, alles.*

September 24, 2007 at 10:21 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Ich bin heute relativ spontan zu meinem Vater nach Köln gefahren. Er kommt morgen ins Krankenhaus, ein dreifacher bypass muss gelegt werden. Obwohl er immer meinte, dass ich nicht zu kommen brauche, ist mir überhaupt nicht wohl dabei gewesen, zu Hause zu bleiben. Ist schon komisch manchmal: Ich will über Dinge nachdenken, um mir eine Meinung zu bilden, aber eigentlich weiss ich von der ersten Sekunde eh, was ich tun werde.

Vor ein paar Jahren hat er schonmal eine ähnliche OP über sich ergehen lassen müssen, und eine Folgeerkrankung hätte ihm fast das Leben gekostet. Jetzt ist er 80 Jahre alt und ich würde es mir nie verzeihen, wenn er es nicht überleben würde und ich nicht da gewesen wäre.

Mein Vater und ich stehen uns sehr nah. Machdem meine Mutter 1990 gestorben ist, habe ich noch 8 Jahre mit ihm zusammen gelebt und das hat uns irgendwie zusammen geschweist. Ich habe von ihm so viel über Gottes Güte und Liebe gelernt, ohne, das wir viel darüber gesprochen hätten. Er hat es einfach vorgelebt, und obwohl er ein sehr einfacher Mann mit gerade mal vier Jahren Schulbildung ist, weiss er mehr über manche Dinge, als ich je lernen werde.

Als ich gestern mit ihm telefoniert habe, erzählte er, dass ein Mann aus unserer alten (und seiner immer noch aktuellen) Baptistengemeinde vor ein paar Tagen gestorben sei. Er war der Vater eines Mädchens, das in meiner alten Jugendgruppe war. Ich war mal ein bisschen in sie verliebt und ich weiss, dass ich ihr eine Zeit lang auch viel bedeutet habe. Sie wird jedenfalls immer einen Platz in meinem Herzen haben. Was mich aber etwas ratlos macht, ist die Tatsache, dass ich immer noch nicht zu wissen scheine, wie man mit Trauernden umgeht. Das hätte ich spätestens mit dem Tod meiner Mutter lernen müssen. Aber: Einfach anrufen? Was, wenn ständig Leute anrufen und nerven? Was sagen, wenn man sich so lange nicht gesehen hat? Scheiss auf Karten. Ich hoffe, ich schaffe es am Freitag irgendwie auf die Beerdigung.

Es ist gut, zu wissen, das so viele Leute für meinen Vater beten. Es haben sich sogar einige aus meiner neuen Kirche gemeldet und das finde ich wirklich sehr beruhigend. Ich weiss, dass Gott da ist, und das wir alle in ihm geborgen sind, egal, was passiert.

In dieser Woche will ich jeden Tag zumindest ein paar Stunden im KH sein. Ansonsten werde ich verschen, hier weiter zui arbeiten. Ich habe jetzt eine O2 internet-flatrate frür 25 EUR, wenn ich das Handy als Modem benutze, und das ist alles sogar ganz schön schnell. Ich werde sehen, wie produktiv ich sein werde….

*Meine Mutter hatte mir mal die Anleitung zum Unglücklichsein von Watzlawick geschenkt und das war die Widmung. Ich habe sie nie gefragt, was das bedeuten soll und rätsele immer noch darüber.

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St. Thomas R.I.P.

September 21, 2007 at 10:00 Uhr vormittags (Mooziq)

Gestern, kurz bevor wir auf die Bühne gingen meinte Dirk, unser Drummer, zu mir: Weisst Du eigentlich, das St. Thomas tot ist? Und da war es wieder, das Gefühl, dass einem gerade kurz in den Magen geboxt wurde. Ich war nicht unbedingt ein Fan, aber sein erstes Album habe ich sehr gemocht, damals. Seine einfachen Songs hatten so etwas total naives aber strahlten gleichzeit immer eine grosse Traurigkeit aus, als ob ihn seine Naivität vor zu viel Leid beschützen sollte.

Vor einigen Jahren (2003?) hat er auch auf dem Festival gespielt, bei dem ich immer als Stage Manager arbeite. Ich habe ihn als sehr schüchtern in Erinnerung und es schien alles auf eine gepflegte Borderline-Persönlichkeit hin zu deuten. Und als Norweger konnte er natürlich saufen ohne Ende. Hat er auch.

Er hatte damals noch einen so durchgeknallten wie polytoxikomanen Mitmusiker dabei, der noch 2 Tage nach dem Festival im Wintergarten saß und Bierkästen leerte. Irgendwann hat ihn dann jemand zum Bahnhof gefahren und in einen Zug gesetzt.

Die Todesursache ist wohl noch unbekannt, aber es wird wohl Selbstmord gewesen sein. Er war 31 Jahre alt.

Hier kann man sich ein schönes Konzert anhören.

Ich wünschte, es hätte ihm jemand helfen können.

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Spass mit Christen, Teil 456

September 20, 2007 at 1:01 Uhr vormittags (Uncategorized)

… und Gott liebt uns trotzdem.

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R.I.P. Slice of Laodicea

September 19, 2007 at 8:36 Uhr vormittags (Uncategorized)

Wie ich eben dem Naked Pastor entnahm, hat der christliche hateblog “Slice of Laodicea” das Zeitliche gesegnet. Ingrid Schlueter, die Betreiberin schreibt hier über das,was passiert ist, und irgendwie klingt es merkwürdig. Zumal sich fast alle Artikel darüber noch leicht finden lassen.

Immerhin findet David Hayward versöhnliche Worte. R.I.P.

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Front Porch Serenades

September 19, 2007 at 7:07 Uhr vormittags (Mooziq)

Morgen spiele ich wieder mit meiner Combo, diesmal im Rahmen eines Popkomm-showcase im King King Klub in der Brunnenstr. Das showcase trägt den schönen Titel “Front Porch Serenades” - An international SingerSongWriter’s eve! Und es spielen:

Kieran McMahon (IRL) 20.00Uhr

“Kieran Mc Mahon ist ein in Berlin arbeitender Ire aus Belfast, der just sein zweites Album mit ausgefeilt-urbanem Grandezza-Pop, wunderschön arrangiert, fertigstellt. Erneut mit dem Produzenten von 2Raumwohnung und Maximilian Hecker.

Ann Vriend (CAN) 20.45h

“Und auch Ann Vriend aus Alberta/Kanada, mehrfache Awardgewinnerin, die sich mit ihrer quecksilbrigen Stimme und ihren seelenvoll-poppigen Piano-Balladen jedesmal in die Herzen ihres Publikums spielt. Ann Vriend tourt als Solomusikerin.”

Shane Alexander (USA) 21.45h

“Dann Shane Alexander aus San Francisco, der als Solokünstler Deutschland mit seinem hinreißenden Indieprogramm besucht.Er gilt in den Staaten bereits jetzt als der Shootingstar unter den Singer-Songwritern! In 2006 hat er das Vorprogramm für alle US-Termine von Jewel gespielt (was nicht gerade wenig war!) und soeben hat er 12 Daten für Seal eröffnet!”

Rykarda Parasol (USA) 22.45h

“Rykarda Parasol (Solo) aus Californien, die mit ihrem purpurdunklen Folk-Noir just als ‘Nick Caves kleine Schwester im Geiste’ gehandelt wird. Geht mit Botanica auf Tour. September bis Oktober 2007.”

The Henry Reyels Band (D) 00:00h

“Henry Reyels unstetes Kosmopolitenleben beginnt in Bethlehem. Ein Anker ist ihm durchgängig die Liebe zu amerikanischem Folk und Country, was - sich zwar derer Ahnen bewusst- seine Songs inspiriert, die aber dennoch in eine ganz eigene Welt zu entführen vermögen und es dabei locker schaffen, sich sämtliche mit dem Genre assoziierten Klischees vom Hals zu halten. Reyels präsentiert diesen Herbst sein zweites Album, entstanden mit dem Produzenten von Timid Tiger/Werle&Stankowski/The Rain.”

Ausserdem lege ich vor, nach und zwischen den Bands noch vornehmlich alte Country-Platten auf und freue mich über jeden, der Hallo sagt.

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entarteter Meisner

September 18, 2007 at 8:02 Uhr vormittags (Uncategorized)

Ich bin ehrlich zusammengezuckt, als ich im Tagesspiegel Kardinal Meisners kreuzdämliche bis volldebile Expertenmeinung zum Thema Kultur gelesen habe, die irgendwann kurz vor der Entdeckung der perspektivischen Malerei mal hip gewesen sein dürfte:

„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.“

Auf Spreeblick (fast hätte ich geschrieben: “Im Spreeblick”) steht ein interessanter Kommentar von Frédéric:

“Scheinheiligkeit, die: Nach den Nazis unter den Worten forsten und sie zur Ausmerzung freigeben. Danach das eigene politische Bewußtsein wohlig schnurrend in den verdienten Feierabend schunkeln.”

Die Frage ist nur: Gab’s vielleicht tatsächlich zuwenig praktizierte Diskurstheorie, damals? Oder liegt das schon zu lange zurück? Vielleicht muss man auch als Geistlicher da nochmal bei.

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The weekend in reverse

September 17, 2007 at 8:10 Uhr vormittags (Uncategorized)

Samstag hatten wir eine kleine Einweihungsfeier in der Kirche, und zu meiner grossen Freude schaute das Bodenpersonal nebst Freundin vorbei! Und meine Erfahrung bewahrheitete sich mal wieder: Wenn man den Blog sympathisch findet, sind es die Blog-schreiber erst recht. So richtig viel Zeit hatten wir nicht zum reden, aber ich glaube, in unserem Leben gibt es einige gemeinsame Anknüpfungspunkte. Ich hoffe, das Essen war gut!

Sonntag musste ich dann früh raus, weil ich mit Andrew, dem Bassisten der Kirchen-Combo und einer Sängerin nach Cottbus gefahren bin, um dort bei einer afrikanischen Methodisten-Gemeinde Musik zu machen. Andrew geht noch in eine andere Kirche in Berlin, und diese unterstützt die Cottbusser Gemeinde schon seit längerem nach Kräften. Jetzt fehlte ihm ein Schlagzeuger und…, naja, ich kann halt schlecht nein sagen…

Da die meisten der Mitglieder in der Urlaubszeit allerings entweder Heim fahren oder woanders arbeiten, waren nur 5 Leute der eigentlichen Kirche anwesend. Immerhin waren noch einige aus Berlin dabei, so dass wir wohl auf 15 Besucher kamen. Die Kirche selber war eine brutalstmögliche 60ger-Jahre Attacke:

Und der Gottesdienst selber war halt… wie früher. Ich bin ja immer noch Mitglied einer Methodistenkirche in Berlin, und trotzdem ich den Gottesdienst in Cottbus richtig schön fand, so sehr habe ich mich doch endgültig von dieser Art “Frömmigkeit” verabschiedet. Und wundere mich, was ich daran wohl mal gefunden haben könnte. Wahnsinn, wie sehr ich mich im letzten Jahr verändert habe.

Ich lese gerade Kester Brewin’s Buch “Signs of Emergence“, in dem er sich auf “Stages of Faith: The Psychology of human development and the quest for meaning” von James Fowler bezieht. Fowler unterscheidet sechs Phasen des individuellen Glaubens:

1.: (Intiutive-Projective) Kindlicher Glaube
2.: (Mythical-Literal) Beginn der Identifizierung mit den biblischen Geschichten
3.: (Synthetic-Conventional) feste Glaubensüberzeugung, die jedoch nicht reflektiert werden
4.: (Individuative-Reflective) Alles wird in Frage gestellt
5.: (Conjunctive) Wahrheiten verschiedener Herangehensweisen und Zweifel werden ausgehalten, können in den Glauben integriert werden und eine mysthischen Dimension des Glaubens wird anerkannt
6.: (Universalizing) Mutter Theresa und ähnliche

Gesteht man dieser Einteilung eine Wahrheit zu, dann kommt es mir so vor, als hätte ich mich in diesem Jahr von 3 über 4 bis zu den Anfängen von 5 bewegt. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob dieser Weg richtig ist, aber wenn ich drüber nachdenke, so sehe ich - zumindest für mich - keine Alternative. Ausserdem muss ich einfach sagen, dass dies bislang das beste und “schönste” Jahr in meinem Leben mit Gott war. Und ich bin sehr gespannt, wie’s weitergeht.

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September 14, 2007 at 8:16 Uhr vormittags (Uncategorized)

Dienstag hatte ich kurzentschlossen die Liebste und die Koffer gepackt und bin zu einem Bekannten nach Fischland Darß gefahren (ein paar Kilometer nördlich von Ahrenshoop). Irgendwie fiel mir alles auf den Kopf; ich habe Probleme mit meiner wichtigsten Band, für die ich buche, meine eigene Band verschlingt zu viel Zeit und es kamen noich ein paar andere Dinge zusammen, die mir den Schlaf raubten. Wir hatten zwar nur 2 Tage, aber die waren wirklich schön.

Hufi hatte ja neulich schon seine schlechten Urlaubsphotos gepostet; ich glaube, das kann ich teilweise noch unterkellern:

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Now that’s what I call missional!

September 6, 2007 at 8:18 Uhr vormittags (Uncategorized)


(via)

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Linkin’ Park

September 4, 2007 at 8:20 Uhr vormittags (Uncategorized)

(HA! DEN Kalauer hat bestimmt noch niemand gebracht!)

- Die TallSkinnyKiwi setzt sich mit einen EmCh-Kristischen Posting bei den Pyromaniacs auseinander and me thinks: Es ist je-des-mal der selbe Schmuh, der da kritisiert wird. Ich wünscht wirklich, jemand würde sich mal kritisch mit dem Thema auseinandersetzen, der weiss, wovon er redet.

- Dr. Toby Faix macht eine Umfrage und bitte um Verbreitung. Bitte.

- Watch The K Foundation Burn A Million Quid Vielleicht erinnert sich noch jemand an The KLF, ein Künstlerduo, dass ein paar Hits hatte und dann darüber ein Buch schrieb, wie man todsicher ein paar Hits abgreifen kann. Als sie dann ordentlich Kohle verdient hatten, verbrannten sie 1 Million englische Pfund, fast ihr gesamtes Vermögen. Wollte ich schon länger was drüber schreiben, da ich Paralleln zu der Frau sehe, die Jesus mit exterm teurem Öl gesalbt hat. Komme ich aber nicht zu. Immerhin kann man es sich angucken.

- Ein Mann findet auf einem Flohmarkt eine Schachtel mit Photos, die ca. 50 Jahre aus dem Leben einer unbekannten Frau dokumentieren. Faszinierend (via)

- Christopher Dell, auf dessen Interviewäusserungen ich mich im letzten Post bezogen habe (und in einem der nächsten auch noch weiter beziehen werde), macht ebenso faszinierende Musik. Sein aktuelles Album “The World We Knew” besteht durch die Bank aus Bearbeitungen von, und jetzt kommt’s: Bert Kaempfert-Songs! Ich schätze, er hat einen neuen Fan. Und wohnt übrigens bei mir um die Ecke.

- Haso wünsche ich einen schönen Urlaub!

- Und last not least: Wenn hier Berliner mitlesen, die am Freitag abend nichts vorhaben und bei Country- und Folk Musik nicht gleich schreiend wegrennen: Ich spiele mit meiner Combo im Oxident in Friedrichshain. Sagt hallo!

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Form aus Bewegung

September 2, 2007 at 8:20 Uhr vormittags (Uncategorized)

Ich muss ja zugeben, dass ich hin und wieder sog. “Muckermagazine” lese; zumeist aus purem Zeitvertreib. So gesehen erfüllen sie also den gleichen Zweck wie die “Gala” meiner Liebsten, denn bedauerlicherweise haben die meisten Musiker ähnlich viel zu zu erzählen wie Sportler. Gestern habe ich jedoch in der aktuellen Ausgabe von “Drums & Percussion” ein Interview mit dem mir bislang unbekannten Vibraphonisten Christopher Dell gelesen, dass - wenn auch aus anderer Perspektive - ein paar Gedanken widerspiegelt, die mir vor kurzem beim Hören alter Miles-Davis-Platten gekommen sind:

D&P: “Truth Study” [ein aktuelles Album seiner Band D.R.A.] geht ja in ihrem Ansatz auf die Rhythmusanalyse des französischen Philosophen Henri Lefèbvre zurück, welche seiner Meinung nach irgendwann die Psychoanalyse ablösen soll, und setzt sich ganz klar mit Wahrheitsfindung auseinander. Was bedeutet Wahrheite für Dich?

Dell: Ich will es mal im musikalischen Kontext ausdrücken: Wir in unserem Kulturkreis denken ja immer, dass Bewegung aus der Form kommt - wie bei Platon: Es gibt eine Gundidee, eine universelle Form, und wir versuchen, dieser gerecht zu werden. Manchmal klappt’s, manchmal klappt’s nicht. So ist ja auch eine Komposition in der Musik angelegt: Es gibt einen Autor, der sich alles ausdenkt, und man versucht als Spieler, dieser Komposition gerecht zu werden und weiss, dass es in der Zeit, in der es passiert, auch irgendwie funktionieren wird.

Der Jazz fußt nun hingegen in einem ganz anderen Prinzip: Man hält die Form so minimal wie möglich und glaubt daran, dass das, was ‘den Jazz’, die Form, ausmacht, aus der Bewegung entsteht. [...] Dieser Ansatz scheint nun ersteinmal lediglich in der Musik zu funktionieren, und viele Leute behaupten auch, das es Quatsch sein, das auf das Leben an sich zu übertragen. Ich persönlich merke aber immer mehr, das wir in unserer Gesellschaft so viel Inkohärenz haben, gerade, weil wir nicht glauben wollen oder nicht in der Lage sind, zu verstehen, dass es die Möglichkeit gibt, dass Form aus Bewegung entsteht.

Daher gibt es Überhänge: Es wird auf der einen Seite immer Flexibilisierung gepredigt, aber andererseits sichern sich die Leute, die das Predigen, so sehr ab, dass sie nie und nimmer in Schwierigkeiten kommen. Andere Leute, die nicht die Möglichkeit dazu haben - dass muss man nämlich lernen -, werden nun als Ich-AGs da rein geschickt, sind natürlich total verloren, haben Angst - und wählen Nazis. So ist das doch leider! Junge Menschen spüren diese Möglichkeit, wollen eigentlich ihren Job gar nicht abreißen, brauchen aber eine Grundsicherheit, auf der man alles Weitere zumindest formal machen kann. Eine Minimalstruktur - die aber nicht gegeben wird.

Man kämpft sich also ständig dagegen ab, muss gleichzeitig abends die Eltern, die sich noch in dem alten Modell bewegen, anrufen, sagen, dass das alles schon werden wird, und sich trotzdem ein Modell improvisieren, in dem man das alles macht. Da will ich mal wieder Rudi Völler zitieren, denn es geht nicht darum, etwas zu müssen, sondern etwas zu dürfen: Das Dürfen ist eine Chance!

Das möchte ich jetzt nicht FDP-mäßig verbrämen, aber wir sollten uns eine Bewegung in Kleingruppen oder wie auch immer schaffen, um uns gegenseitig zu unterstützen. Alleine werden wir es nämlich nicht schaffen - Ich-AGs sind Bullshit! Wir sind zwar total individualisiert, aber gleichzeitig bewegen wir uns eben ständig auf einer Massenoberfläche, die uns entrückt von dem, was wir eigentlich selber sind.

Aber es geht darum, seine Individualität in einem Zusammenspiel mit Freunden oder Gleichgesinnten zu finden. Das alles steckt für mich nun im Jazz und in dem ganzen Überbau des Lebens, der sogenannten Wahrheit, drin: Man muss kein Ideal suchen, sondern einfach nur genau hinschauen, was sich aus dem Leben selbst - als Bewegung - ergeben kann, und dann muss ich schauen, wie dabei die Rhythmen sind.

Genau das hat Lefèbvre nun erkannt: Es geht nicht mehr um gewisse Räume und Regionen, um gewisse Pläne, die verschaltet sind, sondern um Rythmen, darum, dass wir annehmen, das unser Handeln strukturierend wirkt.

Das klingt ja erstmal hanebüchen, aber wenn wir darüber nachdenken, heisst es doch, dass wir an sich ganz selten darauf vertrauen, das unser Handeln die Zeit strukturiert. Darum geht’s aber. Dieses Vertrauen muss man entwickeln. [...] Wie Joseph Beuys das mit dem erweiterten Kunstbegriff gemacht hat, so ist das für mich eben der erweiterte Musikbegriff. Das klingt jetzt alles ziemlich abgehoben und abstrakt, aber gerade die jungen Leute merken doch zumindest unbewusst, um was es geht, in wie vielen polyrhythmischen Schichte sie im urbanen Leben so verschaltet sind. Das macht auf der einen Seite Spass, ist aber andererseits auch wahnsinnig anstrengend. Mit diesem Druck musst Du umgehen lernen und Dich organisieren, um die darin steckende Energie zu erleben und positiv umsetzen zu können.”

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Vielleicht ist es mit dem Christentum ja genauso: Die Form war da (als Gottes Wort), und alle Bewegung konnte nur als von der Form authorisiert passieren. Da die Postmoderne aber erkannt hat, dass es es eine allgemeingültige Interpretation grosser Teile der Bibel nicht geben kann, sollte man überlegen, in wie weit das Handeln selber eine Form hervorbringt. Das schliesst auch an die “Little Theologies” von Karen Ward (nachzulesen in dem Band “Listening to the Beliefs of Emerging Churches“) und überhaupt an die Betonung der Orthopraxie in der Emerging Conversation an.

Haso hatte ja vor einiger Zeit das schöne Beispiel, dass das Wort Gottes quasi die Partitur sei, und wir die Spieler, die es in immer neuen Kontexten zum Leben erwecken. Vielleicht muss man das aber noch viel radikaler sehen und der Übergang von der Moderne zur Postmoderne gleicht eher einem Übergang von der Klassik zum Jazz: Es gibt keine Partitur, sondern nur die Improvisation. Die Grundlage, ‘der Jazz’ ist der Geist Gottes, aus dem wir leben und der eine Minimalform bildet und gleichzeitig doch so immens gross ist (Siehe auch Peter Rollins Konzept der Hypernymität). Und da wir quasi gezwungen sind, Cluster (z.B. Gemeinden) zu bilden, müssen wir zuhören und erkennen, nach welchen Rhythmen sich die anderen bewegen und wie man da einsteigen kann - oder eben nicht.

Und Gottes Geist wirkt eben nicht nur in der Kiche, wir könnten sehen, wo es andere interessante Rhythmen gibt, mit denen man sich vernetzen kann, was wiederum neue Formen hervorbringt. Diese Formen müssen dann auch nicht automatisch von Dauer sein, sondern dürfen eher zweckgebunden funktionieren. In wie weit das von Nachteil ist, wird man sehen müssen.

Das ist natürlich eine völlig radikale und individualisierte Abkehr von einem traditionellen Kirchenverständnis, aber es könnte ein Weg sein, in der Postmoderne mit Gott zu leben.

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