Unsicherheit rules derzeit.
Gestern war ich bei einem „Schweigemarsch“ im Gedenken an die 14-jährige Kristina Hani, die vor 2 Wochen in einen Rollkoffer gesperrt und im Park an der Thomashöhe hier um die Ecke lebendig verbrannt wurde. Da ich lediglich eine einzige Ankündigung in unserem Hausflur gesehen hatte, befürchtete ich, das nur wenige Leute kommen würden, doch meine Angst war unbegründet. Ich kann ja schlecht schätzen, aber hier steht etwas von 500 Leuten. Auf dem Weg durch den Kiez bis zu der Stelle, an der sie starb, lief ich für einige Zeit hinter einem vielleicht 10-jähren Mädchen, die ein T-Shirt mit der Aufschrift „Royal & Sexy“ trug – das gleiche Shirt hatte Kristina Hani an, als man sie fand.
Im Park angekommen versammelten sich alle um eine mit Blumen geschmückte Stelle auf der Wiese, und eine Frau fing an an „Amazing Grace“ zu singen. Gut, wenn man eigentlich nichts mehr sagen kann, weil Worte nicht mehr helfen, dann kann singen eine gute Idee sein. Leider stelle sich danach ein ca. 40jähriger Mann in den Kreis und verkündete die üblichen Gmeinplätze – Kälte der Gesellschaft und das es in Neukölln so ein Verbrechen nicht nochmal geben dürfe und das man zusammenstehen sollte und so weiter. Über Kristina hat er nichts erzählt. Dabei dachte ich, das wir ihretwegen da wären, nicht wegen der Kälte der Gesellschaft. Als wir uns dann alle die Hand reichen sollten, ging ich wieder heim.
Ich weiss nicht, wie man als Mutter, Vater oder Freund mit so einem Verbrechen fertig wird. In meinem Leben gab es bislang nichts annährend vergleichbares. Früher sah ich in meinem Glauben an Gott auch immer eine Art Garantie für weitestgehende körperlich und seelische Unversehrtheit, aber tatsächlich könnte ich so sterben wie die Mitarbeiter des Bibelverlages, die in der Türkei vor kurzen von Moslems auf eine unfassabar bestialische Weise ermordet wurden. Nirgendwo in der Bibel steht, dass man frei von solchen Schicksalen wäre, ganz im Gegenteil – wie viele Christen wurden (nicht nur) wegen ihres Glaubens ermordet?
Letzte Woche hat Dave bei Rock Berlin über Paulus gesprochen und eine interessante Beobachtung gemacht. Paulus hat Gott nie darum gebeten, dass die Dinge sich für ihn zum günstigerern ändern. Seine Bitte war fast immer, das Gott ihm die Kraft gebe, sich den Realitäten zu stellen. Im Moment ist mein Gefühl der Geborgenheit bei Gott etwas erschüttert.
Dazu kommt noch, meine Liebste und ich gestern den Fahrer einen dicken Mercedes angezeigt haben, der einfach abgehauen ist, nachdem er einen Mini beim Einparken gerammt hatte und von einem Passanten auch noch darauf aufmerksam gemacht wurde. Ich befürchte immer gleich, das durch sowas eine Kette von Ereignissen angestossen wird, die irgendwann in einer Racheaktion gegen uns endet. Das ist natürlich lächerlich im Vergleich, aber würde mich in dieser Scheissgegend hier auch nicht wundern.
Wie auch immer: Unsicherheit rules derzeit. Und ich bete, das Gott spürbar bei Kristinas Familie ist.
Do you believe in rapture?
Mir war es immer egal, ob die Entrückung stattfinden würde oder nicht. Aber ich wusste bislang nicht, das sich das jemand ausgedacht hat.
via
Was für ein Preis?
Ähh, wer hat eigentlich diesen in jeglicher Hinsicht fürchterlichen Begriff „Lobpreis“ in die Gemeinden gebracht? Ich glaube, der ist irgendwann in den 90gern populär geworden, oder? Wenn schon viele (freikirchliche?) Gemeinden auf den die bescheuerte „Jungschar“ verzichten und aus gutem Grund nicht mehr „am Wort gedient“ wird, warum verwenden sogar Gemeinden, die glauben, die seien irgendwie „modern“ dieses für Aussenstehende absolut unverständliche Relikt?
Hoffnung
Gestern abend habe ich mich mit Marcus, dem Gründer der „Hoffnung„-, äh, Initiative? Gemeinde? Kirche? und einem Berliner Mitglied getroffen und bin ziemlich beeindruckt. Die ganze Geschichte ist wirklich dermassen grassroots-ig, das Emergent Church dagegen wie ein Theorie-Monster wirkt.
Im Prinzip sprechen sie Leute auf der Strasse oder im täglichen Leben an und versuchen, sich zum einen mit ihnen über Gott zu unterhalten, sie zum anderen aber auch kennenzulernen. Wenn Leute Interesse haben, dann werden sie auch zum Haupttreffen eingeladen, oder man trifft sich woanders, wobei Gott immer im Mittelpunkt steht. Später dann trifft man sich weiter in kleinen Hausgemeinden, die sich dann natürlich immer weiter teilen. That’s it. Und sie haben wirklich einen ziemlichen Erfolg.
Am meisten beeindruckt hat mich wohl die Tatsache, das sie schlicht genau das machen, was Jesus angefangen und Paulus forgeführt hat. Keines der Mitglieder oder „Leiter“ (wobei die Hierarchien superflach sind) hat Theologie studiert, es ist wirklich Gemeindegründung auf dem niedrigsten Level.
Angefangen hat das vor ein paar Jahren in Berlin. Aus diesem Team sind dann einige umgezogen und haben an ihren neuen Wohnorten wieder neue Hausgemeinden gegründet – teilweise haben sie sich wohl alleine in die Fussgängerzone gestellt, bis sie jemanden getroffen hatten, der sich dafür interessierte, und mit demsie dann weiter gemacht haben.
Mich fordert das u.a. deswegen heraus, weil ich der „Mission“ trotz meines Interesses an EmCh nie eine so grosse Wichtigkeit eingeräumt habe. Natürlich wünsche ich mir auch eine Gruppe, zu der ich auch meine Freunde mitbringen kann, aber so direkt und offensiv fremde Menschen anzusprechen (und das in Berlin!) lässt mich meine Prioritäten doch überdenken. Ich bin mir noch nicht sicher, in wie weit ich mich der ganzen Geschichte anschliessen soll; ich werde mich auf jeden Fall weiter mit ihnen treffen, mal schauen, wie es sich entwickelt.
Gewisse Bedenken habe ich hinsichtlich unterschiedlicher Interessenlagen; ich bin seit 20 Jahren Christ und könnte mir vorstellen, dass mich andere Dinge beschäftigen als jemanden, der Gott gerade kennenlernt. Andererseits merke ich ständig, wie viel ich von den unterschiedlichsten Leuten lernen kann… Gar nicht einfach.
LiveChurch
An der Flughafenstr kurz vor der Herrmannstr. steht eine Neuapostolische Kirche, die bis vor kurzem noch genutzt wurde. Gestern habe ich zufällig gesehen, das ihr Name, der über dem Portal stand, abmontiert wurde und man sie kaufen kann. Laut der website des Maklers ist das Gebäude von 1960 und soll 620.000 EUR kosten.

Ich weiss ja nicht, was bei den Neuapostolischen derzeit so los ist, aber mich stimmt das etwas traurig, wenn Gotteshäuser aufgegeben werden müssen. Ich bedaure nur, das die Kiche nicht etwas freier und ausserdem in Kreuzberg oder im Prenzlauer Berg steht, denn dann könnte man sicherlich einen richtig schnaften Live-Club daraus machen…
Hier noch zwei Bilder aus dem Innenraum

Das würde zwar einiges an Geld verschlingen, aber es würde sich lohnen: Ohne, das es aufgesetzt wirken würde könnte man mit christlichen Symbolen und Versatzstücken arbeiten und vielleicht neben dem normalen Clubbetrieb einen spirituellen Bezug herstellen, in dem auch noch andere Veranstaltungen anbietet.

Naja. War nur so eine Idee.
Von Hillsong zu Hoffnung
Gestern wollte ich endlich mal zur Hillsong Hausgemeinde, nachdem ich schon vor Wochen mit jemandem Kontakt aufgenommen hatte, die mail dann aber zufällig gelöscht habe und der Person dann nochmal schreiben musste. Irgendwie ist es schwierig, mit den Leuten Kontakt aufzunehmen; es gibt keine website oder ähnliches und selbst die Anfrage über die offizielle australische Seite ladete nur wieder bei eben jener Person.
Leider stand an der mir gegebenen Adresse weder jemand vor dem Haus, noch gab es die Namen am Klingelschild. Hm. Nachdem ich eine viertel Stunde dumm vor dem Haus runstand und ich auch bei angrenzenden Nummern nichts fand erinnerte ich mich, das sich Sonntags in den Räumen von Rock Berlin noch eine andere Gemeinde traf. Ich hatte einen Artikel eines Mitglieds dieser Gruppe im Magazin „The Race“ gelesen und schaute mir daraufhin die website der Gemeinde an. Obwohl sie nur Untermieter von Rock Berlin sind, scheint mir die Mitgliederzahl dreimal so hoch.
Als ich ankam, sprach ich direkt jemanden an, der mir ein wenig von der Geschichte der Kirche erzählte und mich einlud, auch danach noch zu bleiben. Zuerst würde es eine Predigt geben, dann eine Stunde lang Kaffeetrinken und Gespräche, woran sich ein Lobpreis-Teil und eine Gesprächsrunde über die Predigt anschliessen sollte.
Ich hörte mir allerdings nur die Predigt an, mit der ich nicht viel anfangen konnte. Sie war explizit an Nichtchristen gerichtet und erinnerte mich eher an eine Comedy-Veranstaltung. Ausserdem fand ich einige Aussagen, naja, zumindest nicht ganz klar. So sagte der Pastor z.B., das man seine eigene Kultur nur dehalb habe, um sich anderen Überlegen zu fühlen; und dass das „Christ-werden“ einen Bruch mit eben dieser Kultur erfordert. Ich denke, ich weiss, was er meint, aber ich halte das für etwas unglücklich ausgedrückt. Der Titel der Veranstaltung war „Du bist zu geil für Deine Zukunft“, wobei das geil auf den Flyern durchgestrichen war und lt. Pastor auch nicht benutzt werden sollte. Ich habe keine Ahnung, ob das auch ein Witz gewesen sein soll, oder was sonst dahinter stecken könnte.
Nach der Predigt unterhielt ich mich dann noch mit dem Menschen, den ich Eingangs kennengelernt hatte und der sagte mir, dass diese „Gottesdienste“ nicht das Zentrale Treffen der Gemeinde ist, sondern nur als eine Art Evangelisierungsveranstaltung diene. Die eigentlichen Treffen wären in kleinen Hausgemeinden, in denen auch sehr viel Wert auf persönliche Beziehungen gelegt werden würde. So habe auch jeder, der neu dazu kommen, einen Mentor.
Später gesellte sich dann noch der Pasor dazu und ich erzählte ihm etwas von meiner Ideee von Gemeinde. Es war ein nettes Gespräch und wir drei treffen uns am Mittwoch mal, um das weiterzuführen. Bovor es weiterging, machte ich mich auf den Weg, denn die Liebste wartete.
Herz aus Gold

Irgendwann gegen Ende der 80ger war ich in Köln bei meinem Freund und Schlagzeuglehrer N. zu Besuch. Das waren immer intensive Anlässe, meistens tranken wir enorm viel Bier, hörten seine neuesten Platten und schwadronierten bis früh in den Morgen über die aktuellen persönlichen Zustände. An diesem Abend spielte er mir ein Album vor, mit dem ich spontan nicht viel anzufangen wusste, das mich aber doch ziemlich beeindruckte: „Landing on water“ von Neil Young.
Ich hörte eine Menge grossartiger Songs, aber die Arrangements klangen nach jemandem, der nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte. Alleine diese beknackten Kinderchöre! Und die selbst für die 80ger billigen Keyboards! Warum sollte man soetwas machen?
Erst einige Zeit später erfuhr ich die Geschichte, die hinter dem Album steckt: David Geffen hatte Neil Young wegen „Unkommerzialität“ verklagt und erstmal sein Budget für die nächste Platte zusammengestrichen. Young dachte sich darauf: Unkommerziell? Kannste haben! und nahm ein Album mit sehr eingängigen Songs auf, die er dann bis ins Lächerliche aufbliess, mit den erwähnten Kinderchören, verhallten Drums und dem ganzen Scheiss, den niemand brauchte. Ach ja, für einen Bassisten gabs kein Geld mehr, darum kommen die Bass-Sounds auch von einem Keyboard. Jemand schrieb mal, das „Landing on water“ die Travestie einer Neil Young Platte sei, und das trifft es ziemlich genau.
Wie auch immer – I was hooked und hört mich mit wachsender Begeisterung durch Youngs Back-Katalag. Als dann irgendwann Ragged Glory (1999?) erschien, war ich bereits im Besitz fast aller Alben; eine Sammelleidenschaft, die bis heute auch die fürchterlichsten Veröffentlichungen überstanden hat. Und davon gibt es schon ein paar, wenn man ehrlich ist. Aber man muss eben auch sehen, das dies der Preis für eine der wahrscheinlich kompromisslosesten Karrieren der Musikgeschichte ist, denn er hat wohl immer nur gemacht, wonach im gerade der Kopf stand, und erlaubte sich, Fehler zu begehen und sich in Sackgassen zu verrennen. Aber gerade das macht ihn mir so überaus symphatisch: Diese weitestgehende Angstfreiheit, Dinge einfach zu probieren und sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen.
Das dabei auch eher unschöne Sachen rauskamen wie seine Unterstützung Reagans im damaligen Wahlkampf – Nunja. Immerhin folgte auf die Einsicht, dass das vielleicht ein Fehler gewesen sein könnte, der Song „This note’s for you“ mit den Zeilen:
„Ain’t singing for Pepsi/
Ain’t singing for Coke/
Ain’t singing for nobody/
Makes me look like a joke“
In den 90gern bis heute folgten ziemlich unterschiedliche Alben, die mich zumeist nicht sonderlich begeisterten. „Mirrorball“ mit Peal Jam fand ich gut, wenn ich auch glaube, das das Album mit Nirvana oder Mudhoney als backing Band noch wesentlich besser geworden wäre. Sein Live-Album „Weld“ zählt für mich zu den besten Live-Alben überhaupt. Richtig gut wurde es m.E. dann erst wieder mit „Silver & Gold“, das zwar nicht viele gute Kritiken bekam, das ich aber trotzdem unter seine 5 besten Alben zählen würde. „Greendale“ fand ich zu uninspriert; sein letzten Album „Prairie Wind“ dann wieder ziemlich grossartig.
Nachdem Prairie Wind erschien, plante Neil Young eine Live-DVD, die auch gleichzeitig die Live-Premiere des Albums werden sollte. Es ging ihm während dieser Zeit nicht sonderlich gut, er hatte ein Anoyrisma im Gehirn, das operativ entfernt werden musste, was ihn offentlichtlich sehr mitnahm. Überhaupt ist „Prairie Wind“ ein sehr reflektives Album, das sich viel mit Vergangenheit und Verlust beschäftigt, daher war die Idee, dieses Konzert im „Ryman Auditorium“ in Nashville, dem Gebäude, in dem früher die „Grand Old Opry“ beheimatet war, zu filmen, fast schon naheliegend. Es gab damals Überlegungen, die Konzerthalle abzureissen, und überhaupt hatte sich die Opry seit ihrem Umzug in eine andere Halle sehr verändert; sie hatte sich von der Geschichte vor allem der Country-Musik, die sie so sehr geprägt hatte, endgültig verabschiedet.
Als der Plan für den Film gefasst wurde und Jonathan Demme als Regisseur gewonnen werden konnte, ging alles sehr schnell. Young rief neben anderen auch seine Freunde in Nashville an, mit denen er auch zuvor schon Alben dort aufgenommen hatte (z.B. „Harvest“ 1972 und „Comes a time“ 1979) und gab allen Beteiligeten nur 10 Tage Zeit, um sich darauf vorzubereiten.
Das Ergebnis ist ein Konzertfilm, der zwar recht spartanisch wirkt, aber gerade dadurch berührt und eigentlich alles erreicht, was Young sich vorgenommen hatte. Er wollte der Geschichte der Country Music seinen Respekt zollen, sagt er in einem der vielen Bonus-Features, und das es eine Art „Celebration of Country Music“ sein sollte. Dieses Konzept schlägt sich in allen Belangen des Films wieder: Die verschiedenen Backdrops der Bühne, die Anzüge und Kleider, sogar das Licht leugnen zwar nicht, dass es sich um ein aktuelles Konzert handelt, nehmen aber immer wieder Bezug auf die reiche Geschichte der Country Music. Sehr schön gelingt Demme dieser Bezug bei dem Song „This old guitar“. Young erzählt, das die Martin, die er spielt, einst Hank Williams gehört habe; und auch der Song, den er mit Emmylou Harris im Duett sing, handelt davon. Dazu beutzt Demme ganz hartes Licht und filmt die beiden von unten, so dass sie tatsächlich so aussehen wie Hank und Audrey, deren Bilder man aus den 50gern aus der Grand Old Opry kennt – allerdings mit dem Unterschied, das Emmylou Harris besser singt.
Auch sonst erzählt Neil Young viel persönliches – von der Farm, die er sich als 21-jähriger gekauft hat und auf der er immer noch lebt, bis zu Geschichten von seinem Vater, der einige Monate vor dem Konzert starb und an Demez litt. Am Ende sagt Young, das dieser Film auch von Familie handelt, von Traditionen, die vererbt werden und von der Gemeinschaft, die man durch sie hat – ein Thema, zu dem Young, der zwei schwerstbehinderte Söhne hat, sicherlich eine Menge zu sagen hat. Und so steht im Schlussbild, ganz unten am Bildschirm auch „for daddy“, was bei vielen anderen Gelegenheiten leicht hätte peinlich wirken können. Hier hingegen fasst diese Zueignung den Abend perfekt zusammen.
Renée C. Byer
Es gibt Dinge, die gleichzeitig so schön und so schmerzhaft sind, das sie mir den Atem rauben:
Brother, my cup is empty
Wenn es etwas gibt, womit man mich ohne weiteres Ködern kann, dann mit Versprechen auf eine engere Beziehung zu Gott. Ich hatte ja neulich einige Podcasts eines sehr konservativen australischen Predigers namens Andrew Strom gehört, dessen Sicht auf die Dinge ich nicht unbedigt zur Gänze teile, der aber einige interessante Ansätze hat.
In seiner „Revival School“ geht er davon aus, das der unmittelbare Zugang zu Gott durch unvergebene Sünde behindert wird, und das es Möglich sei, einen Umgang mit Gott zu haben, der dem abendlichen „Wandeln Gottes und Adams im Garten Eden“ in nichts nachsteht. Er wundere sich, wenn Gebete überhaupt bei Gott ankommen, so man nicht frei von Sünde sei, und ist sich darüber hinaus auch sicher, das man nichts unrechtes mehr tun wird, wenn man Gott gebeten hat – und das ist sein Hauptpunkt – einem die Dinge zu zeigen, die einen von Gott trennen.
Ich weiss nicht, ob ich Gott schonmal explizit darum gebeten habe. Sollte es wirklich nur daran liegen, dass ich trotz aller Nähe, die ich zu ihm empfinde, diesen direkten Austausch, von dem ja auch Storch spricht, nicht habe, dann will ich das natürlich gerne tun, auch wenn ich beweifle, das meine Karriere als Experte im Scheisse-Bauen damit gänzlich beendet ist, aber nun gut. Dieser Nebeneffekt wäre ja nicht der Schlechteste.
Nachdem ich Gott darum gebeten habe, mir zu zeigen, was uns voneinander trennt, passierte erstmal nicht viel, im Gegensatz zu den Zeugnissen auf Herrn Storms website. (aber das scheint bei mir immer so zu sein, ich erinnere mich da gerne an das sog. „Soaking“, was bei mir auch nicht funktionierte). Trotzdem hatte ich den ganz leisen Eindruck, das es evtl der Alkohol sein könnte, der hier unter vielleicht auch anderem zur Diskussion stehen könnte.
Ich trinke übrigens gerne. Und viel. Und das schon lange. Ich habe damit bislang keine Probleme, da ich für physische Süchte nicht anfällig zu sein scheine. So macht es mir auch nichts aus, auf Bier u.ä. zu verzichten. Ich bin sehr selten betrunken, mag aber das Gefühl, nicht mehr nüchtern zu sein, sehr. Seit Montag nun hat kein Tropfen Alkohol meine Lippen passiert, und immerhin habe ich bislang täglich eine sehr gute Zeit mit Gott. Ob das wirklich damit zusammenhängt, weiss ich nicht. Jedenfalls ist das Klassenziel noch nicht erreicht; wahrscheinlich gibt es noch einiges anderes, das zwischen mir und Gott steht.
In diesem Zuge kann ich übrigens auch eine gewisse Reife an mir selber konstatieren. Ich finde die Predigten des Herrn Storm nämlich eigentlich schrecklich. Seine Art, die Beziehung zu Gott als etwas komplett freudloses und todernstes zu beschreiben, erinnert mich sehr an die alten Baptistenprediger aus meiner alten Kirche, die sich natürlich auch geweigert haben, Mikrofone zu benutzen und die mit den Fäusten in der Luft das Endgericht beschworen haben. Früher wäre es mir nicht Möglich gewesen, die guten Ideen solcher Predigten zu goutieren, aber mittlerweile scheine ich ganz gut sieben zu können, was ich mal als „Reife“ interpretiere.
The Pervert’s Guide to Cinema
Den will ich unbedingt sehen:
“Cinema is the ultimate pervert art. It doesn’t give you, what you desire – it tells you how to desire.“ This statement made by the famous philosopher, psychoanalyst and cultural critic Slavoj Zizek marks the beginning of Sophie Fiennes’ intelligent and highly entertaining documentary. The director, who started her career as an apprentice to Peter Greenaway, accompanies Zizek on a journey through the movie world during which he undertakes the task of psychoanalysing cinema itself.
By taking a closer look at cinematic masterpieces of directors like Alfred Hitchcock, Fritz Lang, Charles Chaplin, Sergei Eisenstein, Stanley Kubrick, Andrei Tarkovsky, David Lynch, Lars von Trier and many others, Zizek uncovers the hidden meanings, unspoken fantasies and unconscious desires that lie beneath the shiny surface of the silver screen.
What can the Marx Brothers tell us about the workings of the unconscious? And why exactly do the birds attack in Hitchcock’s masterpiece of horror? Be prepared for surprising, revealing, intelligent and yet humorous answers from your guide Zizek, who “may be a pervert, but he’s a clever one.” (The London Paper Review).
Hier gibt es einen vielversprechenden Auschnitt:
Wobei mir auffällt, dass das, was er über Arbeit sagt, sehr interessant ist: Arbeit in ihrer elementarsten Form als Enfernen eines Flecks, also der Sünde…
Vor einigen Jahren habe ich mal eine Doku über Zizek von zwei deutschen Filmemacherinnen gesehen, die man wohl bestenfalls als „ambitioniert“ bezeichen konnte. Er hat es aber trotzdem geschafft, auch bei den bescheuertsten Fragen noch schlaue Antworten zu geben.
In diesem Zusammenhang kann ich auch sehr den Reader „Was Sie schon immer üner Lacan wissen wollten und Hitchcock nie zu fragen wagten“ empfehlen, ist 2002 bei Suhrkamp Wissenschaft erschienen.
Hallo Foodwatch.
Hallo Foodwatch. Ich finde Dich eigentlich ziemlich super und freue mich, dass es Oranisationen wie Dich gibt. Eher unsuper finde ich es aber, wenn Du abends bei uns anrufst und penetrant Auskunft verlangst, warum wir denn nicht zu Spenden gedenken. Das alles, nachdem wir uns vor kurzem in Deinen newsletter-Verteiler eingetragen haben.
Also bitte: Lassen. Sonst zwingst Du mich, am Ende noch unfreundlich zu werden. Und sas wollen wir doch beide nicht.
death next door
Gestern zwischen 23 und 00 Uhr lag ich im Bett und habe gelesen, während 200m weiter eine 20-jährige bei lebendigem Leib verbrannte. Wahrscheinlich wurde sie in einen Koffer gezwängt, welcher dann mit einer leicht brennbaren Flüssigkeit übergossen und angesteckt wurde. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke. Und auch, wenn sich mit die Theodizee-Frage nicht mehr unbedingt stellt – manchmal ist es kaum auszuhalten.
Face/Off
Peter Rollins Buch „How (not) to speak of God“ macht mir derzeit sehr viel Freude. Er bringt so viele Gedankengänge, die ich in den letzten Monaten hatte, auf den Punkt und eröffnet andererseits ganz neue Perspektiven, das ich es gleich nochmal lesen werde, wenn ich durch bin (3 Gottesdienste fehlen mir noch).
Mein Germanistik-Studium und der dortige Kontakt mit Cultural Studies hat mich sehr geprägt, und ich habe mich implizit immer gefragt, wie sich Postmoderne und Glauben zusammenbringen lassen. Rollins macht das auf eine unglaublich klare und einfach Art, die mich teilweise wirklich begeistert.
Zum Beispiel ist mir seit einiger Zeit klar, das ich überhaupt nicht weiss, wer Gott ist. Je mehr ich über ihn lese und von Menschen über sein Wirken höre, desto rätselhafter und unbegreiflicher scheint mir sein Wesen zu werden. Ich kommt mir wirklich vor wie diese eine Person in dem Witz, den ich gerade nicht mehr ganz zusammenkriege, wo Blinde einen Elefanten beschreiben sollen und der eine fühlt nur ein Stück der Haut und muss eben das Teil für das Ganze halten.
Vor kurzen habe ich ein paar Predigten eines sehr konservativen australischen Predigers gehört, auf den ich zufällig gestossen bin, bei denen es teilweise auch darum geht, das man den Gott kennen MUSS, an den man glaubt und ich wirklich sagen muss, das ich das niemals behaupten kann: Ich kenne meinen Gott. Ich glaube mittlerweile, das ich einiges von Jesus kenne und das er das vielleicht das Gesicht meines Gottes ist (oder vielleicht eher: Die Hände).
Rollins bringt das in seinem Konzept des a/theismus wunderbar zusammen, und eigentlich ist es so offensichtlich (man hätte nur mal die Dialektik der Aufklärung auf das Christentum beziehen müssen, quasi): Das jeden Wissen um Gott eben auch das Wissen um die Vorläufigkeit und sein provisorisches beinhalten muss, und das es eben nicht um den „richtigen Glauben“ sondern um die Bereitschaft zu einer dynamischen Veränderung geht.
Und so geht es mir mit vielen seiner Gedankengänge. Manche Überlegungen, wie z.B. das Konzept, das Liebe eine eigene Wahrheit zeitigt, gehen mir momentan noch etwas gegen den Strich, so konsequent sie auch gedacht sind, aber ich schätze, an dem Buch werde ich mich noch etwas abarbeiten müssen. Ich hoffe, das erscheint bald auf deutsch.
Ich muss allerdings sagen, das ich die Beschreibungen seiner Gottesdienste teilweise eher befremdlich finde. Da liegt mir persönlich zuviel Pathos und Ritual im Weg rum, das ich für mich erstmal nicht mehr bei einem Gottesdienst sehen möchte, aber es sind eben auch nur Beschreibungen. Die wirklichen Veranstaltungen machen sicherlich einen ganz anderen Eindruck.
Ich würde mal sagen: Wenn Sie auch nur ein spirituelles Buch lesen in diesem Jahr: Lesen sie das von Peter Rollins.
Face/Off ist übrigens der Titel eines Meisterwerkes von John Woo, bei dem sich die Poststrukturalisten wohl kollektiv vor Freude ins Höschen gemacht haben, denn es behandelt die Frage nach dem Kern der Identität des Anderen und legt die ( postmoderne) Deutung nahe, das sie ausschliesslich an der Oberfläche lokalisiert ist, und das eben ein letztendlicher Zweifel immer bleibt. Quasi Lacans nie aufgehender Rest, um den herum und aufgrund dessen sich sich die Realität überhaupt strukturieren kann.)
Stöckchen mal wieder.
Meine Laune dümpelt. re:publica ist nicht, Geld habe ich auch keins und eine Woche family reunion waren zwar ok, aber ich fühle mich noch erschöpfter als vorher. Und Lust, zu arbeiten, habe ich auch nicht. Zeit für ein Stöckchen von Pickaboo.
4 Jobs, die du in deinem Leben gerne getan hättest:
Da gibt’snur 3:
- Chef meiner eigenen Plattenfirma
- Profimusiker
- Professor f. neue deutsche Literatur
10 Filme, die du immer wieder anschauen kannst:
Da fallen mir auch nur 3 ein:
- The Big Lebowski
- Taxi Driver
- Chase the devil
5 Städte, in denen du gerne leben möchtest:
- San Francisco
- Seattle
- New York
- Nashville
- Tucson
4 Plätze, an denen du im Urlaub warst:
- Panormo, Kreta
- Deiá, Mollorca,
- Büsum
- Dueodde, Bornholm
- Wichita Falls, Texas
5 deiner Lieblingsserien:
- The Simpsons
- Dr. House
- The Closer
- 4400
- Lost
4 Plätze, wo du gern gerade wärst:
Siehe 5
3 Bücher, die du immer wieder lesen kannst oder gerne gelesen hast:
- Slavoy Zikek: Liebe Dein Symptom wie Dich selbst
- Die Bibel, natürlich
- Kapielski’s Gesamtwerk
14 Cds, die du immer wieder hören kannst:
Harry Smith – Anthology of American Folk Music
Richard Buckner – since
The Louvin Brothers – Satan is real
Townes van Zandt – Abnormal
The Carter Family - Can the circlebe unbroken
Sonic Youth – Daydream Nation
Chris & Carla – Swinger 500
Neil Young – Tonight’s the night
Gillian Welch – Time (the revelator)
Cardigans – Long gone before daylight
US Maple – Long hair in three stages
Robert Wyatt – Rock Bottom
John Prine – Souvenirs
The Band – The Band
Vielleicht möchte Tino da ja mal was zu sagen… Und das Bodenpersonal? Hm?
Sounds like fun!
Heute morgen eine mail von meinem israelischen Kollegen aus London bekommen:
„Hi, tonight is Passover when us Jews celebrate in memory of how God and his main man Moses liberated us from Egyptian slavery through the systematic ritual genocide of all of Egypt’s first borns. Fun! The Jewish God is pretty heavy metal.
So, er, happy Passover, and Easter“




























































