Erdnusbutter

März 31, 2007 at 10:05 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Nein, dieses Video scheint keine Parodie auf Kreationisten zu sein.


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Zehn

März 28, 2007 at 10:07 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Die Liebste hat mit Gott ja leider nichts am Hut. Neulich sind wir irgendwie auf den “Zehnten” gekommen und ich erzählte ihr, das dies ein biblisches Prinzip sein, was sie überhaupt nicht verstand. Auch, nachdem ich ihr erklärt hatte, das sich gerade Freikirchen dadurch selbst finanzieren und so unabhängig sind meinte sie, wie man so etwas nur machen könne, vor allem bei Leuten, denen es finanziell nicht gerade gut geht.

Ich zog es dann vor, ihr nicht zu erzählen, das ich das seit Anfang des Jahres auch praktiziere, zumal es mir momentan richtig scheisse geht, was das Geld betrifft. Ich hatte ja durchaus gehofft, das Gott sich darum irgendwie kümmert und ich hoffe das immer noch, aber derzeit sieht es nicht gut aus.

Immerhin werde ich nach 2 weiteren Raten die BaföG-Rückzahlung hinter mir haben, und auch die Tour, die ich gebucht hatte, bringt etwas Geld. Allerdings sind der Band die Einnahmen von vier Shows geklaut worden, was mich eigentlich dazu veranlassen würde, mein Honorar zu verringern - wenn ich es mir nur leisten könnte… Dieser Geld-Quatsch nervt mich manchmal wirklich maßlos.

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Segnungen

März 26, 2007 at 10:08 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Gottesdienst eine junge Frau namens Franziska kennengelernt, die mir von ihrer Lebensgeschichte im “Berliner Prekariat” erzählte. Sie hatte nie etwas anderes erlebt, als von Sozialhilfe abhängig zu sein; ihre Mutter war alleinerziehend und als Ungelernte ohne Schulabschluss hat sie nie einen richtig Job bekommen. Allerdings wollte sie immer, das ihre es Tochter es besser hat und so hat diese die Hauptschule zuende gemacht und sich danach mit McJobs durchgeschlagen. Auf einer Abendschule hat sie dann die mittlere Reife nachgeholt und eine Ausbildung als Fachverkäuferin gemacht. Nun hat sie endlich eine richtige Stelle und will auch das Abitur in einer Abendschule nachholen. Dabei sei sie keine Christin, meinte sie; Interesse habe sie schon, aber sie käme hauptsächlich, weil sie so andere Menschen kennenlernen würde und etwas unternehmen wolle.

Mir nötig das einen ungeheuren Respekt ab und ich bin fast etwas neidisch, wenn Leute mit so einem unglaublichen drive kennenlerne, die alles tun, um die Ziele zu erreichen, die sie sich gesteckt haben. Mir fiel ja eigentlich immer alles mehr oder weniger in den Schoß; ich bewege mich finanziell und karrieretechnisch zwar knapp über der Grasnarbe, aber richtig kämpfen habe ich nie müssen.

Was ich bei Franziska noch bemerkenswert fand, ist die Tatsache, das sie das alles durchstehen muss, weil sie einfach nie richtig gefördert wurde. Ich glaube ja, dass man Intelligenz oft schon an den Augen erkennen kann, und ich war mir schon beim ersten Blick sicher, dass sie ohne weiteres das Abitur und noch vieles andere geschafft hätte, wenn man sie denn gelassen hätte.

Mich erinnert das an etwas, das ich vor einiger Zeit über das Wesen des Segens Gottes herausgefunden zu haben glaube. Als ich mich damals bekehrte, was ich in der achten Klasse der Realschule und “auf Krawall gebürstet”, wie man so schön sagt. Ich habe nicht ein Fach mit Interesse verfolgt und wenn das so weiter gegangen wäre, dann hätte ich wohl auch die mittlere Reife abschreiben können.

Nach meiner Bekehrung veränderte ich mich völlig. Schon bald wurde Deutsch mein Lieblingsfach und generell veränderte sich meine gesamte Perspektive. Am Ende der Realschule konnte ich mir vorstellen, auf’s Gymnasium zu gehen (was ich schliesslich auch gemacht habe) und bin in der 10. Klasse sogar zum Schulsprecher gewählt worden - drei Jahre zuvor wäre das alles komplett unvorstellbar gewesen.

Ich glaube, das Gott mich nach meiner Bekehrung gesegnet hat, in dem er mir selber meine Anlagen und Fähigkeiten zeigte und mir half, das Beste aus mir rauszuholen. Ich glaube, das dies eine der wirkungsweisen seines Segens ist, vielleicht vor allem in Zeiten, in denen man selber nicht unbedingt die Kraft oder die Einsicht hat, um selber tätig zu werden.

Ich hoffe (und mir scheint es so), dass Gott auch Franziska in dieser Weise segnet und sie all das nachholen kann, was sie versäumen musste, weil die Umstände es nicht zuliessen. Und das macht mir gerade ziemlich gute Laune…

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Das alte Testament muss verboten werden!

März 22, 2007 at 10:09 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Nach einer Studie, die die Wirkung von Gewaltdarstellungen in der Bibel untersuchte, können nicht nur Filme oder Computerspiele aggressiver machen, sondern auch durch Gott sanktionierte Gewalt in Texten

Das ist jetzt aber nicht so irre originell, oder? Gabs da in den 70gern nicht eine Schwemme von Untersuchungen über die Folgen von Macht, die sowas irgendwie auch aussagten? Erstaunlich, das ich nach jahrelanger Indoktrination durch die Sonntagschule doch nie mit einem Sturmgewehr in Schule bin, weil Gott mir gesagt hatte. Erinnert mich übrigens gerade an meinen Lieblings-Bild-Titel „Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!” von Polke.

Schlimm.
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Ein Wort der Warnung

März 20, 2007 at 10:10 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Ich weiss nicht, wer Rudolf Ebertshäuser ist, aber ein kurzer Google-search lässt tief blicken - Vom Marxisten zum Charismatiker zum Ultra-Konservativen. Auf dieser website gibt es eine recht unterhaltsame und um so ausführlichere Warnung vor den Irrlehren der Emerging Church. Und eine schöne Exemplifizierung der im letzten posting erwähnten Angst der Evangelikalen, das jemand das in Frage stellen könnte, was sie für den Kern ihres Glaubens halten. Bei Ebertshäuser nimmt das schon teils groteske Züge an, aber die Mechanismen sind ja immer die gleichen.

Dazu kommt hier noch die Gleichsetzung von Em. Ch. mit den Ansichten von Erwin McManus, dessen Buch “Eine unaufhaltsame Kraft” er hier kritisiert, eine komplette Unkenntnis, was PoMo und Dekonstruktion ist, und eine zweifelhafte eigene Bibelkennis (z.B. „geistliche Kriegsführung“ ist komplett unbiblisch? Eph.6?).

Sehr deutlich in seiner Tirade wird die unverholene Arroganz, mit der er glaubt, die Deutungshoheit über den Glauben zu besitzen und über andere Meinungen richten zu dürfen. Das “Problem” ist bei McManus Buch (das ich nicht gelesen habe, aber oft zitiert wird) natürlich, das es anscheinend recht provokativ geschrieben ist, aber Ebertshäuser leider nicht zum nachdenken anregt, sondern ihn in jede Falle tapsen lässt, die McManuns (nicht) aufgestellt hat. Jedes Zitat wird mit Behauptungen und Versen widerlegt, als stünde der Gehörnte höchstpersönlich dahinter (was er für Ebertshäuser allerdings auch tut).

Wahnsinn. Und die Bibel hat mal wieder recht: Das Wort tötet.

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Jesus died, not for our sins. Jesus died for God’s sins.

März 19, 2007 at 10:11 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Richard Beck, wohl der originellste christliche Denker, fragt sich, was ein Advocatus Diaboli gegen Gott vorbringen würde, und endet bei einer Interpretation von Jesus Tod aus menschlicher Sicht, die ich für faszinierend halte: Jesus starb für Gottes Sünden.

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Out of focus

März 19, 2007 at 10:10 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Eine Magen-Darum Grippe und der Besuch des Bonnie Prince Billy-Konzertes verhinderten es letztendlich, das ich meine kirchlichen Feldstudien am Wochenende fortsetzen konnte. Dafür habe ich das Brian McLaren-Buch ausgelesen, das mich ziemlich begeistert hat. Um da was genaueres drüber zu schreiben, müsste ich es nochmal lesen, aber darüber gibt es ja in anderen blogs schon genaueres. Nochmal Dank an Pickboo, auf dessen Tipp ich es mir zugelegt habe. Wenn es doch bloß einen anderen Titel hätte…

Jordanus schrieb in einem Kommentar dazu:

“Wenn Leute nicht mehr soviel auf das Kreuz schauen wollen, ist das für mich schon ein bißchen verdächtig. Ich glaube wirklich, dass dieser Versöhnungsakt das eigentlich Wichtige ist und das der Rest sich daraus ergibt. Der Weg ins Reich Gottes führt über das Kreuz.”

Ich bezweifelte in meiner Antwort darauf, das die Em. Ch. “nicht mehr so auf das Kreuz schaut”, aber vielleicht ist da doch etwas Wahres dran. In einem seiner “Letters to Emerging Christians” schreibt Scot McLaren auf die Frage, was die einzelnen christlichen Gruppen jeweils am meisten fürchten:

“Evangelicals, on the other hand, are most fearful of change to the core of what is perceived as central to their faith. By nature, Evangelicals are Conservatives — some with an upper-case “C” and some not (that’s a big difference but I’ll not go there now) — and they are Traditionalists. Which means they think their ancestors got things Right and there is no need to change.”

Wenn ich mir den “Evangelikalen”-Schuh mal anziehe (nach 20 Jahren Baptisten und Methodisten auch wohl nicht ganz unberechtigt), dann kenne ich die Angst, innerhalb des Glaubens “vom rechten Weg” abzukommen, ganz gut. Es wurde in meiner Umgebung immer auf Jesus’ Tod an Kreuz fokussiert, und die mehrfache Erwähnung dieses Aktes galt dann auch immer als Hinweis auf eine “korrekte Gesinnung”.

Nach McLarens Buch frage ich mich, in wie weit ich mich selber mal etwas locker machen und die Brennweite verkleinern darf, um zu sehen, was Jesus eigentlich sonst noch wollte. Ich habe das Gefühl dass der Gedanke, das Reich Gottes sei bereits hier und kann aktiv mitgestaltet werden, den Reichtum der Guten Nachricht nochmal erweitert und auch endlich Schluss macht mit der pietistischen Jenseitsgewandtheit, die ich schon lange als “eher unwichtig” empfinde. Ausserdem legt es den Schwerpunkt auf das Handeln in der Welt und nicht nur an ihr, und das ist genau das, was m.E. viel zu kurz kommt (vor allem auch bei mir). Und wenn, findet es fast nur im jeweiligen gemeindlichen Kontext statt, als ob Gott irgendwo unterschrieben hätte, seine Tätigkeiten auschliesslich auf Kirchen zu fixieren.

Diese neue, weitere und auch voraussetzungslosere Sichtweise auf Jesus empfinde ich als sehr befreiend - Gottes Liebe ist schliesslich nicht davon abhängig, dass ich mindestens einmal täglich an den Tod am Kreuz denke. In gewisser Weise waren mir die Katholiken da weit voraus, schliesslich sind sie immer bereit gewesen, Sonderlehren und traditionsgebundene Gotteserfahrungen zu akzeptieren. Allerdings ist diese Freiheit bei ihnen zum allergrößten Teil rückwärtsgewand, wohingegen ich glaube, das es bei mir (und der Em. Ch.) eher auf aktuelle und kommende Kontextbezüge ankommen wird.

Aber trotz allem: Damit gucke ich nicht “weg vom Kreuz”. Jesu’ Tod und Auferstehung ist immer noch die zentrale Aussage des Evangeliums - aber drum herum gibt es auch einen wunderschönen Garten, den es zu entdecken gilt.

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Rock Berlin

März 12, 2007 at 10:12 Uhr nachmittags (Emerging Church)

Samstag abend war ich bei der Gemeinde “Rock Berlin” im Prenzlauer Berg. Die Räume sind unter dem Dach des Hauses, in dem auch das “Blow Up”-Kino residiert und nur über einen Fahrstuhl zu erreichen. Als Wohnung wäre dieser Loft wohl der feuchte Traum jedes zweiten Berlinbewohners unter 30. Ich fühle mich sofort sehr wohl, bemerke aber erst später, warum: Die Wände sind dunkelrot gestrichen und es stehen Vitrinen und Bücherregale von IKEA rum - aus der selben Serie, wie sie auch bei mir zu Hause vor MEINER roten Wand stehen… In einer Ecke gibt es eine große Bühne mit Musikinstrumenten, flankiert von einer grotesk überdimensionierten und sauteuren Mackie-PA. Vor der Bühne stehen Couches und Sessel, hinter diesen Tische mit Stühlen. Es gibt viele Tische mit Infos und Getränken und hinter einem Wanddurchbruch eine grosse Küche.

Kurz nach Eintritt werde ich wieder von einer jungen Frau begrüsst, die mir etwas über das Projekt erzählt und mir auch gleich den gerade vorbeilaufenden Pastor namens Dave vorstellt. Dave ist Amerikaner, um die 50 und hat irrsinnig warme und freundliche Augen. Er erzählt, das die Gemeinde von amerikanischen Missionare gegründet wurde, die vor einigen Jahren aus Minnesota nach Berlin kamen. Leider haben sich wohl viele Erwartungen nicht erfüllt und die meisten sind wieder in die USA gegangen, aber eines der Projekte, die Erfolg hatten, war Rock Berlin. Der eigentliche Pastor musste aber wieder zurück und hatte Dave gefragt, ob er sich vorstellen könnte, hier zu arbeiten, und so kam er vor zwei Jahren nach Berlin und spricht auch fast kein deutsch. (Eigentlich merwürdig für einen Pastor, nicht die Sprache des Landes zu sprechen, in dem er arbeitet, finde ich).

Regelmässig kämen so um die 40 Leute zum Gottesdienst, erzählt er, und das sie viel Wert auf Gemeinschaft legen. So gibt es nach jedem Gottesdienst ein gemeinsames Essen (ich werde herzlich eingeladen), dann wird noch ein Film gezeigt und meistens bleiben die Leute bis in die Nacht zusammen. Finde ich sympathisch, hat aber durch des Samstag-abend-Termin irgendwie etwas von Kids-von-der-Strasse-holen… Es gibt bei Rock Berlin auch keine feste Mitgliedschaft, deshalb gibt es auch immer viele Gäste, die nur manchmal vorbei schauen würden, aber ich habe den Eindruck, das Unverbindlichkeit hier kein grosses Problem ist.

Auch, wenn ich Dave nicht darauf angesprochen habe, scheint die Gemeinde von der amerikanischen Mutterkirche unterstützt zu werden. Ich kann mir nicht vorstellen, das die 40 Leute, die alle auch noch sehr jung sind (jünger als beim Berlinprojekt), das Geld für den Raum und die Einrichting aufbringen können.

Der Gottesdienst beginnt aus mir unbekannten Gründen immer um 18:07. Eine Band besteigt die Bühne und spielt Songs. Leider ist die Band nicht ganz so dolle, der Schlagzeuger spielt zwar mit Hotrods, aber Dynamik kennt er nicht, und wenn er hin und wieder doch noch etwas von ihrer Existenz zu erahnen scheint, wird das gnadenlos von einem Djemben-Spieler niedergeknüppelt. Djemben sind ja eh mein Hass-Intrument No.1 (Neben Saxophonen, die sich ausserhalb von Jazz tummeln), diese Performance hier bestärkt mal wieder mein Vorurteil…
Wärend der Lieder bleiben die meisten sitzen, doch es gibt auch Leute, die aufstehen, die Hände heben oder ein wenig tanzen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass es jedem frei gestellt sich, so anzubeten, wie er es möchte.

Vor einem der Songs sagt der Sänger, das es danach Abendmahl gibt. Vor der Bühne stehen ein Teller mit Brot und einer mit kleinen Gläschen und jeder soll sich selber nehmen. Leider verpasse ich den richtigen Zeitpunkt und traue mich dann nicht mehr nach vorne zu gehen. Es wird gebetet, dann kommt Pastor Dave nebst einem jungen Mann, der die Predigt übersetzt.

Dave kündigt eine Serie über den Epheser-Brief an und die heutige Predigt sei als Einleitung zu betrachten. Er projeziert einige Karten an die Wand und erwähnt auch, das Geographie sein Hobby sei, wir also Geduld mit ihm haben müssen. Nach kurzer Zeit allerdings fängt das ständige Satz-fürSatz-Übersetzen an, mich massiv zu stören. Da ich in meinem einen Job ausschliesslich englisch sprechen muss, verstehe ich Dave sehr gut, und obwohl man natürlich davon ausgehen muss, das nicht alle einer englischen Predigt ohne weiteres folgen können frage ich mich, ob eine Übersetzung so eine gute Idee ist. War mir der Pastor beim Berlinprojekt zu schnell, so ist mir das hier viel zu langsam und ich habe Mühe, mich zu konzentrieren. Aber Dave ist sehr humorvoll und scheint keine Mühe zu haben, die Leute bei der Stange zu halten, also ist das wohl mein Privatproblem.

Nach der Predigt gibt es noch 2 Songs den Segen und die Bekanntmachungen (die, was ich nie verstanden habe, in manchen Kirche ANkündigungen heissen, in anderen wiederum ABkündigungen genannt werden; auch, wenn sie bereits vor der Predigt gelesen werden…) Nächsten Freitag trifft man sich zum Filmgucken, und der Trailer von “Sommer vorm Balkon” wird eingespielt.

Es wird nochmal zum Essen eingeladen (Potluck!), und alles geht eher fliessend in den weiteren Abend über. Ich schaue mich noch ein wenig um und sehe Listen für diverse Kreativgruppen. Eine Frau meinte Anfangs zu mir, das sich viele Gruppen im Aufbau befänden und es gerade so richtig los gehen würde.

Leider kann ich nicht bleiben, da die Liebste heute kochen will, und fahre nach Hause.

Ich finde es für mich sehr gewöhnungsbedürftig, am Samstag Gottesdienst zu feiern, aber es ergibt in jedem Fall Sinn, wenn dieser nur ein Teil der Gemeinschaft ist. Trotzdem habe ich mich sehr wohl gefühlt und werde sicherlich nochmal wiederkommen. Schade fand ich, das wieder nur wenige Leute den Gottesdienst gestalten, und das es eigentlich auch nur zwei Programmpunkte gibt: Singen, Predigt. Es ist ja immer noch mein Wunsch, das viel mehr persönliches passiert, das Leute z.B. von sich erzählen, irgendetwas vortragen oder sonstwas machen. Aber das Gemeindeleben scheint recht aktiv zu sein, und ich war ja erst einmal da, kann mir also noch lange kein Urteil erlauben.

Ich hoffe, nächsten Sonntag schaffe ich es zur Hillsong-Gemeinde, die aber eher eine Hauskirche ist.

Ach ja: Der Pastor des Berlin-Projekts hat mir nach drei Woche doch noch eine sehr nette Antwort geschrieben. Näheres in den Kommentaren des Artikels.

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Wer heute arm ist wird es lange bleiben.

März 9, 2007 at 10:13 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Wow. Ariadne von Schirach bemühte sich eben in der NDR Talk Show mit Leibeskräften, das arrogante Töchterlein reicher Eltern zu geben. Sie hat sogar “postmodern” gesagt. Frank Zander bemerkte zu der Frage, warum das in Berlin spielen musste, das sie in ihrem Buch einen sehr elitären und bevorzugten Ausschnitt der Realität wiedergeben würde und er die Stadt auch von der anderen Seite kenne, die nicht so schön und reich ist und wo es für die Fragen ihres Buches kein Interesse und auch keine Zeit geben würde. Darauf wusste AvS nur zu entgegen, dass sie auch Freunde hätte, die von Hartz 4 lebten.

Darauf reduziert sich bei solchen Menschen immer alles. Als ob es nur um die Kohle ginge und nicht um die ganzen Leben dahinter, die niemals die Chancen hatten, sich ihres Potentials bewusst zu werden, und sei es auch nur durch 16 Semester Kunstgeschichte. Die Frage, wer hier wirklich arm ist, muss wohl am Ende jeder für sich selber beantworten.

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Push the button

März 5, 2007 at 10:14 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Heute mache ich mal was, das ich sonst nie mache: Ich gebe mir selber ein Label. In den letzten Monaten - eigentlich zeitgleich mit dem Beginn dieses blogs - hat sich mein Verständis von dem, was Gemeinde sein könnte, sehr verändert. Über diverse blogs bin ich auf den Emerging Church-Diskurs gestoßen und finde meine Überlegungen in vielen Bereichen wieder. Leider scheint Berlin von diesen Ideen weitestgehend unberührt, und so verbindet sich mit dem Banner auch die Hoffnung, hier Leute kennenzulernen, mit denen man darüber diskutieren kann. Wir werden sehen.

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Berlinprojekt

März 4, 2007 at 10:15 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Heute abend habe ich es endlich geschafft, mal beim Gottesdienst des Berlinprojekts vorbeizuschauen. Die Gemeinde gehört zum Bund Freier evangelischer Gemeinden und hat einen Raum über dem REWE-Supermarkt in der Kulturbrauerei. Neben dem späten Beginn des Gottesdienstes (17 Uhr) fand ich vor allem die website interessant, auf welcher sich auch folgendes Zitat findet:

Deshalb glauben wir, dass es sich lohnt diese alten Grundlagen neu zu bedenken und für heute zu übersetzen. Auf eine Art und Weise, die etwas mit unserem Leben zu tun hat und die Lockerheit und Freude anstatt Druck und Verklemmung ausdrückt. Und in einem Rahmen, der jedem die Freiheit lässt Gott und den Glauben selbst für sich zu entdecken…”

Als ich in den Gemeinderaum komme, werde ich nett von einer jungen Frau begrüßt, die mir ein Heft mit dem Gottesdienstprogramm in die Hand drückt. Neben den Liedtexten und dem Predigtext finden sich auch aktuelle Kleinanzeigen für die jeweilige Woche. Das finde ich zwar ganz symphatisch, aber jede Woche 150 Hefte für die Gottesdienstbesucher zu drucken… ist nun nicht eben ressourcenfreundlich.

Der Gemeinderaum selber ist ein grösser, weissgestrichener Raum mit Stühlen drin. Vorne stehen ein paar Mikros und drei grössere Holzplatten an der Wand. Ansonsten gibt es noch einen Tisch mit Getränken, drei Garderoben und eine kleine Spielecke für die Kleinen. Der vordere Bereich wird von Baustellen-Halogenflutern und zwei kleinen Traversen beleuchtet, die an den Seiten stehen. Ansonsten ist der Raum komplett kahl. Kein Bild, keine Pflanze, nichts. Mir fällt nichts ein, was man tun könnte, um einen Raum noch weniger gemütlich und einladend zu gestalten. Ist das vielleicht eine postmodernes Design-Konzept, das ich nicht verstehe? Oder bin ich unter Neo-Puritaner geraten? Sehr merkwürdig.

Ich scheine fast der Einzige zu sein, der das mit den 17 Uhr ernst nimmt, die meisten trefffen erst später ein und der Gottesdienst beginnt auch erst ca. 20 Min. später. Die meisten Besucher sind zw. 25 und 35, und wenn jemand in Berlin eine christliche Partnerin sucht, sollte er es mal in dieser Gemeinde versuchen, denn geschätze 70% scheinen Single-Frauen zu sein. Die Begrüssung der Leute untereinander ist sehr herzlich, und die sterile Atmosphäre lockert sich etwas.

Der Abend beginnt mir einem klassischen Cello-Stück. Dann folgt eine Begrüssung und zwei Lieder, die jeweils mit einer akustischen Gitarre begleitet werden; eine Band o.ä. scheint es nicht zu geben. Es wird hin und wieder aufgefordert (nicht freigestellt), sich zu erheben. Die Lieder selber werden ohne jedwede Gefühlsregung gesungen. Hände bleiben unten, geklatscht wird nicht. Ich checke verstohlen, ob es vielleicht eine Geschlechteraufteilung bei den Sitzplätzen gibt, kann aber keine erkennen.

Es folgt ein gelesener Predigttext und dann - die Predigt selber. Der Pastor ist mir sehr sympathisch: er dürfte um die 30 sein und strahlt Selbstvertrauen aus. Leider spricht er unglaublich schnell und ich komme kaum hinterher, weil ich die unangenehme Angewohnheit habe, eigenen Gedankengängen zu folgen, die von Aussagen der Predigt angetriggert werden. Trotzdem reisse ich mich zusammen und kriege das meiste mit; leider habe ich mein Notzizbuch nicht dabei und verzichte hier mal auf eine Zusammenfassung. Der Pastor betont, dass sich sich an eine bestimmte Regel für die Texte halten, und das über diesen Text eben zu dieser Zeit gepredigt wird. Warum man sich daran hält, wird nicht gesagt.

Nach der Predigt folgt das Abendmahl, das anscheinend jede Woche gefeiert wird. Nichtchristen wird explizit nahegelegt, NICHT daran teilzunehmen, sondern sich auf die Musik zu konzentrieren oder sich mit einem in den Programmheften abgedruckten Text zu befassen. An beiden Seiten desRaumen steht jeweils ein Päärchen und bietet zerbröseltes Knäckebrot und Wein in kleinen Becherchen an, alles auf und in hochoffiziösem Abendmahlsgeschirr aus Silber mit Kreuz obendrauf. Zu meiner Verblüffung nimmt ein gutes Drittel der Gemeinde nicht dran teil.
Danach gibt es noch ein paar Lieder und Gebete und ganz am Schluss spielt und singt ein Besucher aus Texas noch einen Song. Das wars. Beim rausgehen spricht mich niemand an.

Ich muss sagen, das ich doch etwas enttäuscht bin. Der Wusch, “alte Grundlagen neu zu bedenken und für heute zu übersetzen” treibt mich ja auch um, aber ich scheine völlig andere Dinge damit zu verbinden und auch zu anderen Ergebnissen zu kommen. Super finde ich vor allem den späten Beginn des Gottesdienstes, und auch, das viel gebetet wird, gefällt mir. Aber in fast allen anderen Belangen scheint mir das Berlinprojet wie jede andere Freikirche auch zu sein.

Ausserdem störte mich eines noch massiv: Ich hatte dem einen Pastor vor ca. 2 Wochen eine mail geschrieben, auf die ich keine Antwort bekam, und ich denke, sowas geht einfach gar nicht. Besser kann man sein Desinteresse an Interessenten und potentiellen Besuchern kaum zum Ausdruck bringen.

NACHTRAG: Ich habe doch noch eine mail vom Pastor bekommen. Näheres in den Kommentaren.

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Kirche und EC - ein polemischer Spass.

März 2, 2007 at 10:15 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Als ich mir heute morgen das übliche Rumgekeife des Blogwarts Don Alphonso durchlas dachte ich, dass das Verhältnis von Print und Blog vielleicht ähnlich ist wie von manchen Kirchen zu Emerging Church:

(Das ist hier nur ein kleiner, polemischer Spass mit gewissem Wahrheitsgehalt. Ich halte Kirchen nicht für obsolet und identifiziere mich nicht völlig mit der EC.)

“Eure Besucherzahlen kacken ab, die jungen Menschen laufen Euch davon und die alten sterben, seit Jahren seid ihr im Niedergang, und alles, was Euren Leitern einfällt, ist die Veranstaltung von irgendwelchem “Jugend”-zeug, weil die jungen Leute das ja gerne machen. Ihr habt längst den Kampf um das Reich Gottes aufgegeben, unter den Religionen seid Ihr nur noch kleine Nummern unter irgendwelchen Drittverwertern und niveaulosen Zusammenrottungen. Die Kirchen waren bis vor 150 Jahren unangefochtene Religionsführer, heute passen Prostestanten, Katholiken, und Freikirchen locker unter den Fussabstreifer von spirituellen Selbsterfahrern. Im einzigen Glaubensmarkt seid Ihr plötzlich ein Nichts voller greinender Bedenkenträger, zumindest die Protestanten haben in der Moderne jeden Scheiss mitgemacht und jetzt kaufen sie wieder jeden Rettungsring, den ihnen irgendwelche selbsternannten Modernisierer hinhalten, und Eure eigene Kernkompetenz der Glaubensvermittlung geht Euch am Arsch vorbei, Hauptsache ihr habt diese tollen Jugendgottesdienste.

Was früher mal Eure Basis war, mutige Pastoren und Kenner der Religion, sind heute selbstzufriedene Prediger und gelangweilte Statthalter. Der Nachwuchs hat keine Bindung mehr an Euch, und wird auch keine Bindung an Euch mehr bekommen. Die haben sich vertschüsst zu irgendeiner Internetbespassung, Youtube, Youporn, Myspace, wo sie für Euch und Eure Bibelabfütterung unerreichbar sind und bleiben.

Ihr haltet das vielleicht für den Gully, und ihr habt Recht: Das ist unterirdisch. Da kommt keiner von Euren bisherigen Glaubensproduzenten mehr nach. Uber diesem riesigen Morast da unten mit seinen Sekten, Xenus und der totalen Leckt-Mich-Haltung gegenüber Euch alten Talaren, über all dem könnten die Christen eventuell eine Sache hervorgebringen, die manche Leute vielleicht davon abhält, Jesus komplett zu vergessen. Die Emerging Church. Dieser Diskurs ist eine Rückhaltlinie auf einem Territorium, das Ihr mit Eurer Gutsherren Attitüde nie beachtet habt. Ihr rümpft vielleicht die Nase, weil sie sich nicht an eure Tradition halten und kontrollierbar sind, aber auf dem Feld des Reiches Gottes und des Glaubens, die noch so halbwegs mit der Euren vergleichbar sind, sind sie alles, was da ist. Ansonsten ist um Euch herum das Glaubensdebakel, das Ihr selbst mit angerichtet habt.

Es wird wachsen. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen deren Aufstieg und Eurem Niedergang. Ich weiss nicht, ob EC eine Mode ist. Aber Kirchen sind die Fetzen einer 2000 Jahre alten Kleiderordnung, die längst fadenscheinig ist und nie gewaschen wurde. Eine Kleiderordnung, von der die meisten Christen nicht mal wissen, dass es sie gibt. Sie merken nur, dass Euer Angebot von der selbstgerechten Lethargie über ständige Urteilen über andere Christen bis zum Verwalten von Pfründen stinkt.

Ich bin kein Hellseher und kein Scharlatan, und vielleicht stimmt es, und EC ist nur eine Modeerscheinung. Aber an Eurer Stelle würde ich auf die Knie gehen und zu Gott beten, dass es das nicht ist. Denn wenn das nur eine Mode ist, was wird dann erst mit Euch sein?”

(Der Originaltext steht hier)

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Vorwärts ins Mittelalter

März 1, 2007 at 10:16 Uhr nachmittags (Uncategorized)

“He’s a youth pastor, he and some friends decide to have a group study comparing Rob Bell’s Velvet Elvis and Brian McLaren’s Generous Orthodoxy - and then they compose a notebook of all their observations, a few elders get nervous and the pastor and elders make a decision to ban all study of Bell’s and” McLaren’s books.”

Mich beschleicht das Gefühl, das ich all das, was ich an “Kirche” nicht mag, mit Hilfe der Systemtheorie auf’s Beste zerlegen könnte… Leider bin ich nicht mehr richtig drin im Thema und hätte auch die Zeit nicht, mich da so intensiv mit zu beschäftigen, aber vielleicht wäre es wirklich ganz lohnenswert, das mal zu tun.

Je mehr ich über Emerging Church lese, desto unverständlicher wird mir, warum ich so vieles an der Kirche nie in Frage gestellt habe. Natürlich hat auch dieses System vornehmlich die Aufgabe der Reduktion von Komplexität, aber das ich ihre Grundvoraussetzungen immer einfach so geschluckt habe, verwundert mich sehr. EC könnte eine so grosse Sprengkraft haben, dass ich die Angst mancher Kirchen davor schon verstehen kann, so überflüssig sie auch sein mag.

Aufregende Zeiten.

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