Ackermann

November 29, 2006 at 11:09 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Mit Mitte 30 regt mich eigentlich fast keine Schweinerei in Wirtschaft und Politik mehr auf, die so ans Licht kommt. Ich bin das gewöhnt, habe das selber erfahren und für mich ist das eher der Normalfall.

Aber das Josef “Victory” Ackmann sich tatsächlich vor einem deutschen Gericht mit schlappen 3,2 Millionen freikaufen kann, das lässt mir doch den Kamm schwellen. Jaja, ich weiss, über 100.000 Verfahren wurden letztes Jahr auf diese Weise beendet und das ist auch nicht nicht nur von vermögenden Personen. Aber der Mann verdient bis zu 20 Millionen EUR im Jahr (Quelle: Berliner Zeitung). Und muss noch nicht mal seinen Schreibtisch räumen

Das ist er, der Abschaum der Gesellschaft. Wenn ich ein Konto bei der Deutschen Bank hätte - spätestens jetzt hätte ich keines mehr. Eher würde ich mein Geld den zahlosen Pennern in Neukölln geben. Die haben vielleicht noch eine Restbegriff von Würde.

So. Jetzt ist es auch gut. Erinnert sich in einem Jahr eh kein Schwein mehr dran.

Permalink Keine Kommentare

Christliche Popmusik - eine Polemik (die ich eigentlich Anfang der 90ger schreiben wollte, wozu ich aber nicht gekommen bin; sollte das also veraltet sein, so bitte ich um freundliche Nichtbeachtung.)

November 22, 2006 at 11:08 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Zwei Artikel, die ich heute gelesen haben, beschäftigen sich mit einem Zombie, den ich für mich schon vor vielen Jahren begraben habe: Christliche Pop/Rockmusik.

In den frühen 90gern habe ich einige Jahre ehrenamtlich als Aufnahme-Leiter einer christlichen Radiosendung im Bürgerfunk gearbeitet. Der Gründer der Gruppe hatte verfügt, das nur christliche Musik gespielt werden dürfe, und da ich durch meine Freunde aus meiner Gemeinde bereits vorgewarnt war, konnte ich mich nur unwirsch in mein Schicksal fügen. Ich hörte also Woche für Woche haufenweise CDs durch, die entweder gespendet oder uns ausgeliehen wurde, und ich kann mich nicht an eine Platte erinnern, die ich zumindest ok fand.

Die allermeisten Bands und Musiker hatten sich anscheinend zum Ziel gesetzt, eine “christliche” Alternative zu bereits bestehenden Angebote zu schaffen. Hin und wieder kamen sie ihrem Ziel sogar einigermassen Nahe, aber letztlich war das alles ein einziges, erbärmliches Scheitern. Einer versuchte sogar, wie Sting zu klingen und selbst das hat er nicht geschafft. Und wenn es nicht um das direkte Kopieren ging, dann zumindest um den “Lowest Common Denominator”, damit man bloss viele Menschen mit der “Botschaft” “erreicht”.

Ich habe mich immer gefragt, was um Himmels Willen da für ein Musikverständnis hintersteckt. Warum sollte ich als Christ nicht normale Musik, sondern drittklassige Kopien hören, nur, weil die Kopie “christliche” Texte singt? Ich vermute, das Menschen, die so etwas hören oder produzieren, Musik als eine Art Dienstleitung ansehen. Sie soll einen bestimmten “Zweck” erfüllen (Entspannung, Erholung, Unterhaltung, whatever), und dabei ist es eigentlich Wurst, wer das fabriziert, Hauptsache, es steht “christlich” drauf. Vielleicht ähnlich einem Provider - man will ins Netz, völlig egal, wer einem diesen Zugang nun bietet, solange die Formalitäten stimmen.
Diese Art von Denken gibt es ja auch bei dem Rest der Musikindustrie, und es hat uns seit Jahren mit einem Haufen Scheisse übergossen, der nichts ausser geschmacksidentisch mit dem Haufen Scheisse davor zu sein hatte. Wie gesagt, ich bin da lange raus, vielleicht hat es eine kreative Explosion im christlichen Bereich gegeben, die ich nicht mitbekommen habe.

Verwandte, strikt kommerzielle Ansichten scheint auch Ralf Schröter zu vertreten, der bei Jesus.de unter dem unsäglich bescheuerten Titel “Quo Vadis, christliche Musikszene?” (Nein, das war wohl nicht ironisch gemeint) interviewt wurde. Das böse K-Wort spricht er nicht aus, aber Kernwörte sind “Dienstleistungscharakter”, “massenkompatibel” und “Entertainment”. Angelehnt an seine 5 Thesen - meine 5 Thesen zur “christlichen Popmusik”

1. Es gibt zu wenig vermarktbare Musik.
Wir betrachten das jetzt mal aus der kommerziellen Perspektive. In den Jahren, in denen ich bei einem kleinen (nicht christlich ausgerichteten) Indielabel als A&R und Label Manager gearbeitet habe, sind 99% aller zugeschickten Demos innerhalb von jeweils gut 30 Sekunden auf dem Müll gelandet, weil sie einfach schlecht waren, und damit meine ich nicht die Aufnahmequalität (die Quote deckt sich übrigens mit anderen A&Rs). Hat man aber tatsächlich mal etwas vielversprechendes auf dem Tisch, guckt man sich die Leute an, die dahinter stehen. Ich erinnere mich an eine CD aus Köln, die ich wirklich ziemlich gut fand. Leider entpuppte sich die “Band” als schon etwas älteres Produzententeam, die “bei Bedarf eine Band zusammenstellen” hätte können, aber wie soll man mit so etwas arbeiten? Also schon wieder ein Demo, das den Weg alles Irdischen geht.
Wenn also noch nicht mal 1% die Mindestanforderungen erfüllen, wie klein dürfte dann die Chance sein, das sich unter den musikmachenden Christen Bands und Musiker befinden, mit denen es sich lohnen würde, zu arbeiten?

2. Preaching to the converted
Gut, es hat sich schon etwas geändert. Wiglaf Drostes Reim “Mit Fanta und mit Butterkeks sind junge Christen unterwegs” stimmt so nicht mehr, so leicht sind sie nicht mehr zu identifiziren und das Ghetto ist durchlässiger geworden und in den USA ist sowieso alles anders. Aber: Wer kommt zu euren Konzerten, christliche Bands? Genau. Christen. Warum? Weil euch kein anderer hören will. Warum? Weil ihr euch von vornherein in einen christlichen Kontext stellt, ohne dessen Schubkraft wohl auch niemand Notiz von euch genommen hätte. Und weil ihr eben nicht zu dem einen Prozent gehört.

3. Kunst, die sich instrumentalisieren lässt, ist meistens scheisse.
Es ist ja nichts dagegen zu sagen, das man sich nach den Hörgewohnheiten des Publikums richtet, schliesslich macht man ja meistens Musik, die man selber gerne hören würde. Aber was spricht dagegen, Musik nur um der Musik willen zu machen? Warum ist es überhaupt wichtig, das so viele Leute wie Möglich diese hören? (Siehe auch 2.) Wäre das glaubwürdig? Warum nicht überhaupt mal Musik als Kunstform betrachten? Oder hängst Du Deine Van Gogh-Drucke ab und ersetzt sie durch ähnliche , aber schlechte Bilder, weil van Gogh kein Christ war? Man kann sein Christsein auf so viele verschiedene Arten leben und zeigen, aber man braucht dafür selten ein Megaphon und einen Dampfhammer. Aber vielleicht ein bißchen Eigenständigkeit.

4. Was ist christliche Musik - für Hörer?
Als ich das letzte Mal auf meine Gitarre geschaut habe, konnte ich keine christlichen Noten erkennen. Also liegt es an den Texten? Hat christliche Musik Texte, die vom Christentum handeln? Oder müssen die nur von einem Christen verfasst werden? Woher weiss ich, ob der Typ überhaupt Christ ist? Nur, weil er das vor 10 Jahren mal im Suff während eines Interviews behauptet hat? Was ist überhaupt ein Christ? Was, wenn er nicht regelmässig in die Kirche geht? Und kifft? Was ist mit Dylan, der war mal Christ. Kann ich dann nur die Platten hören, die er in diesem Zeitraum gemacht hat?

5. Christliche Popmusik ist Quatsch
Will man Lieder über Jesus machen, die für Leute sind, die an Jesus glauben - fair enough. Will man Künstler sein, dann sollte man es um der Kunst willen machen. Hat man dann das Gefühl, man soll Lieder über Jesus machen, die für Leute sind, die an Jesus glauben, cool. Ansonsten soll man vor allen Dingen eins: Sich treu bleiben. Wie das geht kann man bei Sufjan Stevens hören, oder bei David Eugene Edwards.

Und zun dem anderen Artikel komme ich später.

Nachtrag: Der Text von einem Jörn Schlüter geht wohl in eine ähnliche Richtung.

Permalink Keine Kommentare

Woody Allen Vs. Bill Graham

November 22, 2006 at 11:07 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Permalink Keine Kommentare

Emsdetten

November 22, 2006 at 11:07 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Besser als Holgi hätte ich es auch nicht sagen können:

Wie in Erfurt werden sie sagen, die Computerspiele sind schuld. Sie werden sagen, es sei ein bedauerlicher Einzelfall. Sie werden so tun, als sei das Böse plötzlich vom Himmel gefallen. Sie werden sich nicht um die Hintergründe kümmern, denn dann müssten sie zugeben, dass ihre Idee von Gesellschaft eine schlechte Idee ist. Kerner wird wieder Schwachsinn reden. Pfeiffer wird wieder Schwachsinn reden. Die Schützenvereine werden ihre Hände wieder in Unschuld waschen, weil es ja schliesslich ein Sport ist, Projektile abzufeuern und keine Krankheit. Die Innenminister werden wieder Schwachsinn reden. Wolfgang Bossbach wird erst recht Schwachsinn reden. Dann werden sie vielleicht die Schule renovieren. Seelsorger werden ihr bestes tun, Seelen zu versorgen. Therapeuten werden wieder Sachverstand simulieren. Staatsanwälte werden sich zurücklehnen, weil ja alles klar ist. Die Medien werden in einer Woche eine neue Sau durchs Dorf treiben, Kerner wird wieder dabei sein und die Opfer und deren Angehörige werden sprachlos zurückbleiben. Warum sowas passiert, wird solange niemanden interessieren, wie der Täter einen Namen hat und alle mit dem Finger auf ihn zeigen können. Wie in Erfurt.

Und es wird wieder passieren. Wie in Emsdetten.

Permalink Keine Kommentare

Borat

November 21, 2006 at 11:06 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Der Film ist leider hinter meinen Erwartungen zurück geblieben. Was als einzelner Clip bei Ali G. sehr gut funktioniert, krankt auf Spielfilmlänge leider daran, das Borat - anders wie bei Michael Moore - nie auf Augenhöhe kommuniziert und die rassistischen “Enthüllungen” deswegen meistens verpuffen. Wenn ich einen Freak vor mir habe, dann will ich den so schnell als Möglich los werden und sicher nicht eine Diskussion über Zigeuner oder Juden anfangen. Könnte ich zwar, sollte ich auch, vor allem, wenn eine Kamera dabei ist, aber - geschenkt. Da waren die Clips für die Ali G. Show einfach wesentlich besser auf den Punkt gebracht. Deswegen wohl auch die Szenen, in denen Cohen absolut schmerzfrei agiert, was durchaus beeindruckend ist. Aber das war wohl kaum das Ziel des Films. Trotzdem sehr lustig und für die ganze Familie zu empfehlen.

Es gibt auch zwei Begegnungen mit Christen. Die eine ist ein Dinner, das im Rahmen eines Benimmkurses stattfindet, bei dem Cohen auch das einzige Mal aus der Rolle fällt und die Frau des Pastors beleidigt, was schlicht billig ist. Diese entlarven sich aber später trotzdem als erbärmlich, als eine Nutte an der Tür klingelt, die Borat noch eingeladen hatte, und der Pfarrer dann ganz schnell nach Hause musste. In der Bibel steht das anders.

Die zweite Christenbegegnung findet in einer charismatischen Pfingstgemeinde statt. Borat hat vor der Tür in einem Schlafsack übernachtet und wird von den Gemeindemitgliedern geweckt, die in die Kirche gehen. Das ihn niemand anspricht, kann natürlich gestellt sein,

In der Kirche sieht man dann einen Pfingstgottesdienst, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt: Leute stehen verzückt mit erhobenen Armen und geschlossenen Augen in der Gegend rum, andere hüpfen oder laufen vor der Bühne hin und her, auf der ein Pastor irgendwelche Worthülen ins Mikrofon schreit. Das dürfte also in etwa das sein, was sich Paulus unter einem nüchternen Gottesdienst vorgestellt hat. Borat steht neben einem Gläubigen, der irgendwann anfängt, seine Hand zu nhemen (so scheint es jedenfalls), um sie in die Höhe zu heben. Das geht dann weiter, bis der Patstor Leute nach vorne bittet, um was auch immer mit ihnen zu tun. Borat wird begleitet und erzählt der Gemeinde seine Geschichte kurz in seinem gebrochenen Englisch und fragt den Pastor, ob Jesus ihn, seine Frau, sein Kind u.s.w lieb hat, wobei die Gemeinde Humor beweisst: Er fragt, ob Jesus auch seinen Nachbarn lieb hätte, und als sein Gegenüber bejaht behauptet er, dass das nicht sein kann, weil niemand seinen Nachbarn mögen würde. Und die Leute lachen.

Dann wird er gesegnet, Leute brüllen auf ihn ein, während sie ihm die Hand auflegen und irgendwas in anderen Sprachen sagen, was Borat nachmacht und daraufhin noch ermutigt wird. Er lässt sich dann “erschöpft” zu Boden fallen, wird aber ständig von irgendwelchen anderen Leuten zugetextet. Und ab.

Meine Nichtchristenfreudin zur linken und meine Christenfreundin zur rechten meinten bei dieser Szene beide, dass das absolut grauenhaft sei, und ich muss ihnen zum Größten Teil recht geben. Ich sehe allerdings auch die Ernsthaftigkeit, mit der manche Menschen so ihr Christsein leben und denke, dass sie es nicht verdient haben, so der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. Hier treffen natürlich zwei Paradigmen aufeinander: Zum einen der postmoderne Narr, dessen Letztgewissheit eine russische Puppe ist, aus der immer noch bei Bedarf eine weitere gezogen werden kann, dort Menschen, die sich freiwillig für ihren Glauben in eine Extase begeben. Da kann es keine Kommunikation geben, und ich finde diese Szenen genauso bedrückend wie lustig.

Trotzdem kann ich mich 10x mehr mit dem postmodernen Menschen identifizieren als mit den Pfingstlern, und es tut mir weh, das Christen sich so vorführen lassen. Gut zu wissen, das Gott auch da das letzte Wort hat.

Permalink Keine Kommentare

Church 2.0

November 20, 2006 at 11:05 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Da Christen doch immer alles nachmachen müssen frage ich mich, wann die erste Worthülsenkanone von Kirche 2.0, oh sorry, das muss natürlich Church 2.0 heissen, sprechen wird. Kann ja nur noch 20 Jahre dauern.

Permalink Keine Kommentare

Der Charismatiker und ich

November 20, 2006 at 11:05 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Ich habs wohl einfach nicht mit Charismatikern.
Damals (Mitte der 80gerbis Anfang 90ger), in der rheinischen Kreisstadt, in der ich aufgewachen bin, gab es davon so einige. Mit denen zusammen hat die baptistische Jugendgruppe meiner Gemeinde für einige Jahre einen CVJM-Saal in Bahnhofsnähe für missionarische Gottesdienste genutzt, daher hatte ich häufiger Kontakt mit ihnen. Verstanden habe ich sie selten.

Am meisten wird mich wohl ihre Fixiertheit auf ihre Geistesgaben genervt haben, und als Nicht-Geistesgaben-Beschenkter fühlte ich mich damals immer etwas wie ein Christ 2.Klasse. Noch deprimierter wurde ich, als mir 2 Freunde auf Nachfrage sagten, sie könnten auch in Zugen beten. Ich habe mich für sie gefreut, aber man macht sich so seine Gedanken. Immerhin hatte ich mal eine Art inneres Bild beim Beten, das sich auf die erwähnten Gottesdienste bezog, aber das wars dann auch schon.

Richtig diskutieren ging mit meinen gefühlsbetonten Freunden auch nicht, was vielleicht daran lag, das sie aufgrund ihrer Einstellung für intellektuelle Diskussionen eh nichts übrig hatten. Dabei fand ich ihre Art, den Glauben zu leben, eigentlich immer interessant, und ich hätte auch gerne ein Verständnis dafür entwickelt, aber zumindest damals schien mir der Graben zwischen Charismatikern und, äh, Nicht-Charismatikern tiefer als der zwischen Katholiken und Protestanten.

Dabei befürchte ich, das mir einiges entgeht. Ich mir zwar nur sehr schlecht vorstellen, in einem Gottesdienst mit den Händen zu wedeln, unkontrolliert zu zucken und zu lachen, aber ich möchte offen sein für das, was Gott mit mir vorhat. Und ich glaube, ich brauche langsam mal wieder einen richtigen Fortschritt. Die Dinge, die ich tue und die sich richtig anfühlen erscheinen mir als so extrem kleine Schritte, und das geht seit Jahren nicht anders. Vielleicht habe ich ja auch wirklich “innere Blockaden“, aber es stellt sich die Frage, wo die Verbindungen von eigener Persönlichkeit und “Glaubensstil” liegen.

Darauf gekommen bin ich über eine für mich leider ziemlich typische Diskussion mit jemandem, der den eigenen “Frömmigkeitsstil” für “allein selig machend” hält. In gewisser Weise kann ich das sogar nachvollziehen. Trotzdem: Man muss diese entgegengesetzt scheinenden Pole doch verbinden können.

====
Seit ich dieses blog schreibe, suche ich gezielt nach christlichen blogs. Derer scheint es nicht eben viele zu geben, und sie werden anscheinend fast alle von Charismatikern geschrieben. Auch sehr viele “Jesus Freaks” scheinen darunter zu sein; eine Bewegung, die mir schon von ihrem Sprachgebrauch her in etwa so fremd wie ist wie die Tiefsee. Seltsam, eigentlich. Haben die anderen Christen nichts zu sagen?

Permalink Keine Kommentare

Heute in der Kirche

November 19, 2006 at 11:03 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Gestern waren die Liebste und ich auf einer Geburtstagsparty in 61, heute morgen dann das erwartete Motivationstief, um halb 9 aufzustehen. Zum Glück werde ich von der rechten Bettseite immer bedrängt aufzustehen, obwohl sie selber mit Jesus und Kirche nichts zu tun haben will. Aber sie sagte mal, das ich immer glücklicher wirke, wenn ich in der Kirche gewesen sei, deshalb fände sie das gut. Ein guter Grund. Aber leider wirke ich wohl nicht glücklich genug auf sie, um selber mal mitzukommen… *seufz*

Schon seit Monaten spüre ich den Wunsch, wieder mehr in der Kirche mitzuarbeiten. Obwohl es nur eine kleine Gemeinde ist, bemerke ich fast an jedem Sonntag, an dem ich da bin, mir völlig unbekannte Gesichter. Einer hat mich sogar mal gefragt, ob ich neu sei und Lust hätte, in den Hauskreis zu kommen. Das spricht natürlich Bände… Schliesslich bin ich seit 1999 dort.

Heute habe ich dem Pastor jedenfalls gesagt, das ich durchaus mehr machen wolle. Für mich war das nicht unbedingt einfach, denn ich habe einige Zeit tatsächlich mal eine Jugendgruppe geleitet, bin damit aber ziemlich erbärmlich gescheitert. Auch ein von mir initiierter vorgottesdienstlicher Gebetskreis ist irgendwann eingeschlafen, aber ausser einem älteren Ehepaar ist eh nie jemand gekommen (und ich war immer sehr dankbar für die beiden). Überhaupt habe ich, glaube ich, in allen Diensten, die ich in der Kirche mal übernommen habe, auf die eine oder andere Weise versagt. Das sind nicht die besten Qualifikationen, aber zum Glück sind solche Dinge in diesem Fall nicht entscheidend.

Da gibt z.B. diese Kolumne im Gemeindebrief, in der Kirchenmitglieder über ihr liebstes Bibelwort schreiben. Derzeit liegt sie aus Platzgründen etwas auf Eis, aber ich habe sie immer gerne gelesen und werde jetzt auch etwas dazu verfassen. Imemrhin ein Anfang, und vielleicht auch eine Möglichkeit, wieder mehr mit Leuten aus der Gemeinde Kontakt zu bekommen. Manche kenne ich überhaupt nur aufgrund dieser Beiträge.

Ich würde auch gerne wieder in einen Hauskreis gehen, wenn ich nur die Zeit dafür fände. Der Pastor sagte heute, das der Vorstand eh an einer Reform der Hauskreise arbeite. Vielleicht eröffnen sich da ja noch Möglichkeiten, von denen ich jetzt noch nichts ahne. Da ist Gott ja ziemlich gut drin…

Permalink Keine Kommentare

Altar des Alltags

November 16, 2006 at 11:03 Uhr nachmittags (Uncategorized)

<% image name="Altar-des-Altags" as="thumbnail" class="left" align="left" %>

Ich erinnere mich, das meine Mutter viele Jahre als Haushälterin bei einer Unternehmerfamilie arbeiten musste. Dort kam hin und wieder die Oma vorbei und fragte meine Mutter eines Tages, ob sie wisse, zu welchem Heiligen man beten müsse, wenn man seine Schlüssel verloren habe.

Diese Geschichte symbolisiert für mich immer die bizarre Welt des Katholizismus, der sich an den Alltag anschleimt, aber die Leute trotzdem nur mit pompösemPipifax abspeist, anstatt ihnen zu sagen, das sich die ganze Geschichte um Jesus dreht und man den ganzen anderen Quatsch schleunigst vergessen sollte. Andererseits habe ich in meinem Leben einige Katholiken getroffen, die echte und engagierte Christen waren, und es hat mich immer mit Respekt erfüllt, wie man in diesem religiösen Nebelkerzen-Terror tatsächlich herausfinden kann, um was es eigentlich geht.

Die Riesenmaschine hat seit kurzem ein neues Projekt namens: Altar des Alltags, bei dem man online zu Götter beten kann wie

dem Gott des übertriebenen Ehrgeizes an der falschen Stelle,
dem Gott des passbildtauglichen Gesichtsausdrucks,
dem Gott der Nagetiere und vorsichtshalber auch Hasenartigen
dem Gott der Kontrolle über die eigenen Haare

und noch einigen anderen. Per webcam kann man kontrollieren, ob das Gebet sein Ziel erreicht hat.

Das wäre dann sowas wie Katholizismus für St.Oberholz-Besucher. Wenns hilft…

…ach ja: Hat sich eigentlich schon jemand getraut, die ZIA mit dem ekligen 70-Jahre Begriff der “Spassguerilla” zu bedenken? Nicht? Ha. Erster. Das Buch ist trotzdem uneingeschränkt empfehlenswert

Permalink Keine Kommentare

Who cares?

November 14, 2006 at 11:02 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Neulich abend musste ich noch zu Saturn am Alex, um für das Büro eine Festplatte zu kaufen. Der Media Markt läge zwar näher, aber da ich mir langsam angewöhne, auch das Verhalten von Unternehmen zunehmend in meine Kaufentscheidungen miteinzubeziehen, können die auf ihren Angeboten sitzenbleiben, bis ihnen Efeu aus dem Arsch wächst. Sei’s drum.

Der Großteil des Platzes war zu meinem Erstaunen schon fertig saniert, nur der Brunnen in der Mitte ist noch mit Bauzäunen abgesperrt. Und da standen sie vor. Ein weisser Buss mit offenen Türen, hinter der Heckklappe eine kleine PA. Dahinter, am Bauzaun befestigt, ein großes, dunkelrotes Tuch, auf das jemand Unbeholfenes goldene, ausgeschnittene Buchstaben geklebt hat. Jesus liebt Dich, stand da drauf, oder etwas ähnliches. Vor der PA standen mehrere Leute, von denen einer auf englisch mit amerikanischem Akzent erzählte, wie er mal in eine christliche Gruppe gekommen sei, die “den Herrn preisten” und ihn “Anbeteten”; da wurde er ganz glücklich. Neben ihm, wie der Amerikaner ebenso mit einem Mikrofon ausgestattet, befand sich eine junge Frau, die Übersetzte, deren häufigst gebrauchtetes Wort aber “ja” war, das sie ähnlich benutzte wie Edmund Stoiber sein “ähh”. Das machen viele Christen so, wie mir aufgefallen ist.

Jedenfalls war es dunkel und kalt, und niemand hörte zu. Als ich nach ca. 20 Minuten wieder aus dem Saturn kam, standen sie immer noch da, nur das Personal hatte gewechselt. Statt Amerikaner mit Mädchen gab es dort nun einen Mann, der subinspiriert auf einer Conga ruklopfte. Darüber fragte ein anderer Mann in bedeutungsschwangerem Unterton, ob wir uns schon einmal Gedanken gemacht hätten, was wir wohl denken werden, wenn wir mal auf dem Sterbebette lägen. Neben mir lachte ein junges Mädchen auf: “Nee, aber Du bestimmt!” und ging in den Kaufhof.

Man kann sowas ja öfters beobachten, aber der tieferen Sinn solcher Aktionen blieb mir bislang im Dunklen. Warum machen die das? Die sagen also, sie hätten das tollste erlebt, das Ihnen in ihrem Leben wiederfahren ist, endlich hätte es einen Sinn und sie sind so begeistert, das sie sich im Winter auf einen zugigen Platz stellen müssen - und ihnen fällt nichts anderes ein als ein lausiges Tuch mit aufgeklebten Buchstaben, eine krüpplige PA und und ein paar unbeholfene Sätze, bei den sie sich anscheinend auf ihre eigene “Athentizität” verlassen (ein Konzept, das sogar mein Vater schon verabschiedet hat); oder warum sonst ist diese Aktion eine halbe Welt enfernt von allem, was Menschen heutzutage vielleicht ansprechen könnte?

Auf mich wirkten sie ein wenig wie die Zeugen Jehovas, die auch bei Regen und Schnee ihren Wachturm verticken müssen, damit sie vielleicht doch noch einen Platz unter den 144000 bekommen.

Ich will das nicht ins Lächerliche ziehen. Ich selbst habe in meiner Jugend im Rheinland mehrere Male mit meiner Kirchengruppe in der Fussgängerzone gestanden und versucht, den Passanten wenigstens ein Faltblatt (oder christlich: Traktat) in die Finger zu zwingen. Erfolgreich konnte man diese Versuche nicht gerade nennen.

Ich kann verstehen, warum die Heilsarmee solche Aktionen macht, denn sie bauen eben gerade darauf, so dermassen nicht von dieser Welt zu sein, dass sieals pure Antithese zum Alltag Interesse wecken und wenigstens Respekt entgegen gebracht bekommen.

Aber “normale” Christen”? So sehr ich auch an “ergebnisorientierem” Missionieren zweifle - vielleicht könnte man ja doch etwas lernen von der bösen Welt. Und wenn es nur ist, wie man Menschen vielleicht für die eigene Sache interessieren könnte. Sich auf öffentlichen Plätzen den Arsch abzufrieren erscheint mir da nicht so geeignet.

Permalink Keine Kommentare

November 13, 2006 at 11:01 Uhr nachmittags (Uncategorized)

ja ist das christliche äh.

Permalink Keine Kommentare

Eine Massage oder so.

November 7, 2006 at 11:00 Uhr nachmittags (Uncategorized)

Ted Haggard, konservativer evangelikaler Christ, hat Scheisse gebaut. Aber so richtig. Homosexualiät als Sünde predigen und einen Callboy pimpern, das dürfte selbst der liberalste Christ nicht als gelungenen Lebensstil durchwinken.

Meine erste Reaktion ist natürlich: What a fucking scumbag. Haggard vertritt ungefähr so ziemlich alles, was ich an Christen nicht schätze: Er ist rechts, ein Freund von George Bush, und maßt sich eine Deutungshoheit an, die m.E. auch einem Gemeindeleiter nur in sehr begrenzetem Umfang zusteht. Ich habe solche Christen darüberhinaus immer im Verdacht, aus anderen Motiven zu handeln, als aus der Frage, was Gott will. Mir ist da zuviel Macht und Geld im Spiel, und ich kenne zuviel Beispiele, wo eine Verbindung dieser beiden Aspekte wenig erbauliches angerichtet hat.

Aber: Was, wenn er wirklich ein Mann ist, der Gott mit ganzem Herzen sucht und einfach nur mal so richtig auf die Freese gefallen ist? Schliesslich ist mir das auch passiert, wenn auch mit der Einschränkung, dass ich nicht in einer Leitungsposition bin und viele Menschen ihren Glauben nicht zuletzt an meinem Beispiel ausrichten. Was also, wenn die Callboy-Besuche einfach nur - eine Sünde waren? Schliesslich kenne ich den Mann überhaupt nicht. In diesem Fall hätte er natürlich mein Mitleid verdient. Und er darf sich auch auf die Hoffnung nach Vergebung berufen.

Aber das darf nicht alles sein. Als ich damals die wahrscheinlich grösste Dummheit meines bisherigen Lebens beging, habe ich zumindest zwei Dinge gelernt: Gottes Gnade ist grösser als mein Selbsthass, und: Es ist gut, Prinzipien zu haben und danach zu leben. Aber die Rigorosität, mit der man diese Ziele vor allem bei anderen einfordert, wird irgendwann die Fallhöhe bestimmen, aus der man auf seine eigene Fehlbarkeit prallen wird.

Permalink Keine Kommentare

« Vorherige Einträge